Klar zum Ankern – Taktiken zu Sandankern

Was hilft einem die Seilwinde in der baumlosen Wüste – oder am Strand? Viel, wenn man sich einen passenden Ankerpunkt schafft. So geht’s

Sandanker

Auf Sand und Strand ist es nur eine Frage der Zeit, dass man sich im lockeren Boden so tief einbuddelt, dass Sandbleche und Schaufel ausgepackt werden müssen. Viele stellen sich dann die Frage, ob man sich nicht mit der Seilwinde aus dem Gröbsten herausziehen kann, ohne stunden­lang in der Mittagssonne zu schaufeln. Spätestens dann, wenn die Fuhre in einer Furt oder am Spülsaum hängen bleibt, wo das Wasser schneller den Boden umbaut als der hektischste Offroader, ist derjenige im Vorteil, der sich schon einmal darüber Gedanken gemacht hat, wie sich in baumlosen Gegenden ein geeigneter Ankerpunkt für den Windenhaken findet.

Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Mit etwas Glück liegt ein großer Felsen in der Nähe (Vorsicht, Schnittverletzungen an Seilen und Gurten möglich) oder ein anderes Auto kann in sicherer Entfernung parken. In allen anderen Fällen heißt es: Ohne Schaufel geht es auch beim Einsatz der Winsch nicht, aber immerhin hat jeder Offroader einen perfekten Anker dabei: das Ersatzrad. Eine Warnung jedoch direkt voraus: Sich mit dem improvisierten Ankerpunkt und der Winsch zu befreien, ist nicht weniger schweißtreibend als ein klug geplanter Einsatz von Wagenheber und Sandblechen. Punkten kann diese Technik vor allem dann, wenn der Boden außer­gewöhnlich weich oder durchspült ist. Das Ersatzrad zu vergraben, hilft tatsächlich doppelt, denn der Wagen wird gleichzeitig um einige Kilogramm leichter – und die Crew verliert auch ein paar Pfunde. Leichter könnte es mit dem „Dead Man Ground Anchor” funktionieren, einer Art Treib­anker für Offroader. Die gurt­verstärkte Plane nutzt dasselbe Wirkprinzip wie ein Rad, ist aber erheblich leichter und schneller im Einsatz.

 

Nutzlose Anker

 

Sandanker

 

Offroad-Bergeanker erscheinen zunächst sinnvoll, bei Tests des explorer konnten aber verschiedene Modelle nicht überzeugen: Sogar ein handelsüblicher Anker aus dem Yacht-Zubehör bot eine bessere Haltekraft. In keinem Fall reichte diese jedoch aus, auch nur ein rollendes Auto mithilfe der Winsch in Richtung Anker zu ziehen. Alle Anker „slippten”, brachen aus dem Boden aus.

 

Hilfe vom toten Mann

 

Sandanker

 

Das Prinzip des australischen „Dead Man Ground Anchor” ist simpel: tief vergraben, das Windenseil an die vier Gurtschlaufen einpicken – fertig. Auf Videos scheint das zu funktionieren. Das Totenhemd ist in Deutschland nicht erhältlich, wer in Übersee bestellt, zahlt 215 Euro (drifta.com.au).

 

Den Reifen vergraben

Sandanker-3
Sandanker-1
Sandanker-2
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow
 
Sandanker-3
Sandanker-1
Sandanker-2
previous arrow
next arrow

 

Das Ersatzrad kann ein wirkungsvoller Bodenanker werden, wenn man sich die Mühe macht, es metertief einzugraben. Nur dann, wenn es komplett im Erdboden verschwunden ist, kann es seine volle Haltekraft entwickeln. Wenig überraschend: Senkrecht vergraben, leistet es mehr Widerstand, als wenn es horizontal in eine Mulde gelegt wird. Beim Graben der Mulde daran denken, dass die Seilwinde ihre Maximalkraft erst auf den unteren Lagen entfaltet: Je weiter weg der Reifen also eingegraben ist, desto besser. Damit dieser nicht nach oben aus dem Boden herausrutscht, ist es zudem hilfreich, den Zugwinkel so flach wie möglich zu halten. Bestenfalls gräbt man auf den letzten Metern noch eine kleine Rinne in den Sand, damit die Kraft der Winde möglichst rechtwinklig am Rad ankommt.

 

Achtung: den Haken des Windenseils nicht einfach an der Felge einpicken (Beschädigungen möglich), sondern einen Bergegurt oder Tauwerkschäkel dazwischensetzen. Unter Last wird sich das Rad im Sand bewegen, ein Helfer sollte das aus sicherer Entfernung im Auge behalten. Gefährlich wird es nur dann, sollte der Reifen plötzlich aus der Mulde herausrutschen – wer langsam, stetig und ohne Lastspitzen winscht, wird dieses Problem nicht haben.