Reisemedizin: Unterwegs mit hohem Blutdruck

Hoher Blutdruck ist schon seit Langem kein Grund mehr, um nicht auf Reisen zu gehen. Dennoch ist eine gute Vorbereitung erforderlich

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Gehört unbedingt ins Reisegepäck: ein Blutdruckmessgerät

Rund ein Viertel der Weltbevölkerung leidet unter zu hohem Blutdruck. Dazu zählen Personen, deren Werte anhaltend über 140/90 mm Hg liegen. Diese Werte zeigen zum einen den Druck, der beim Zusammenziehen des Herzmuskels erzeugt wird, und zum anderen den Druck, wenn der Herzmuskel erschlafft und sich mit Blut füllt.

 

Wie macht sich Bluthochdruck bemerkbar?

Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, ist nicht immer sofort als solcher erkennbar. Oft äußert er sich durch Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Herzklopfen und allgemeines Unwohlsein. Treten diese Symptome regelmäßig auf, sollte ein Hausarzt den Blutdruck kontrollieren. Ist der Druck in den Arterien permanent erhöht, muss das Herz gegen mehr Widerstand anpumpen, was dauerhaft zu dessen Überlastung führt. Neben einer daraus resultierenden Herzmuskelschwäche können Blutgefäße verstopfen, es bilden sich Ablagerungen („Gefäßverkalkung“). Wenn das Herz dauerhaft gegen den hohen Widerstand ankämpfen muss, entsteht ein Kreislauf, der letzten Endes zur Unterversorgung von Nieren und dem Gehirn oder sogar zum Herzinfarkt führen kann. Zur Therapie gehören oftmals eine Ernährungsumstellung und die Verordnung von regelmäßiger Bewegung, häufig kommen blutdrucksenkende Medikamente hinzu.

 

Das A und O: Die Vorbereitung

Ist man sich seines hohen Blutdrucks bewusst, kann man sich vor Reiseantritt vorbereiten. Dazu gehört zunächst ein Gespräch mit dem Hausarzt, unter anderem darüber, was im Fall von Symptomen wie Schwindel oder Herzrasen zu tun ist. Falls noch nicht geschehen – und das gilt für jeden Reisenden – sollte eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden.

Reisende mit Bluthochdruck sollten Höhen über 2.500 Meter vermeiden

Je nachdem, wie lange die Reise dauern wird, gehören ausreichend Medikamente ins Gepäck. Gerade, wenn man auf unbestimmte Zeit unterwegs ist, empfiehlt sich, im Vorfeld herauszufinden, wie die Versorgung vor Ort sein wird. Nicht alle Medikamente sind in jedem Land erhältlich oder sie haben im Ausland einen anderen Namen. Eine Liste mit den Inhaltsstoffen (gegebenenfalls auf Englisch oder in der Landessprache) kann helfen, am Reiseziel ein entsprechendes Medikament zu bekommen. Da sich der Tagesablauf unterwegs häufig vom geregelten Alltag zu Hause unterscheidet, kann es vorkommen, dass man die Einnahme des blutdrucksenkenden Mittels vergisst. Sinnvoll sein können hier Dosierhilfen, Apps oder ein wiederkehrender -Kalendereintrag im Smartphone, die zum gewünschten Zeitpunkt an die Einnahme erinnern.

 

Besonderheiten bei Flugreisen

Beginnt man seine Reise im Auto oder mit einem kurzen Flug, kann man die Medikamenteneinnahme langsam anpassen. Komplizierter wird es, wenn ein Langstreckenflug ansteht. Lässt dieser den Tag um -einige Stunden kürzer werden, kann eine versehentliche Überdosierung die Folge sein. Verlängert sich der Tag durch den Flug, könnte dagegen eine zusätzliche Einnahme empfehlenswert sein. Deshalb ist es wichtig, sich vorher mit seinem Arzt zusammenzusetzen und die Dosierung – auch bereits für den Rückflug – zu besprechen. Bei dieser Gelegenheit sollte man sich von ihm auch gleich noch eine Bescheinigung ausstellen lassen, dass man die Medikamente für den Eigenbedarf benötigt. So lassen sich Schwierigkeiten beim Zoll vermeiden.

 

Fahruntüchtig?

Folgeerkankungen von Bluthochdruck können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Schlimmstenfalls in Form eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls am Steuer, der sich aus einer durch den Bluthochdruck entstandenen Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt. Zudem leidet rund ein Viertel der Hypertoniker, wie Menschen mit Bluthochdruck im Fachjargon heißen, an einer Schlaf-apnoe. Deren Atemaussetzer und Schnarchen stören die Schlafqualität, was sich in Tagesmüdigkeit und dadurch massiv eingeschränkter Fahrtüchtigkeit äußern kann. Betroffene sollten sich darum regelmäßig vom Hausarzt untersuchen und sich ihre Fahreignung in einem verkehrsmedizinischen Gutachten bescheinigen lassen.

 

Zwischen Hitze und Höhe

Als optimal für Personen, die unter Hypertonie leiden, gilt ein gemäßigtes Klima in den Bergen oder am Meer. Wobei auch hier unterschieden werden muss: Höhen bis 1.000 Meter werden als unproblematisch betrachtet, während der Blutdruck auf einer Höhe zwischen 1.000 und 2.500 Metern bereits gut eingestellt sein sollte. In Höhen über 2.500 Metern sollten sich Betroffene möglichst gar nicht oder zumindest nicht allzu lange aufhalten, da hier die verengten Blutgefäße mit noch weniger Sauerstoff versorgt werden.

Ähnlich kritisch wie in den Bergen wird es in heißen Gebieten. Bei den meisten Menschen sinkt der Blutdruck im Sommer, da die Blutgefäße sich weiten. Für Erkrankte ist es daher wichtig, ihren Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren und sich ausreichend vor der Sonne zu schützen. Das tägliche Blutdruckmessen hilft, die Werte im Blick zu behalten und gegebenenfalls die Dosis der Medikamente anzupassen.

 

Langsame Temperaturgewöhnung

Besonders für Hypertoniker bedeutet eine Temperatur- und Ortsveränderung Stress. Deshalb sollten sie es langsam angehen lassen. Auch, was das Baden angeht. Es gilt: Nicht erhitzt ins kalte Wasser springen, sondern langsam an den Temperaturunterschied gewöhnen. Gehen Bluthochdruck-Patienten gut vorbereitet auf Reisen, kontrollieren ihre Werte sowie den Stresslevel und beachten die hier genannten Tipps, steht einem unbeschwerten Trip aber nichts im Weg.

 

Was gehört ins Reisegepäck?

  • Blutdruckmessgerät
  • blutdrucksenkende Tabletten
  • bei Flugreisen ausreichend Medikamente für mehrere Tage ins Handgepäck
  • ein Kurzbericht des Arztes über die Diagnose und die Medikamente, wenn möglich in der Landessprache des Reiseziels
  • eine Liste der Wirkstoffe, falls das Medikament im Ausland unter anderem Namen vertrieben wird
  • eine Auslandskrankenversicherung
  • ausreichend Zeit, damit kein Stress entstehen kann