August 2010 in der südlichen Mongolei. Durch endlose Steppe verlaufen Fahrspuren wie ein weit geflochtener Zopf aus einem Dutzend Strähnen. Es duftet nach blühendem Schnittlauch. Wir aber blicken abwechselnd ratlos in die Ferne und besorgt auf die Reifen des allradgetriebenen 7,5-Tonners. Viel ist nicht mehr übrig von dem hübschen grobstolligen Profil, mit dem wir zehn Monate und rund 30.000 Kilometer zuvor aus Deutschland aufgebrochen sind. Weder auf den vier Pneus, auf denen der alte Kurzhauber steht, noch bei dem verbliebenen Ersatzrad auf dem Dach. An der Flanke des zweiten Ersatzrades wölbt sich eine große Blase, die davon zeugt, dass es um das Metallgewebe in seinem Inneren gar nicht gut steht. Das wahre Problem aber ist: Es scheint praktisch unmöglich, Ersatz für das von uns gewählte Reifenformat zu beschaffen.
Es ist der Anfang einer jahrelangen Misere, basierend auf dem Gedanken, man könne sich als Allrad-Einsteiger an dem orientieren, was man auf anderen Fahrzeugen sieht. Fünf Kontinente und sechs Jahre lang drehten sich grobstollige MPT-Reifen unter unserer Paula, zwei Jahre, 40.000 Kilometer und eine Afrika-Durchquerung lang fuhren und testeten wir nun sogenannte Baustellenreifen. Zeit für ein Fazit.
Jeder wählt mit seinem Fahrzeug andere Routen und Ziele. Dennoch ist das Reiseverhalten beim Großteil ähnlich: Das Ziel bestimmt den Weg. Jeder mit einem 4×4-Reisemobil möchte auch mal einen Stellplatz abseits befestigten Terrains entdecken, eine abgelegene Route kennenlernen, ein Ziel fern der Asphaltstraßen erreichen. Doch eines eint alle, die ihr Fahrzeug nicht dauerhaft im Osten der Demokratischen Republik Kongo oder Kamtschatka bewegen: sehr große Streckenanteile auf gut ausgebauten Straßen – wenn man es will.
Asien ist fast durchgängig auf Asphaltstraßen oder den Resten davon zu durchqueren. Ebenso die Panamericana von Alaska bis Feuerland, mit wenigen Ausnahmen in Form viel befahrener Schotterpisten. Transafrika auf der Ostroute? Asphalt von Kairo bis Kapstadt. Eine Afrika-Durchquerung auf der Westroute gehört bei der aktuellen Sicherheitslage zu den Langfahrten mit dem größten Anteil unvermeidbarer Straßen im unbefestigten Zustand. All die genannten Strecken, und dazu viele Umwege, legten wir in den vergangenen Jahren mit unserem Kurzhauber zurück.
Die meisten Reisenden haben es sich nicht zur Hauptaufgabe gemacht, extreme Pisten zu bezwingen oder gar neue Routen zu entdecken. Selbst wer von Köln auf absolut direkter Route zum – mittlerweile nicht mehr so – verlorenen See in Tunesien fährt, legt rund 1.400 Kilometer auf Asphalt und 100 Kilometer auf Sand zurück, ist also sieben Prozent der Strecke offroad. Wer weniger abgelegene Ziele erreichen will oder eine längere Reise macht, fährt üblicherweise mehr als 90 Prozent auf Asphalt, den über-wiegenden Rest auf gut befestigten Schotter- und Erdpisten – unabhängig vom bereisten Kontinent. Fahrten auf losem Sand? Verschwindend wenig. Passagen im rutschigen Matsch, auf feuchten Wiesen oder scharfem Fels liegen, auf den Kilometer betrachtet, im Promillebereich. Lohnt sich die Auslegung der Bereifung für diese wenigen Extremsituationen?

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