The next BIG thing

Mit dem Commander 8x8 lässt SLRV die XXXL-Klasse wiederauferstehen

MAN TGS 41.480 8x8 Expeditionsmobil SLRV Commander
Basis
MAN TGS 41.480 8x8
Radstand
1.795mm / 4.030mm / 1.400mm
Wendekreis
27,4 Meter
Fahrgestell-Leergewicht
12.015 kg
Motor
480 PS (353kW), 2300 Nm
Kabine
GFK-Sandwich, 60-120mm Wandstärke
Preis
ca. 1.200.000 Euro
Hersteller
slrvexpedition.com.au

Action Mobil hatte einen. Unicat sowieso. Und sogar unter den DIYern gibt es Menschen, die verrückt genug sind, sich einen Vierachser aufzubauen. Aber in Australien – sonst eigentlich dafür bekannt, dass hier vor allem Land Cruiser und Pickups die Szene beherrschen – setzte man beim Thema 8×8 nun noch eine Nummer drauf. Und das ganz wortwörtlich. SLRV Expedition Vehicles, einer der wenigen australischen Hersteller von Fernreise-Lkw, hat das Fahrgestell eines MAN TGS 41.480 mit einer gut acht Meter langen Doppelstock-Wohnkabine bestückt. Ein Familien-Truck der ganz besonderen Art: Es gibt acht feste Betten, da wirken die von uns jüngst getesteten Familien-Lkw schon beinahe zierlich.

MAN TGS 41.480 8x8 Expeditionsmobil SLRV Commander

Kinderzimmer im Obergeschoss

Im Gegensatz zu anderen Lkw mit Hubdach, das vorrangig dazu dient, das schon grundsätzlich üppige Platzangebot noch zu vergrößern, ist der Commander 8×8, so der Modellname des Allrad-Monsters, überraschend nutzwertig orientiert. Der erste Stock ist nur durch einen kleinen Durchschlupf zu erreichen und bietet sechs Einzelbetten – mehr Schlafsaal als Kinderzimmer. Am Fußende jedes Bettes gibt es ein Fach für Kleidung und persönliche Gegenstände, auch unterhalb der Betten lässt sich mit einem Griff eine ganze Menge verstauen. Interessantes Detail: Rundherum gibt es auch im Hubelement Fenster, sie sind deckungsgleich mit den Fenstern im Erdgeschoss, sodass auch bei geschlossenem Dach Durchblick nach außen gewährleistet ist.

Der sonst so übliche kathedralenartige Raumeindruck solcher Hubdach-Konstruktionen fällt bei dieser Variante weg, das schafft aber auch konstruktionell Vorteile: Der untere Teil ist so kein offener Schuhkarton mehr, dessen Sandwichwände bei hoher Sonneneinstrahlung zu schüsseln beginnen können, weil eine obere Verbindung fehlt. Gerade auf acht Meter Kabinenlänge ein nicht zu unterschätzendes Phänomen, das mit entsprechend großen Spaltmaßen und Dichtungen hätte kompensiert werden müssen. Damit das Dach unter allen Bedingungen zuverlässig öffnet und schließt, ist es pro Seite an vier Schienen geführt und die gesamte Kabine auf einem Vierpunkt-gelagerten Hilfsrahmen montiert. Die Kabine besteht aus 60 bis 120 Millimeter starkem GFK-Sandwich, das in Vakuum-Infusion hergestellt wurde – in Sachen Haltbarkeit und Gewichtsersparnis das oberste Regal.

MAN TGS 41.480 8x8 Expeditionsmobil SLRV Commander

Wohn- und Elternschlafzimmer im Erdgeschoss

Wer für sein neues Mobilheim zwei Millionen Australische Dollar ausgibt, das sind umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro, der möchte am Abend nicht auch noch sein eigenes Bett bauen. Und so ist im Heck des Fahrzeuges ein abtrennbares Doppelbett für die Eltern vorgesehen, davor liegen Dusche (Fahrerseite)  und WC (Beifahrerseite). Doch damit nicht genug, schließlich bekommt eine Großfamilie ja auch mal Besuch von den Großeltern, für diese steht bei Bedarf ein Hubbett über der Sitzgruppe zur Verfügung. Mitfahren klappt allerdings nicht, die sechs Sitzplätze mit Beckengurten sind den Kindern vorbehalten. Entsprechend simpel erscheint deshalb auch die Dinette an der Fahrzeugfront, zum gemütlichen Rumlungern auf den Sofas laden die stark konturierten Polster nicht unbedingt ein.

Jede Menge Technik und Ausrüstung

Damit auch im Outback acht bis zehn hungrige Mäuler gestopft werden können, ist die Küche etwas größer, als man das gemeinhin kennt. Es gibt ein Induktionskochfeld, zwei Öfen mit Mikrowellen-Funktion, eine zusätzliche Außenküche (im Staufach unterhalb der Waschmaschine), vier Isotherm-Kompressor-Kühlschränke nehmen die Vorräte auf. Alles wird – natürlich – elektrisch betrieben. Die Batteriepakete füllen einen separaten Stauraum. Selbstverständlich, das neben der Heizung auch eine Stand-Klimaanlage mit an Bord ist. Um den massiven Stromverbrauch zu kompensieren, wurde eine Hochleistungs-Lichtmaschine installiert, in Kombination mit DC-DC-Wandlern können bei 24 Volt bis zu 120 Ampere Ladestrom fließen. Das Dach wurde mit einer 48-Volt-Solaranlage belegt, als Notstrom-Lösung steht ein Generator zur Verfügung. In mehreren separaten Tanks kann der Commander bis zu 1.000 Liter Wasser bunkern, für gefiltertes Trinkwasser steht ein eigener Kreislauf zur Verfügung. Am Heck hängen zwei vollwertige Ersatzräder.

MAN TGS 41.480 8x8 Expeditionsmobil SLRV Commander

Leistung bis zum Umfallen

Der TGS 41.480 8×8 gehört zu den derzeit leistungsstärksten Lkw seiner Klasse und treibt den Camper durch jedes Gelände: 2.100 Newtonmeter Drehmoment liefert der 12 Liter große Motor, alle vier Achsen lassen sich sperren, das Zwölfgang-Getriebe ist sehr fein abgestuft. 1.000 Liter Spritreserve stehen zur Verfügung, und wenn es gar nicht mehr weitergeht, hilft je eine hydraulische Seilwinde an Front und Heck mit einer Zugraft von rund 15 Tonnen und 75 Metern Seillänge womöglich den entscheidenden Zentimeter weiter. Für australische Verhältnisse eine Selbstverständlichkeit, dass der Unterfahrschutz noch einmal grundlegend überarbeitet und erweitert wurde.

13 Monate Bau- und Entwicklungszeit stecken im Commander 8×8, dem ersten Projekt dieser Größe, an das sich der australische Familienbetrieb herangewagt hat. Klar ist: Mit mehr Komfort kann eine Großfamilie nicht auf Reisen gehen. Eine Frage aber bleibt: In welcher Region außerhalb des australischen Outback ist Platz für the next big thing?

Fotos/Video: Bozcrome Industries Pty Ltd.