Parasitenschutz für reisende Hunde

Krankheitsübertragende Mücken breiten sich weltweit aus. Auch die Prophylaxe für Hunde ist wichtig
Neben dem Schutz des Menschen und der Ausstattung des Reisemobils ist dringend auch die Mückenprophylaxe für reisende Hunde zu bedenken | Foto: M.-S. Kreplin
Neben dem Schutz des Menschen und der Ausstattung des Reisemobils ist dringend auch die Mückenprophylaxe für reisende Hunde zu bedenken | Foto: M.-S. Kreplin

Die nächste Reise steht an und auch das vierbeinige Familienmitglied soll mitkommen. Damit es eine erinnerungswürdige, uneingeschränkt tolle Reise werden kann, sollte nicht nur das Reisemobil hundefreundliche ausgestattet sein (der explorer berichtet in Ausgabe 04-24) und sich die Menschen gegen mögliche Gesundheitsrisiken schützen. Auch der Parasiten- und Mückenschutz der mitreisenden Hunde ist wichtig und sollte mit ausreichend Vorlaufzeit geplant werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie mitunter schwere, zum Teil gar tödliche, Infektionskrankheiten auf den Menschen, aber auch auf das Hautier, übertragen. Dr. Ursula von Einem, Pressesprecherin des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte e.V., weiß, wie Ihr felliger Begleiter sicher reist. 

explorer: Parasiten stellen nicht nur für den Menschen, sondern auch für reisende (Haus-)Tiere ein großes Risiko dar. Wird diese Gefahr ausreichend ernst genommen?

Dr. Ursula von Einem: Viele Tierbesitzer kümmern sich vorbildlich um die Gesundheit ihrer Tiere auf Reisen. Leider nicht alle. Hier ist noch viel Aufklärung nötig. Insbesondere, weil viele der sogenannten Mittelmeerkrankheiten sich durch die Reisetätigkeiten und den Klimawandel mittlerweile auch in Deutschland immer mehr ausbreiten. Das betrifft besonders die von Zecken übertragenen Erkrankungen wie Babesiose (Hundemalaria) oder Ehrlichiose (Zeckenfieber). Aber auch die von Mücken übertragenen Erkrankungen Leishmaniose und Dirofilariose (Herzwürmer) breiten sich immer weiter Richtung Norden aus. Vor einer Reise sollten sich Hundebesitzer daher immer mit genügend Vorlauf für Impfungen und Prophylaxe-Maßnahmen mit ihrem Tierarzt besprechen. 

explorer: Immer wieder liest man aktuell von der internationalen Ausbreitung krankheitsübertragender Mücken. Welche Infektionen sind aus veterinärmedizinischer Sicht für reisende Hunde derzeit am besorgniserregendsten?

Dr. Ursula von Einem: Das sind vor allem Leishmaniose und Dirofilariose. Leishmaniose wird durch Sandmücken übertragen und muss lebenslang behandelt werden, wenn das Tier infiziert ist. Unbehandelt führt eine Erkrankung mit Fieber, Schwäche und vielen unspezifischen Symptomen zum Tod. Für den Urlaub in entsprechende Gebiete sollten Tierbesitzer passende Repellentien, also die Sandmücken abwehrende Substanzen, anwenden und ihr Tier impfen lassen, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. 

Dirofilariose ist eine Wurmerkrankung. Die auslösenden Larven werden durch Stechmücken übertragen. Da die Würmer bevorzugt im Herzen und in der Lungenarterie der befallenen Hunde liegen und dort den Blutfluss massiv beeinträchtigen können, führen sie unbehandelt zu Leistungsschwäche und später auch zum Tod, zum Beispiel durch Embolien. Hier ist es sinnvoll, vor, während und nach der Reise jeweils im Vier-Wochen-Abstand eine geeignete Entwurmung durchzuführen.

explorer: Mit wie viel Vorlaufzeit sollten Reiseinteressierte sich mit ihren Tierärzten zusammensetzen, um etwaige Impfungen und Vorbereitungen für ein reisendes Tier vorzunehmen?

Dr. Ursula von Einem: Spätestens vier Wochen vor der Reise sollten Tierbesitzer ihren Hund einmal durchchecken lassen und die benötigten Pflichtimpfungen für die Reise, zum Beispiel gegen Tollwut, überprüfen lassen. Dann kann auch über eine Nachimpfung gegen Leishmanien und die Zecken- und Mückenprophylaxe gesprochen werden. 

Für den Grundschutz gegen Leishmanien benötigt man allerdings mehr Zeit, da hier drei Impfungen im Abstand von je drei Wochen erfolgen müssen und der Impfschutz erst circa vier Wochen nach der dritten Impfung voll ausgeprägt ist – dafür braucht es also circa drei Monate Vorlaufzeit.

Mit ein bisschen Vorbereitung und Planung steht einer gemeinsamen Reise nichts im Wege | Foto: M.-S. Kreplin
Mit ein bisschen Vorbereitung und Planung steht einer gemeinsamen Reise nichts im Wege | Foto: M.-S. Kreplin

Ressourcen für den Parasitenschutz reisender Haustiere

Neben der möglichen Krankheitsübertragung durch Sand- und Stechmücken können Hunde durch eine Vielzahl von Parasiten befallen und gefährdet werden. Generell unterscheidet man dabei zwischen sogenannten Endoparasiten, die sich im Körperinneren von befallenen Tieren ausbreiten, und Ektoparasiten, die auf der Haut oder im Fell des Tieres leben. 

Ein umfangreicher Parasitenschutz sieht die Abwehr von Zecken, Flöhen, Mücken und Würmern vor. Spot-on-Präparate, Repellent-Halsbänder und Kautabletten, Tabletten und Pasten sind von unterschiedlichen Anbietern über Tierärzte, zum Teil auch online, erhältlich. Bei wasserfreudigen Hunden ist die notwendige Einwirkzeit bis zum bestmöglichen Schutz zu bedenken.

Für europaweite Reisen und individuelle Ländereinsichten inklusive vorherrschender Parasiten und empfohlener Prophylaxe-Maßnahmen informiert das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP). Während internationale Ressourcen und Übersichten noch immer beschränkt sind, startet die Canine disease map des Zentrums für Öffentliche Gesundheit & Zoonosen der kanadischen University of Guelph einen ersten Beta-Versuch für die Darstellung der weltweiten Krankheitsverbreitung unter Hunden. 

Weitere Informationen und Möglichkeiten, Mensch, Fahrzeug und Haustier vor Mücken zu schützen, finden Sie in explorer-Ausgabe 04-24.

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