Insolvent: Alpha Cab & Extrem Fahrzeuge

Zwei etablierte Unternehmen der Allrad-Reisemobil-Szene sind zahlungsunfähig, ein drittes möglicherweise auf der Kippe. Kommt eine Trendwende?

Insolvenz Extrem & Alpha Cab
Insolvenz Extrem & Alpha Cab

Dass sich die 4×4-Szene seit einigen Jahren in einem gefährlichen Höhenflug befindet, ist kein Geheimnis. Zusammen mit zwei Jahren Pandemie, Lieferschwierigkeiten und nun einem Krieg an der Ostgrenze Europas droht der Absturz nun viel früher und schmerzhafter – erste Unternehmen kommen bereits unter die Räder. In den vergangenen vier Wochen mussten nun gleich zwei renommierte Betriebe Insolvenz anmelden.

24. Mai: Alpha Cab

Das Unternehmen aus Herbertingen, spezialisiert auf den Umbau von Land Cruisern zu Reisemobilen, wurde im Mai unter die Verwaltung eines vorläufigen Insolvenzverwalters gestellt. Anfragen von Kunden bleiben bereits seit mehreren Wochen unbeantwortet, auch gegenüber dem explorer gab Inhaber und Geschäftsführer Marco Achermann auf mehrmaligen Versuch keine Auskunft.
Zuständig ist das Amtsgericht Ravensburg (110 IN 216/22).

 

15. Juni: Extrem Fahrzeuge

Der Schwenninger Toyota-Spezialist, der zuletzt verstärkt auch Ford-Nutzfahrzeuge umrüstete, wurde am 15. Juni unter die Verwaltung eines vorläufigen Insolvenzverwalters gestellt – einen Tag vor Eröffnung der 24. Abenteuer & Allrad. Der dortige Stand blieb unbesetzt, gegenüber dem explorer gab Geschäftsführer Andreas Woldrich auf mehrmaligen Versuch keine Auskunft.
Zuständig ist das Amtsgericht Hechingen (10 IN 121/22).

Auch das an derselben Adresse registrierte Unternehmen Extrem Konzepte ist mit Beschluss des Amtsgerichtes Hechingen vom 23. Juni unter die Verwaltung eines Insolvenzverwalters gestellt worden.
Zuständig ist das Amtsgericht Hechingen (10 IN 125/22).

Wie der vorläufige Insolvenzverwalter beider Unternehmen im Gespräch mit dem explorer mitteilte, sei zum derzeitigen Zeitpunkt eine Fortführung von Extrem Fahrzeuge nicht zu erwarten, wohingegen es für Extrem Konzepte eine Perspektive gäbe. Betroffene Kunden sollten sich umgehend mit dem Insolvenzverwalter in Verbindung setzen, um ihre Forderungen geltend zu machen.

 

Stimmungsumbruch?

Aber nicht nur im äußersten Süden rumort es, auch zu einem Aufbau-Hersteller aus dem Kreis Rendsburg liegen dem explorer erste Informationen vor, die eine baldige Insolvenz erwarten lassen. Ist diese Häufung nur ein Zufall, oder Beginn einer größeren Konsolidierungsphase? In Gesprächen auf der zurückliegenden Abenteuer & Allrad bot sich ein gemischtes Bild. Während aus vielen Betrieben zu hören war, dass die Engpässe bei Materialien und damit verbundene Kostensteigerungen spürbar seien, war man jedoch darum bemüht zu betonen, dass die Kunden die derzeitige Entwicklung überwiegend sehr verständnisvoll begleiten würden. Gleichwohl stellten vor allem die Händler und Hersteller preiswerterer Produkte (Dachzelte, Zubehör, kleinere Kabinen) eine spürbare Kaufzurückhaltung fest.

Empfehlung: Auch diese Insolvenzen bestätigen den dringenden Rat, den Fahrzeugbrief des eigenen Wagens nicht im Unternehmen zu deponieren, sondern diesen nur für die Vorführung zu Abnahmen auszuhändigen. Es ist gängige Praxis, dass Insolvenzverwalter in allen anderen Fällen zunächst davon ausgehen dass das Fahrzeug im Besitz des Betriebs ist – mit entsprechenden Folgen für die eigentlichen Eigentümer.

Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert. Letzter Stand: 05.07. 12:40