Wer sich in Erster Hilfe sicherer fühlen will, besucht einen Kurs. Wer wirkliche Praxis trainieren will, bucht ein Seminar der besonderen Art: lebensnah und unbarmherzig. Redakteurin Astrid Nissen war dabei

(amn) Ich steige aus dem Auto, jemand zieht einen gefällten Baum durch den Schnee an mir vorbei. Er trägt nur ­einen dünnen Pullover und kurze Hosen, während ich über eine weitere Schicht Kleidung nachdenke. Dieser Jemand ist Arne Iwersen. Zu dem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass er am Abend zwölf Minuten in einem Eisloch im See baden wird – und zwar freiwillig. Arne Iwersen macht, wie die meisten der insgesamt zwölf Teilnehmer des Kurses, eine Ausbildung zum sogenannten Outdoor Guide. Sein Ziel ist, eines Tages Reisende durch die Landschaft Skandinaviens zu führen. Unser gemeinsames Erste-Hilfe-Wochenende ist eines der vielen dafür nötigen Module, um später als zertifizierter Führer arbeiten zu können. In den kommenden drei Tagen werden wir  viel Theorie lernen – das kenne ich bereits von dem Erste-Hilfe-Kurs, den ich eine Woche zuvor für den Führerschein absolviert habe. Doch den Unterschied machen die Fallbeispiele aus: schon während der Lehrstunden reißen uns Schreie und blutüberströmte Menschen aus dem Konzept. Klar, Unfälle lassen sich nicht planen. Natürlich ist alles von Dost und drei seiner Kollegen aus dem EarthTrail-Team nur gespielt. Doch die Teilnehmer wissen weder, wann diese Unfälle geschehen, noch wo oder was sie erwartet. Und das hebt den Lerneffekt auf ein gänzlich neues Niveau.

EXPLORER - Ausgabe 2018-04
Sehen Sie in diesem Video einen kleinen Ausschnitt aus dem Trainingscamp – und lesen Sie im EXPLORER 2018-04 die dazu passende Reportage.Jetzt bestellen
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