Tief durchatmen! – Asthma auf Reisen

Jeder 20. Deutsche leidet an Asthma. Im Alltag lässt sich das vergleichsweise gut in den Griff bekommen – doch wie geht man mit Asthma auf Reisen um? Und welche Ziele sind überhaupt geeignet?

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Plötzliche Atemnot, ein Engegefühl in der Brust, Husten und ein pfeifendes Atemgeräusch – diese Symptome werden Asthmatikern bekannt vorkommen. Asthma ist die häufigste chronische Lungenkrankheit in Deutschland, jeder 20. ist davon betroffen. Dabei sind die Atemwege der Betroffenen entzündet und schwellen zum Teil so an, dass sie nur schlecht Luft bekommen. Unterschieden wird zwischen allergischem und nicht-allergischem Asthma, wobei es wiederum auch Mischformen gibt.

Allergische Auslöser können Pflanzenpollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare sein. Nicht-allergische Auslöser sind beispielsweise körperliche oder psychische Belastung, Reizstoffe wie Abgase oder Tabakrauch, auch Jahreszeiten können Auswirkungen auf die Atemwege haben. Für die medikamentöse Behandlung gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kurzwirksame Beta-2-­Sympathomimetika, diese sollen die verkrampften Bronchial­muskeln bei akuten Beschwerden wieder entspannen.

Zum anderen gibt es Medikamente, die die Ursache des Asthmas, also die Entzündung, bekämpfen sollen. Sie werden dauerhaft eingenommen – auch dann, wenn der Erkrankte eine beschwerdefreie Phase hat. Während man sich im Alltag auf die Lungen­krankheit und die äußeren Umstände (wie Pollen­flug) zumindest etwas einstellen kann, ist das auf Reisen nicht immer der Fall. Worauf sollte man ­also achten, bevor man losfährt?

Wohin sollte man reisen? Wohin nicht?

Eines vorweg: Das ideale Reiseziel für alle Asthmatiker gibt es nicht. Nicht geeignet sind generell Urlaubsziele mit einer extremen Luftverschmutzung, also vor allem große Industriestädte. Auch nach einem abrupten Klima­wechsel kann es einige Tage dauern, bis sich der Körper von einer kalten Umgebung auf tropische Hitze umgestellt hat. In tropischen Gebieten kommt zudem die hohe Luftfeuchtigkeit hinzu, die für Asthmatiker herausfordernd sein kann. Hitze und starke Sonnen­einstrahlung können die Beschwerden zudem verschlimmern. Allein bei den Aktivitäten sollte man vorher checken: Darf ich das überhaupt?

Beispiel Sizilien: Den aktiven Vulkan Ätna dürfen Asthmatiker und Menschen mit Atem- und Herzproblemen nicht besteigen. Grund dafür sind heiße und reizende Schwefel­gase, die aus den Gipfelkratern heraustreten. Auch nicht unbedingt das, was Overlander hören möchten: Von Reisen in entlegene Gebiete mit schlechter medizinischer Versorgung sollte man generell absehen. Aber wohin sollte man dann noch reisen dürfen?

Ins Mittelgebirge! Das ist ideal, denn in den Bergen ist die allergene Belastung gering. Über 1.500 Metern gibt es kaum Pollen und Hausstaubmilben – von der Seite her also optimal. Zu hoch sollte man den Berg aber nicht erklimmen, denn der Sauerstoffgehalt wird mit zunehmender Höhe geringer und das Unterfangen für die Lunge umso anstrengender.

Für einige Asthmatiker ist auch das Meer ein gutes Reiseziel, denn hier ist die Luft sehr feucht, salzig und dabei schadstoff- und allergenarm. Ein Besuch empfiehlt sich im Frühjahr oder Herbst, wenn es nicht zu heiß ist. Dennoch hängt das Ziel in erster Linie von der Schwere und auch von der Art der Erkrankung ab. Bevor es losgehen kann, sollte man also unbedingt Rücksprache mit seinem zuständigen Arzt halten.

 

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Vorbereitung auf die Reise

Auch bei der Reisevorbereitung gilt es einige Punkte zu beachten. Zunächst empfiehlt es sich, eine Reiseversicherung und eine Rückholversicherung abzuschließen. Wichtig bei der Reiseversicherung: Manche Versicherer schließen bei ihren Leistungen chronische Erkrankungen aus oder schränken den Versicherungsschutz ein. Von daher empfiehlt sich, vorher zu prüfen, ob Leistungen für chronische Krankheiten abgedeckt sind.

Bereits vor der Reise sollte man klären, wo sich die nächste medizinische Notfallversorgung, wie Ärzte und Krankenhäuser, vor Ort befindet und unter welchem Namen die entsprechenden Medikamente erhältlich sind. Alle medizinischen Dokumente, die im Notfall wichtig sind, sollte man zumindest in Englisch, wenn nicht sogar auf der jeweiligen Landessprache, mit sich führen. Im besten Fall bewahrt man zwei Ausführungen an zwei getrennten Orten auf.

Tropen und Hochgebirge können für Asthmatiker herausfordernd sein

Medikamentenversorgung im Ausland

Asthma-Medikamente sind in Deutschland verschreibungspflichtig, und das ist durchaus berechtigt: Die Medikamente können bei Nicht-Asthmatikern, der ­falschen Anwendung und Wechselwirkungen mit ­anderen Medikamenten gesundheitliche Folgen haben. Bekommt man sie aber auch im Ausland? „Im Ausland werden keine deutschen Rezepte akzeptiert”, erklärt Uta Butt, Vorsitzende der Deutschen Atemwegsliga e. V.

„Es gibt in der Tat Unterschiede in den jeweiligen Ländern, welche Medikamente in welcher Darreichungsform und Dosierung rezeptpflichtig oder apothekenpflichtig sind.” Sie rät generell chronisch Kranken dazu, genug Medikation für die geplante Reise mitzunehmen – alles andere sei kompliziert. ­Gerade für Fernflüge sei wichtig: Medikamente gehören ins Handgepäck, falls der Koffer verloren geht.

Auch Prof. Dr. med. Adrian Gillissen, Chefarzt am Klinikum am Steinenberg, ist der Meinung, dass man möglichst die ausreichende Menge an Medikamenten mit sich führen sollte. Allerdings können laut Dr. Christa Hackmann vom Bundesinstitut für Arznei­mittel und Medizinprodukte die Arzneimittel bei der Einreise in das jeweilige Reiseland anderen Bestimmungen unterliegen, über die man sich bei der jeweiligen diplomatischen Vertretung des Landes vor Antritt der Reise erkundigen sollte.

Aber überhaupt: Wie sieht es aus, wenn man für längere Zeit auf Reisen ist? „Man kann im Ausland zum Arzt gehen und sich neue Medikamente verschreiben lassen, außerdem sind bis auf wenige Medikamente im Grundsatz fast alle auch im europäischen Ausland verfügbar”, erklärt Prof. Gillissen. „Es gibt meistens Alternativen, wenn auch der Pharma- oder Präparatname ein anderer sein könnte. Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika gibt es weltweit überall in Apotheken zu kaufen, wahrscheinlich in den meisten Ländern aber nur auf Rezept.”

Medikamente schicken – geht das?

Dr. Christa Hackmann erklärt: „Falls die Mitnahme eines Vorrats nicht möglich ist, Sie aber ein Rezept Ihres deutschen Arztes dabeihaben, bestünde grundsätzlich die Möglichkeit, sich die Arzneimittel von einer deutschen Versandapotheke an den Urlaubsort schicken zu lassen.” Demnach gäbe es für deutsche Versandapotheken zunächst keine Beschränkungen beim Versand von Arzneimitteln. Allerdings müssten auch hier die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes beachtet werden, und diese können sehr unterschiedlich sein, vor allem bei Drittstaaten.