Downsizing: Warum kleine Camper besser sind als große Camper

Größer, immer größer. Oder doch lieber kleiner? Fünf Reisende und ihre Partner berichten, warum sie vom Lkw auf ein kleineres Fahrzeug wechselten

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Hört und schaut man sich einmal in der Szene um, scheinen gerade Einsteiger mit immer größeren Fahrzeugen auf Reisen gehen zu wollen. Auch manch Selbstausbauer denkt zu Beginn noch über eine Pickup-Kabine nach und landet, früher oder später, beim Lkw. Der verspricht mehr Platz, Komfort und Autarkie, weniger Verzicht und Enge. Die Leserumfrage des EXPLORER (Ausgabe 2019-02) zeigt: Jeder vierte Leser zieht mindestens mit einem Fünftonner oder einem noch schwereren Lkw los. Aber muss es immer so groß sein oder lohnt es sich nicht auch einmal, über ein kleineres Fahrzeug nachzudenken? Wir haben fünf (Langzeit-)Reisende und ihre Partner befragt, die genau diesen Schritt wagten, von groß auf klein. Sie lernten die Welt bereits im großen Camper kennen und haben erkannt, dass ein Lkw nicht immer die optimale Entscheidung ist. Also wurden die Vor- und Nachteile von Groß und Klein abgewogen – und David hat gewonnen.

Doch es gibt auch andere Gründe, sich im Laufe eines Reiselebens zu verkleinern. Alexander und Claudia Dreher beispielsweise, sind anfangs noch mit ihren vier Töchtern und Hund Max gereist. Als die Töchter erwachsen wurden, schien der MAN G90 dem Paar zu groß und so reisen sie nun zu zweit im Buschtaxi. Sich immer wieder zu hinterfragen, vor allem aber: zu akzeptieren, dass ein einmal angeschafftes Mobil einen nicht bis zum bitteren Ende begleiten muss, das ist eine Grundhaltung, die man nicht immer antrifft. Dabei ist sie goldrichtig. „Downsizing“, also die bewusste Selbstbeschränkung aufs Wesentliche, ist zurzeit in vielen Lebensbereichen ein Thema, warum sollte das eigene Reisemobil davon ausgeschlossen bleiben? Braucht man von allem wirklich so viel?

 

Gegen den Trend

Alles schrumpft. Das Bett, die Küchenzeile, die Tanks, die Stehhöhe, der Raum und das Badezimmer – wenn es denn überhaupt noch vorhanden ist. Während man vorher im Gang noch locker aneinander vorbeigehen konnte, existiert dieser Platz nicht mehr wirklich und der eine muss sich nun mit eingezogenem Bauch an die Küchenzeile  an der Wand drängen, damit der andere vom Heck nach vorn gehen kann. Abends wird vor dem Schlafengehen nun Tetris gespielt statt, wie zuvor, Karten am großen Esstisch der Rundsitzgruppe. Doch kleiner ist nicht gleich schlechter. Tanja und Benjamin Buntrock berichten, dass zwar nun schneller Unordnung im Wagen entstehe, sie dafür mit ihrem Bulli aber morgens in der Hälfte der Zeit startklar seien. Steht weniger Stauraum zur Verfügung, beschränkt man sich eben auf das Wichtigste und spart gleichzeitig an Gewicht ein.

Das geringere Gewicht macht einen großen Vorteil der Kleinen aus. Plant man nicht gerade eine autarke Wüstendurchquerung, sind leichte Fahrzeuge leichtfüßiger im Gelände unterwegs. Und sollte man sich doch einmal festfahren, ist das Bergen nicht ganz so kräftezehrend wie beim Großen. Klar, vielleicht muss man nun vermehrt die Bodenfreiheit im Blick behalten – doch das ist vor allem Gewöhnungssache. Florian Moser beispielsweise wechselte von einem Unimog auf einen Sprinter, hat aber dank höhergelegtem Fahrwerk auch mit ihm keine Probleme im Gelände. Außerdem stellte der zufriedene Downsizer während des Reisens fest, dass Pickups und Transporter auf der ganzen Welt fahren – umso praktischer, dass der Sprinter in die Pkw-Spuren auf den Pisten passt und auch schmal genug ist, um in enge Dörfer und Städte zu fahren. Diese sind für die Schwergewichte mittlerweile sowieso häufiger gesperrt.

Auch Oberleitungen können großen Mobilen genauso zum Verhängnis werden wie Brücken mit begrenzter Traglast. Schmale Bergstraßen wirken plötzlich noch schmaler und unübersichtlicher und die Befürchtung wächst, dass man an einem unpassenden Punkt nicht mehr umdrehen könnte.

Auch Tanja und Benjamin Buntrock erleben das Fahren mit ihrem Volks­wagen T3 nun deutlich entspannter, im Gegensatz zu ihrem Unimog. Umwege, weil eine Brücke nicht tragfähig, eine Unterführung zu niedrig ist, fallen nun weg. Stattdessen häufen sich spontane Umwege in noch kleinere Gassen als zuvor – die Welt ist mit dem kleinen Auto sogar ein Stück größer geworden.

Brückendurchfahrten und tief hängende Leitungen sind nun keine Hürde mehr

 

Tanja & Benjamin Buntrock

Mercedes-Benz Unimog 1300L Baujahr 1984  -> VW T3 Syncro 1,9 TD Baujahr 1988 

 

Tanja und Benjamin Buntrock sind Vollzeit unterwegs. Nach zwei Jahren im Unimog wechselten sie auf einen Volkswagen T3 Syncro

 

Zwei Jahre lang war das Duo mit Hund und einem voll ausgerüsteten Unimog 1300L in Europa und Nordamerika unterwegs, doch ein kleineres Fahrzeug musste her. Nach einem Jahr Überlegung wechselte das Paar Ende 2018 auf einen VW T3 Syncro. Warum? Das hatte mehrere Gründe. „Hauptsächlich wollten wir kleiner, schneller, unauffälliger und günstiger werden“, erklären die beiden ihre Entscheidung, ein weiteres Argument sei die Kompaktheit. Zwar hatte der Unimog in Kanada bei minus 40 Grad dank guter Isolierung seine Vorteile, doch künftig wollen sie lieber wärmere Gebiete ansteuern. Ein persönlicher Vorteil am neuen Untersatz: Benjamin Buntrock besaß bereits vier Bullis, was ihm die Reparaturen unterwegs erleichtert. Zurzeit sei der Syncro „das perfekte Reisemobil“ für die Buntrocks, doch die Fahrzeugwahl sehen sie als temporäre Entscheidung. Vielleicht werden sie eines Tages wieder im größeren Fahrzeug reisen – vielleicht aber auch zu Fuß.

 

 

Fahren: Geländefahrten waren das Territorium des Unimogs, doch die Kabine schaukelte sich häufig auf. Zwar fehlt nun die Bodenfreiheit der Portalachsen, doch das geringere Gewicht ist bei Offroadfahrten angenehmer – auch beim Bergen.

Komfort: Im T3 gibt es kein festes Bett, was beim Umbau am Abend deutlich weniger Bewegungsfreiraum zur Folge hat. An Regentagen oder wenn das Dach geschlossen bleibt, macht sich die fehlende Stehhöhe bemerkbar. Bequemer ist dafür das Aus- und Einsteigen, primär für den Hund.

Reisealltag: Mit dem T3 leben die Buntrocks viel mehr draußen, schotten sich nicht mehr so sehr von der Außenwelt ab – was sie zuvor manchmal bewusst gemacht haben, da der Unimog sehr oft zur Attraktion für Einheimische wurde.

Versorgung: Der Unimog ermöglichte zwei bis drei Wochen autarkes Leben, mit dem T3 sind es acht bis zehn Tage. Dennoch: Die Vorräte können nun in kleinen Dörfern aufgefüllt werden, wo der Unimog außen vor geblieben wäre. Zudem wechselten sie auf eine Solardusche, ein Porta Potti ist nach wie vor mit an Bord.

Kosten: Die Kosten sind enorm gesunken, vor allem für Ersatzteile und Reifen. Allein bei der Verschiffung sparten sie 2.000 Euro ein, lediglich die Steuer ist jetzt etwas höher, da der VW-Bus keine Oldtimer-Zulassung hat.

Website: tour-de-world.com

 

Gegen die Zeit

Überhaupt: direkt losfahren können, das wärs doch! Manch alter Lkw muss erst ein paar Minuten mit laufendem Motor parken, bis ausreichend Luftdruck aufgebaut ist, um die Bremse lösen zu können, während das kleinere Fahrzeug schon über alle Berge ist. Und über Fahrtempo braucht man gar nicht erst zu reden. Nun könnte man meinen, dass langsames Reisen sowieso besser sei, weil man so viel mehr von der Landschaft wahrnimmt – doch ist das wirklich so? Ist das Visum nur auf 30 Tage begrenzt, fährt man doch lieber ein paar Stundenkilometer flotter durchs Land und nutzt an den schönsten Orten stattdessen zwei Stunden mehr.

Einen großen Reisedampfer sieht man nicht alle Tage und so ist er oft Quelle für Gespräche mit Menschen, die man unter anderen Umständen vielleicht gar nicht kennengelernt hätte. Ja, manchmal entstehen daraus sogar Freundschaften. An einigen Tagen möchte man aber auch mal Zeit für sich haben – und trotzdem kann man diesem Kontaktmagneten nicht entfliehen. Während das große Fahrzeug dadurch ein Stück Privatsphäre nimmt, bietet es durch die Höhe aber ein größeres Sicherheitsgefühl – gerade dann, wenn außen herum der Verkehr tobt.

 

Eva Klitz & Robert Wrobel

Magirus Deutz 170 D 15 AK Baujahr 1979 -> Mercedes-Benz 310 D Iglhaut Baujahr 1994

 

Zehn Monate reisten Eva Klitz und Robert Wrobel mit ihrem Magirus Deutz. Fast doppelt so lang sind sie schon im 310er unterwegs

 

Bis nach Aserbaidschan reisten Eva Klitz und Robert Wrobel in ihrem Magirus Deutz, einem alten Baufahrzeug auf einem 15-Tonnen-Fahrgestell mit genietetem Alukoffer. Deutlich leichter sind sie nun unterwegs in Westafrika, mit einem Mercedes 310 D mit Iglhaut- Umbau. Auf ihrer ersten Reise lernten sie, dass der massige Hauber für zu dicht besiedelte Regionen und dort, wo die Menschen eher zu Fuß unterwegs sind, schlichtweg zu groß und zu schwer ist. Außerdem wollten sie mehr Zeit draußen als drinnen verbringen. Die Schiebetür des 310 D bietet jetzt direkten Blick in ihren privaten Raum, was teils unangenehm sein kann, wodurch sie aber auch interessante Menschen kennengelernt haben. „Der Iglhaut bedeutet mehr Augenhöhe, weniger Distanz. Das muss man mögen“, stellen sie fest. Wie es nach der aktuellen Reise weitergeht, entscheiden sie dann. „Es gäbe da ja auch noch die Option Motorräder, aber wir haben einen Hund – das wird auf den Motorrädern schwierig.“

 

 

Fahren: Während Sand für den Magirus kein Problem darstellte, wurden dem fast vier Meter hohen Fahrzeug Brückendurchfahrten und tief hängende Stromkabel zum Verhängnis. Das Lenken und Bedienen der Pedale erforderte viel Kraft – im Vergleich dazu lässt sich der 310 D fast wie ein Pkw steuern. Deutlich wird der Unterschied bei der Bodenfreiheit: Hier punktet eindeutig der Magirus, denn der Benz setzt mit seinem langen Radstand gern einmal auf.

Komfort: Mit zwei räumlich getrennten Bereichen bot der Magirus mehr Komfort. Das Leben im neuen Ausbau ist aber nicht umständlicher geworden, lediglich kompakter.

Reisealltag: Im 310 D ist es nicht schneller unordentlich als zuvor: „Unordnung entsteht, wenn es Dinge gibt, die keinen festen Platz haben.“ Das Paar machte die Erfahrung, dass viele Innenstädte für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt sind – ein Vorteil für den Sprinter.

Versorgung: Künftig möchten die zwei mehr mit Wasserkanistern reisen, da es unterwegs mehr Brunnen als Wasserhähne gibt. Von den beiden 150-Liter-Tanks im Bus nutzen sie nur einen. Dafür rüsteten sie einen Kraftstofftank nach und kommen nun mit 210 Litern Diesel 1.400 Kilometer weit. Mit dem Magirus lag die Reichweite bei 2.200 Kilometern.

Kosten: Das Reisen ist mit dem 310 D vor allem wegen des Kraftstoffverbrauchs günstiger geworden. Er verbraucht schließlich nur 15 Liter statt 25 bis 30 Liter wie der Magirus. Dafür sind die Originalersatzteile von Mercedes teurer – der luftgekühlte Deutz begnügte sich dagegen auch mal mit preiswerten Ersatzteilen anderer Lkw.

Website: wirmachenblau.com

Alexander & Claudia Dreher

MAN G90Baujahr 1986  -> Toyota HZJ 78Baujahr 2006

 

Zunächst reiste Alexander Dreher mit seiner Frau Claudia, den vier Töchtern und Hund Max. Ab sofort ist das Ehepaar zu zweit unterwegs

 

Der Grund für Alexander Dreher, auf ein kleineres Fahrzeug zu wechseln, liegt nahe: Anfangs war er noch mit seiner sechsköpfigen Familie und Hund Max in einem VW MAN G90, den sie mit einem Freund gemeinsam ausbauten, unterwegs. Dann kamen zwei der Töchter in das Alter, in dem man nicht mehr mit den Eltern reist und so wurde der Lkw gegen einen Iveco Turbo Daily 4×4 getauscht. Mittlerweile sind Alexander Dreher und seine Frau Claudia nur noch zu zweit auf Achse – in seinem Traumauto, einem Toyota HZJ 78 mit Desert Tec Hochdach, den er vor zwei Jahren von Freunden übernahm. „Wir brauchen weder viel Komfort, noch Platz im Inneren. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.“

 

 

Fahren: Da der Lkw bauartbedingt relativ schwer und schwach motorisiert war, machten ihm Geländefahrten teils arg zu schaffen. Keine Probleme hat dagegen der Toyota. Trotz Hochdach lässt er sich auf der Piste eher wie ein Auto als wie ein Reisemobil fahren. Mit ihm sind die beiden auch deutlich zügiger unterwegs.

Komfort: Um im Buschtaxi nicht auf Komfort zu verzichten – sei es bei schlechtem Wetter oder wegen Steh-höhe und dem festen Bett – entschieden sich die Drehers für ein festes Hochdach. Generell mussten sie sich beim Thema Komfort kaum umstellen. Alle Fahrzeuge waren bisher mit einem festen Bett und einer Außendusche ausgestattet, außerdem kochen sie am liebsten draußen. Lediglich die Sitzecke im MAN lud zum längeren Verweilen ein – das machte sich besonders an Regentagen bezahlt.

Reisealltag: Bei den Drehers ist tatsächlich das kleinere Fahrzeug der Sympathieträger. Mit seiner olivfarbenen Kabine sah der MAN nämlich für manche zu militärisch aus.

Versorgung: Früher wie heute sind die Fahrzeuge mit ausreichend Solarmodulen auf dem Dach sowie großen Wasser- und  Kraftstofftanks versorgt. Damit bietet sich eine Reichweite von 2.000 Kilometern. Pro Person steht nun sogar mehr Frischwasser zur Verfügung als damals im MAN.

Kosten: Die Kosten sind bei den Drehers in allen Bereichen gesunken: sei es beim Kraftstoffverbrauch oder dem Unterhalt.

 

Website: abseitstouren.de

Christiane & Günter Fuhrmann

Mercedes-Benz Actros 6×6 Baujahr 2003 -> Mercedes-Benz Sprinter Baujahr 2004

 

Weniger von allem, dafür mehr Freiraum: Die Fuhrmanns wechselten vom ungewöhnlichen 6×6 zum unauffälligen 4×4

 

Christiane und Günter Fuhrmann sind im wahrsten Wortsinne „erfahren“: Vom HDJ 100, über einen VW T3 bis hin zum großen MAN sind sie schon mit vielen Fahrzeugen gereist. Mit dem Actros erfüllte sich Günter seinen Traum und ließ ihn nach seinen Wünschen und denen seiner Frau ausbauen. Genossen hat das Paar vor allem den Komfort, schließlich hatte es gefühlt unbegrenzt Wasser, Kraftstoff und Strom, dazu ein Quad in der Garage und neben einem Kühlschrank auch noch eine Kühltruhe, ein großes Bett und Klimaanlage. Zudem sehen sie ein Fahrzeug in dieser Größenordnung als absoluten Sicherheitsfaktor. Warum also der Wechsel? Die Trennung vom Actros fiel Christiane und Günter Fuhrmann sehr schwer, doch der Sprinter – auf den sie durch Zufall aufmerksam wurden – überzeugte durch seine einfache Handhabung und seine Bequemlichkeit. Den Wechsel auf ein kleineres Fahrzeug würden sie denen empfehlen, die körperlich vielleicht nicht mehr hundertprozentig fit sind. „Allein das Ein- und Aussteigen kann schon schwierig werden. Wer unauffälliger reisen möchte, ist auch in einem kleinen Fahrzeug besser aufgehoben.“

 

 

Fahren: „Mit dem Actros konnte man mehr erreichen, viel mehr“, doch irgendwann wurden auch ihm enge Straßen und Oberleitungen zum Verhängnis. Und wer sollte das große Fahrzeug abschleppen, wenn es einmal liegen bleibt?

Komfort: Den Komfort im Actros genossen Christiane und Günter Fuhrmann natürlich sehr: Wasser, Kraftstoff und Strom ohne Ende, dazu eine Garage, ein Gefrierschrank und ein großes Bett. Zwar haben sie im Sprinter nun kein festes Bett mehr, doch es kann mit wenigen Hand-griffen umgebaut werden. Generell empfinden sie das Reisen mit dem kleineren Fahrzeug als weniger stressig und tatsächlich auch als -gemütlicher. Zuvor waren ein Quad und Fahrräder mit an Bord, das Quad musste weichen, die Fahrräder duften bleiben.

Reisealltag: Bereits zu Zeiten des Lkw haben Christiane und Günter Fuhrmann im Alltag viel Zeit draußen verbracht – doch das ist mittlerweile noch mehr geworden. Ein WC befindet sich im Fahrzeug, dafür müssen sie nun draußen duschen. Mit dem Actros sind sie deutlich mehr aufgefallen, wodurch man natürlich schneller in Gespräche verwickelt wird – was nicht immer erwünscht ist.

Versorgung: Bei der Versorgung mussten sich die Fuhrmanns umstellen, vorher kamen sie mit ihren Reserven länger aus. Doch die Umstellung fiel ihnen leicht: „Ehrlich gesagt, braucht man gar nicht so viel.“

Kosten: Die Kosten haben sich in jeder Form verringert – in erster Linie die Ausgaben für den Kraftstoff.

 

Claudia Platz & Florian Moser

Mercedes-Benz Unimog Baujahr 1979 ->Mercedes-Benz Sprinter 416 CDI Baujahr 2004

 

Ein mehrfacher Getriebeschaden zwang Platz und Moser, auf ein anderes Fahrzeug umzusteigen. Fest stand: es soll wieder kleiner werden

 

Seit Oktober 2017 sind Florian Moser und Claudia Platz auf Reisen. Zuvor fuhren sie jahrelang ausgebaute Land Rover Defender, für die große Tour entschieden sie sich des Komforts wegen für einen Unimog. Doch ständig wiederkehrende Getriebeprobleme an ihrem Lkw zwangen das Paar letztlich dazu, die Reise nach einem Jahr zu unterbrechen und nach Deutschland zurückzukehren. Der Blick in die Geldbörse verriet: So kann es nicht weitergehen, ein neues Reisemobil muss her. Doch wenn sie schon wechseln würden, dann kann das Fahrzeug gerne wieder kleiner werden und Voraussetzungen erfüllen wie „weniger reparatur- und wartungsintensiv, geringerer Verbrauch, leichter zu fahren, mehr Komfort und es sollte ein verbreitetes Modell sein.“

 

 

Im März 2019 folgte dann der Aufbruch mit einem neuen Partner – einem Sprinter 4×4 mit Höherlegung. In Höhe und Länge unterscheidet er sich vom Unimog kaum, doch die geringere Breite und vor allem das geringe Gewicht machen einen großen Unterschied aus. Für Platz und Moser steht fest, dass sie nicht mehr auf ein größeres Reisefahrzeug umsteigen würden. „Trotzdem: Jedes Reiseauto ist ein Kompromiss! Am liebsten hätten wir ein Fahrzeug, das von selbst größer wird, sobald es in den Wohnmodus übergeht.“

 

Fahren: Klar machen Wüstengebiete mit einem Unimog mehr Spaß – doch ansonsten ist der Sprinter aufgrund seiner 3,5 Tonnen gegenüber dem doppelt so schweren Lkw klar im Vorteil.

Komfort: Im Sprinter nehmen die zwei fast so viel mit wie zuvor – bis auf die schweren Ersatzteile, die sie nun einsparen. Ein vollwertiges Badezimmer ist ihnen wichtig und dank des Bettes im Dach fällt der abendliche Umbau aus.

Reisealltag: Zu lästig war das Rein- und Raustragen aus dem Unimog, deshalb hat das Paar meist drinnen gekocht. Zwar bereitet es das Essen nun des Windes wegen immer noch drinnen zu, jedoch mit dem Unterschied, dass die beiden dank der Schiebetür nun auf einer „Terrasse“ sitzen können.

Versorgung: Im doppelten Boden des Sprinters sind zwei 100 Liter große Wassertanks verbaut von denen – auch aus Gewichtsgründen – immer nur einer gefüllt ist. Überall kommen sie an gutes Wasser, zusätzlich gibt es eine Außenfilteranlage.

Kosten: Beim Reisen mit dem Sprinter kommt das Paar nun mit etwa der Hälfte des Budgets aus, allein die Reifen kosten nur einen Bruchteil und der Kraftstoffverbrauch ist fast um die Hälfte gesunken. Niedriger sind außerdem die Kosten für den Unterhalt und die Ersatzteile.

 

Website: noplanisagoodplan.de

 

Ist weniger vielleicht mehr?

Viele Overlander schätzen die oft enormen Kapazitäten, die ein Laster mit sich schleppen kann. Aber wie lange wird man wohl auf einer Route fahren, ohne frisches Wasser oder eine Tankstelle zu passieren? Muss es Sprit für 2.000 Kilometer sein? Wasser für einen Monat? Unnötig große, unnötig volle Tanks erhöhen logischerweise den Kraftstoff­verbrauch und damit die Kosten jedes einzelnen Reisetages. Wer aber preiswerter unterwegs ist, kann länger die Welt erkunden, und so sind das wohl überzeugendste Argument, um vom Großen auf den Kleinen zu wechseln, die Kosten: Unterhalt, Ersatzteile, Maut, Verschiffung, Reifen – die Liste ist lang. Doch ­allen voran stehen die Kosten für den Kraftstoff. Von 25 Litern beim Laster auf 12 Liter beim Van – das verdoppelt beim gleichen Budget die mögliche Strecke.

Bei manchen der Reisenden sanken die Kosten für den Kraftstoff um die Hälfte.

Manch einer verliebt sich in einen Unimog und bei dem soll es dann auch bleiben. Das ist gut so. Aber es spricht eben auch vieles fürs Downsizing. Christiane und Günter Fuhrmann gaben ihren Actros „Oso“ nur sehr schweren Herzens weg – aber bereut haben sie es bis heute nicht.