Keine gelben Blinker, keine Windschutzscheibe aus Verbundsicherheitsglas – was auf amerikanischen Straßen erlaubt ist, soll auch in Europa gestattet sein. In einem gemeinsamen Statement zu dem geplanten Handelsabkommen verkündeten die EU-Kommission und Washington, dass künftig gegenseitige Standards in Bezug auf Automobile akzeptiert werden sollen. Fahren also bald mehr Cybertrucks oder Chevrolet Silverado über unsere Autobahnen? Bislang unterscheiden sich US-amerikanische Spezifikationen für Autos in verschiedenen Punkten zu Emission, Fahrzeugdesign und Sicherheitsstandards.
Viele Fahrzeuge, die auf amerikanischen Straßen erlaubt sind, dürfen in Europa bislang nur nach sorgfältiger Umrüstung gefahren werden. Zu Recht, finden Verkehrsexperten und schlagen Alarm. „Amerikanische Fahrzeuge auf der Grundlage der ‚gegenseitigen Anerkennung‘ von Normen auf den EU-Markt zuzulassen, ist ein Verrat an Europas Führungsrolle im Bereich Sicherheit und wird Menschenleben kosten. Europa läuft nun Gefahr, mit überdimensionierten, unzureichend regulierten US-Pick-ups und SUVs überschwemmt zu werden – Fahrzeugen, die schwerer und gefährlicher für andere Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer sind und völlig im Widerspruch zu Europas Vision einer sichereren und nachhaltigeren Mobilität stehen“, sagt Antonio Avenoso, Geschäftsführer des Europäischen Rates für Verkehrssicherheit (ETSC). Eine weitere Befürchtung: Werden amerikanische Standards auf europäischen Straßen erlaubt, könnten auch andere Hersteller geneigt sein, sich dem US-Niveau anzupassen.
Bald mehr US-Fabrikate auf deutschen Straßen?
Fällt die Homologationshürde weg, könnte die Zahl von amerikanischen Autos auf deutschen Straßen steigen. Bisher importieren die Vereinigten Staaten noch deutlich weniger Fahrzeuge nach Europa als umgekehrt. Das spiegeln bereits die Zahlen aus Deutschland wider. Allein 2024 exportierte die Bundesrepublik laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) 448.000 Fahrzeuge in die Vereinigten Staaten. Umgekehrt wurden im selben Zeitraum hierzulande nicht einmal 140.000 US-Importe zugelassen.
Dass die EU sich nun darauf einlassen will, US-Standards bei Fahrzeugen zu akzeptieren, ist an den nun beigelegten Zollstreit geknüpft. Die Trump-Administration hatte die zuvor geltenden Einfuhrzölle auf europäische Autos von 2,5 Prozent um weitere 25 Prozent erhöht. Nun will Amerika die Zölle auf europäische Autos rückwirkend zum 1. August von 27,5 auf 15 Prozent senken.
Das gemeinsame Statement zum Abkommen über einen „gegenseitigen, fairen und ausgewogenen Handel“ zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union finden Sie hier.