Was muss mit an Wasser, Strom und Gas?

Wer campen fährt, hat einen zweiten Hausstand dabei – erst recht, wenn man autark leben möchte. Aber wie viel Strom, Wasser, Gas braucht man eigentlich wirklich?

Wanderer, Radfahrer, Rucksack­reisende, Motorradfahrer – sie sind alle zu bewundern. Wie schaffen sie es nur, alles für eine Reise Nötige auf so wenig Platz unter­zubekommen? In 30, vielleicht 40 Litern Volumen?

So viel Platz bietet in einem Geländewagen allein schon die Kühlbox! Bewundernswerte Askese für die einen, bedauernswerter Minimalismus für die anderen. Fakt ist: Wir Camper schleppen allzu oft viel zu viel mit uns herum, schließlich kann man nie wissen und sicher ist sicher. Wahrhaft schlau ist dies aber auch nicht, denn jedes Kilogramm drückt auf die Achsen und den Verbrauch, jedes vollgeräumte Schapp sorgt dafür, dass wir nicht das finden, was wir eigentlich suchen. Und das ist nicht materialistisch gemeint.

Erfahrene Reisende sprechen gern von der Zehn-Sekunden-Regel. Alles, was man in dieser Zeit nicht heraus­gekramt oder gefunden hat, wird man auf einer Reise aller Wahrscheinlichkeit nach weder nutzen noch vermissen. ­Spezial- und Sportausrüstung ist an dieser Stelle einmal ausgenommen, bei ­allen Alltagsgegenständen trifft das jedoch ziemlich gut zu. Ohnehin ist es so, dass sich der Hausstand auf Reisen von ganz allein füllt, der Camper am Ende der Saison immer einige Kilo fetter in der Auffahrt steht als nach dem Frühjahrs­putz. Vom gesellschaftlichen Aspekt dieses Themas einmal abgesehen (wie viel brauche ich wirklich?), sind zu viel Ausrüstung, zu viel Wasser, zu viele Ersatzteile aber auch einfach nicht gesund. Schließlich kostet jedes transportierte Kilogramm Leistung, Lebensraum und Leichtigkeit abseits der Straße. Für Menschen, deren Führerscheinprüfung nach 1999 stattfand, ist die Lage auch rechtlich prekär: 3,5 Tonnen sind mit Klasse B nur erlaubt, und mit schweren 4×4-Campern viel zu schnell erreicht. Hier ist es doppelt so wichtig zu hinterfragen, ob die Axt und das zweite Ersatzrad wirklich mit müssen, oder ob es nicht auch die Taschensäge und ein Reifen-Reparaturset tun. Ein Klasse-­Drei-Führerschein und ein entsprechend größeres Auto sind jedoch kein Freifahrtschein für Ausrüstungsexzesse. Auch hier gilt es, mit Bedacht zu planen und zu packen. Sicher: Der Lkw verträgt mehr Gewicht, Spaß macht er vollgeladen aber auch nicht mehr so richtig. Und was hilft es, alles dabeizuhaben, wenn man es dann nicht findet?

Wer den Weg neu zum Overlanding und Offroad-Camping findet, verfällt gern dem Gedanken, lieber von allem etwas zu viel dabei zu haben, als an ­einem einsamen Ort etwas zu vermissen. Komfort beispielsweise. Oder, anders ausgedrückt: die Waschmaschine. Es braucht ein bisschen Zeit, um zu erkennen, dass weniger oft mehr sein kann. Schauen Sie sich die Radwanderer an, die kommen auch ans Ende der Welt.

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