Reiseinformationen China

Was muss man beachten, wenn man nach China reisen möchte? Und ist Camping dort überhaupt möglich?

Toyotoro China
Henning Dohrmann-Zhang

China ist mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt und nicht länger eine Weltmacht im Werden, sondern unbestreitbar eine Supermacht. Es ist eines von weltweit fünf verbliebenen kommunistischen Einparteiensystemen: Organisationen, Medien, Zivilgesellschaft und Religionen haben sich den Zielen der Kommunistischen Partei Chinas unterzuordnen und werden reguliert. Bereist man das Land, erwarten einen einmalige Erlebnisse zwischen traditionellem Erbe der 5000 Jahre alten Kultur und modernem Leben im Zuge der gewaltigen Entwicklung. Anschnallen.

Anreise

Die Einreise nach China bedarf einiger Vorbereitungszeit und ist derzeit offiziell nur in Absprache mit einer zertifizierten Reiseagentur möglich, die die Beantragung der nötigen Dokumente in China vornimmt und einen Guide zur Verfügung stellt. Dieser schlägt mit etwa 150 US$ pro Tag zu Buche, die Kosten können im Verbund geteilt werden. Benötigt werden neben dem persönlichen Visum unter anderem die chinesischen temporären Nummernschilder, ein temporärer Führerschein (ohne Prüfung), die Zollkaution (abhängig von Fahrzeugwert, Grenzübergang und Verhandlungsgeschick) sowie KFZ-Versicherung. Für gewöhnlich werden die Grenzübergänge zur Mongolei, nach Pakistan, Nepal, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Vietnam und Laos angeboten. Vorsicht bei hochwertigen Reisemobilen, Fremdwährungen können aus China nur sehr begrenzt heraus transferiert werden, somit bedarf es mitunter einiger Geduld, bis die eigene Zollkaution nach Ausreise beglichen worden ist.
Reiseagenturen werden in der Regel einen Guide vorschreiben. Wer Reisepartner chinesischer Herkunft hat oder selbst Chinesisch spricht, kann mit entsprechender Hartnäckigkeit in Einzelfällen eine Agentur ausfindig machen, die die nötigen Dokumente zum Grenzübertritt ausstellt, ohne einen Guide buchen zu müssen. Für Tibet sowie Xinjiang sind zwingend Guides erforderlich, sobald mindestens ein Tourist anwesend ist, Checkpoints allenthalben.

Unterwegs in China

Chinas Fortschritt spiegelt sich in der unglaublichen Infrastruktur wider, selbst bis nach Tibet hinein gibt es mehrspurige, hervorragende Autobahnen, gepaart mit einem flächendeckenden 4G- und sicherlich bald 5G-Mobilnetz. Im Rechtsverkehr wird Alkohol am Steuer hart geahndet. Der Überwachungsstaat hält auf Straßen Kameras in Vielzahl bereit, die Verkehrssünden detektieren. Jedoch werden fremde Kennzeichen (noch) nicht zuverlässig erkannt. Der Fahrstil der Chinesen ist rasant und frech, wie in den meisten asiatischen Ländern fließt der Verkehr wie Wasser ineinander, es gilt wie immer, die Trajektorie beizubehalten und nicht schlagartig zu reagieren. Auf Autobahnen wird eine recht saftige Maut erhoben von etwa 0,5-2 Yuan pro Kilometer, etwa 7-25 Cent, die Mautstationen sind eine permanente Quelle für Staus. In den Tagen um das chinesische Neujahrsfest werden alle Mautschranken geöffnet für freie Fahrt. Die Kraftstoffversorgung ist exzellent, 95 Oktan landesweit verfügbar.
In China kann man ohne Weiteres durchgehend ohne Bargeld auskommen. Gezahlt wird flächendeckend per WeChat Pay oder Alipay via QR-Codes, vereinzelt auch Apple Pay. Die WeChat/Alipay-Apps sind eingeschränkt auch von Touristen nutzbar. Vor der Reise empfiehlt es sich, einen VPN (Virtual Private Network) zu installieren, um die große chinesische Firewall umgehen zu können für Dienste wie Whatsapp, Facebook, Instagram, Youtube, Google, Gmail sowie diverse Nachrichtenseiten. Aus China heraus ist dies nicht mehr möglich, da die VPN-Herstellerseiten an sich geblockt werden.
Es gibt (militärische) Zonen in China, in denen keine Touristen geduldet werden bzw. nicht übernachten dürfen. Diese sind nicht immer ersichtlich, daher den Guide konsultieren oder insbesondere in Qinghai (Nukleararsenale) und der Inneren Mongolei (Dongfeng Space City) Vorsicht walten lassen. Generell gibt es außerhalb der Metropolen verbreitet Hotels, die nicht lizensiert sind, Ausländer zu beherbergen.

Übernachten & Campen

Der Campingboom hat in China noch nicht für eine nennenswerte Verbreitung von Campingplätzen gesorgt. Übernachtet wird vor allem auf Rastplätzen, kostenpflichtigen öffentlichen oder Hotel-Parkplätzen sowie – wo möglich – Wildcamping-Gelegenheiten. Bei der Wahl des Nachtlagers freundlich, aber für europäische Verhältnisse dreist bis bestimmt sein, solange man nicht abgewiesen wird, kann man die Gelegenheit nutzen. An unzähligen Tankstellen und öffentlichen Toiletten kann Wasser getankt werden, in Bergregionen hält man Ausschau nach 加水 jiashui-Zeichen, an denen LKWs ihre Bremskühlwassertanks füllen – nichts davon ist Trinkwasser. China hält auch einige gute und günstige Hotels bereit.

Beste Reisezeit

Generell ist der Frühling empfehlenswert für eine Reise durch China, besonders um die Hauptstadt Peking herum. Jedoch gibt es aufgrund der schieren Landesgröße keine allgemeine beste Reisezeit. Im Süden herrscht subtropisches Klima, während der Norden extrem kalte Winter und trockene, heiße Sommer bereithält.
Während der großen Ferien zum chinesischen Neujahrsfest (Januar/Februar, je nach Mondkalender) sowie zur Golden Week im Oktober begibt sich das Land auf die größte regelmäßige Völkerwanderung der Erde. Zu diesen Zeiten sind große Attraktionen strikt zu meiden. Ungeachtet dessen empfanden wir die 3-4 Tage vor und nach dem Neujahrsfest als sehr ruhig und geeignet an.

Sicherheit & Gesundheit

China ist ein sehr sicheres Reiseland, was nicht zuletzt der lückenlosen Überwachung geschuldet ist. Zwischen den Provinzen gibt es regelmäßig Polizei-Checkpoints, die die Gültigkeit der temporären Nummernschilder sowie den chinesischen Führerschein kontrollieren. Es gibt ein weites Spektrum an Qualität der medizinischen Versorgung, ortsabhängig. Die Essensqualität und Hygiene hat stetig zugenommen, angetrieben durch ein rigoroses Review-System via diverser Apps. Der Stereotyp des Hunde-essenden Chinesen ist längst überholt.

Literatur & Karten

Google Maps lässt sich selbst mit VPN nur eingeschränkt nutzen. Apple Maps ist ohne Hilfsmittel verfügbar und verbreiteter in China. Jedoch werden vor Ort hauptsächlich die Navigationsapps Baidu Maps sowie GaoDe (Amap) benutzt. Gepaart mit einer Übersetzungssoftware wie Google Translate (auch offline verwendbar), findet man sich damit relativ leicht zurecht. Zu unserer Reisezeit haben wir ausgiebig die flexibel nutzbaren Mietfahrräder wie Ofo oder Mobike genutzt. Die jeweiligen Apps sind u.a. auf Englisch erhältlich und mit ausländischen Kreditkarten koppelbar. Mit diesen Fahrrädern lassen sich die Städte hervorragend und spottbillig erkunden, die Räder sind an jedem Punkt abstellbar.
Zur Einstimmung auf den beispiellosen Wandel im urbanen China sind die Filme Beijing Bicycle (十七岁的单车) 2001 sowie Shower (洗澡) 1999 (jeweils untertitelt) sehenswert.

EXPLORER - Ausgabe 2021-02
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