Auf der Suche nach „Paradise Beach“

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Geburtstagswunsch „Paradise Beach“. Die 4-wheel-nomads nehmen Kurs auf die albanische Küste und beginnen mit der Suche nach dem besten Strand der Welt.

So beeindruckend wir die albanische Stadt Gjirokastër auch finden, die Kinder werden hier von Tag zu Tag mauliger – die für uns so spannenden Spuren unterschiedlich alter Besiedlung sind für sie noch zu abstrakt. Anouk und Sóley sehen einfach nur alte, bröckelnde und demnach nicht so schöne Häuser. Und dazu kommt der nächtliche Spuk im Hostel. Das Haus Babameto ist so wunderbar alt, dass man durch die knarrenden Dielen in die Etage unter einem schauen kann, der Wind durch die Fenster und laut quietschenden Türen pfeift und es überall kleine Türen mit ungenutzten Verstecken und Geheimgängen gibt. Das ist zu viel für Anouks blühende Phantasie. Ohne uns im Zimmer bekommt sie kein Auge zu.

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Fast perfekt ?
Was für ein Glück für die beiden, dass sich Mischa zum Geburtstag die Fahrt zum „Paradise Beach“ wünscht, also nehmen wir Kurs auf die albanische Küste. Wir erreichen einen relativ wenig bebauten Strandabschnitt, ganz ohne Schirmchen und Strandbar. Dass es wirklich Paradise Beach sein sollte, davon sind wir jedoch noch nicht überzeugt, aber es ist ein guter Anfang für die Suche danach. Es ist auch relativ schwer diesen zu finden, wenn man sonst auf einer Insel mit kilometerlangem, feinsten Sandstrand lebt, was für viele bereits der Prototyp des persönlichen Paradise Beach wäre.

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Bergehilfe für VW Golf
Gerade am Strand angekommen ziehen wir spontan den Golf eines albanischen Pärchens aus dem Sand, übernehmen den idyllischen Platz und bekommen als Dank kühle Getränke ausgegeben – herzlich Willkommen! Das Erste, was Sóley am Strand mit ihren Sandförmchen baut ist eine Moschee mit Minaret; Wörter, die sie vor Gjirokastër nicht kannte. Sie äußert sehnsuchtsvoll, dass sie so gerne mal in eine Moschee gehen würde, was wir uns bei ihrer dickköpfigen Launigkeit in der Stadt nicht getraut hätten, aber scheinbar sind mehr Eindrücke hängengeblieben als wir vor Ort vermuten konnten. Auch Anouk erzählt bei einem späteren Skypegespräch ihrem Freund Lasse begeistert von den vielen Kanonen auf der Burg, obwohl sie sich in genau diesem Ausstellungsteil eher unwohl gefühlt hat, da sie diese riesigen Waffen mit Tod und Zerstörung verbindet.

Zur Feier des Tages drehen wir am Stand die Musik auf. Wir singen und tanzen zu Xavier Rudd and the United Nations Album „Nanna“. Anouk, die inzwischen immer mehr Englisch-Brocken aufschnappt, fordert eine Simultanübersetzung ein und so philosophieren wir über die turbulente Geschichte unserer Gesellschaft und die Ungerechtigkeiten in der Welt sowie über Glauben und Spiritualität.

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Lagerfeuer am Strand

Dann machen wir uns wieder auf die Suche nach einem schöneren Paradise Beach und schlängeln uns durch unzählige Serpentinen die malerische Küste gen Norden entlang. Von Vlorë aus fahren wir durch ein einsamstes Bergtal gen Süden, wieder auf der Suche nach einem Bauernhof oder Guesthouse – vergebens! Und am Ende kommen wir wieder an der Bucht mit unserem ersten Paradise Beach-Versuch heraus. Aber: für eine weitere Nacht schadet es auch nicht hier zu bleiben! Kurz nach unserer Ankunft schiebt sich ein Rundhaube, aus dem viele sympathische Gesichter heraus blitzen, den Weg hinter unserem Camp entlang. Kurze Zeit später steigen aus dem wunderbar gepflegten und liebevoll ausgebauten, LKW-Oldtimer namens „Rosie“ eine nette 6-köpfige Familie mit Hund aus München aus. Die Eltern sind Kunsthandwerker aus Schwabing und ihre vier Kinder genießen eine Waldorferziehung, die bereits Familientradition hat. Entspannt, kreativ, höflich und cool – unsere Kinder spielen trotz zum Teil großem Altersunterschied als würden sie einander schon ewig kennen, wir blieben zwei weitere Tage. Wir kochen gemeinsam am Lagerfeuer, krönen das Abendessen mit in der Glut gebackenen Bananen und anschließend kommt endlich mal unsere Gitarre zum Einsatz. Und harmoniert tatsächlich mit den Münchner Ukulelen. Am Abend des zweiten Tages gesellt sich noch ein weiterer Rundhauber aus dem Münchner Raum zu uns, doch als Rosie mit seiner Besatzung den Strand verlässt, zieht es auch uns weiter.

Viele Freunde hatten uns einen Strand auf der Insel Lefkadha empfohlen, den wir nun gezielt ansteuern, da wir in Griechenland ohne Reiseführer unterwegs sind. Ein guter Tipp, der unserem persönlichen Paradise Beach schon sehr nahe kommt. Wir schlängeln uns zu einer großen Bucht hinunter, an der sich ein langer, relativ sandiger Strand mit türkis-blauem Wasser erstreckt. Ganz am Ende der befahrbaren Piste schlagen wir unser Lager auf. Eine durchgängige Abbruchkante hindert uns davor direkt am Wasser zu campieren, aber eine kleine, sandige Schlucht bahnt uns den Weg ans Wasser. Hier können wir es gut aushalten, solange unsere Vorräte reichen. Und da wir auch hier einem Pärchen aus dem Sand helfen können, bekommen wir zum Dank unsere Wasservorräte aufgefüllt, was es uns ermöglicht warm und ausgiebig zu duschen. Und so bleiben wir hier vier bezaubernde Tage, an denen wir wunderbar in den Tag hineinleben. Paradise Beach, eben.