Fahrschule: Mit dem Camper richtig durch Furten fahren

Zwei Drittel der Erde bestehen aus Wasser, auch an Land kommt keiner dran vorbei. So gelingt der Badetag

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Wer die Welt offroad entdecken will, der muss akzeptieren, dass es abseits der Straße auch selten eine Brücke gibt, die ein Auto trägt. Über kurz oder lang wird es also heißen: ab durch den Fluss. Das ist übrigens gar nicht so exotisch, wie es erscheinen mag. Als es noch kein Automobil gab, wurden auch in Deutschland Flüsse durch- statt überquert, egal ob in Er-, Frank-, Stein- oder Schweinfurt. 

Drei Tücken warten beim Waten durch Gewässer: die Wassertiefe, der unklare Boden und die Strömung. Der Wasserstand macht sich vor allem durch einen hohen Widerstand bemerkbar, deshalb durchfährt man Wasser immer mit konstantem Tempo und eingelegter Reduktion. Die Bugwelle bestimmt die maximale Geschwindigkeit: So lange sie sich nach vorn, weg vom Auto, bewegt, passt’s. In der Regel bedeutet das 15 bis 20 Stundenkilometer. Zu bedächtig zu fahren, kann in langsam fließenden Gewässern heikel werden, wenn der Boden weich und schlammig ist. Deshalb: prophylaktisch die Hinterachssperre dazuschalten. Gerät der Auspuff unter Wasser, ist das kein Problem, solange der Motor läuft. Beginnt er abzusterben, hilft etwas höhere Drehzahl. Ist der Wasserstand zu hoch, heißt es abwarten, der Pegelstand ändert sich oft rapide: Auf Island sorgt die Sonne für  mehr Schmelzwasser am Nachmittag als am Morgen, Flutwellen durch Regen sind in Bergen und Wüsten oft in wenigen Stunden durchgezogen.

 

Sorgenfrei: Ein Unimog fährt dort noch, wo andere bereits schwimmen gehen können

 

Ausschau halten

Man sollte nicht glauben, dass nur wir Touristen eine Furt nutzen. Einheimische kennen die besten Plätze zum Überqueren, haben diese häufig markiert. In Gewässern mit schnell schwankendem Pegel sind Fahrspuren zügig weggespült, deshalb auf Steinmarkierungen achten oder auffällig von Geröll befreite Areale. Nicht immer liegt die beste Querung direkt dort, wo die Fahrspur die Uferböschung hinunterführt. Einfach haben es Besitzer von Kameradrohnen: Aus der Luft sind die Spuren gut auszumachen. Wer unsicher ist, wartet ab, bis ein anderer den Fluss quert und folgt seiner Route. Die kann auch im Trockenen entscheidend sein, denn Schlamm- oder Sandlöcher warten auch am Ufer. 

Autos gehören nicht ins Wasser. Furten sollten die Ausnahme bleiben

 

So bitte nicht: Zugegeben, für ein schönes Foto sind wir alle schon einmal mit viel zu hohem Tempo durch tiefe Pfützen krajohlt. Das ist auch völlig in Ordnung, in einer echten Furt sollte man dies jedoch tunlichst sein lassen. Und das aus verschiedenen Gründen. Allen voran der drohende sogenannte Wasserschlag. Gelangt Wasser in die Luftansaugung, und damit in den Brennraum, richtet das einen kapitalen Motorschaden an. Im Gegensatz zu Luft lässt sich Wasser nicht komprimieren. Zweite Gefahr: Das aufspritzende Wasser raubt einem die Sicht. Ist das Gewässer besonders tief, ist es nicht die Gischt, sondern eine Welle, die über die Motorhaube bis gegen die Frontscheibe schlägt – und auf dem Weg dorthin vermutlich bereits das Lüfterrad des Motors mit ihrem Widerstand zerstört hat. Ausnahmen: Bei stark strömenden Gewässern und seichten, schlammigen Passagen muss es etwas zügiger zur Sache gehen als üblich.

 

 

Vorbereiten

Ist die Querung nötig, erscheint aber unsicher (weicher Boden, Strömung, tiefes Wasser), ist es absolut sinnvoll, sich auf eine Bergung vorzubereiten. Also das Windenseil abspulen und Ankergurte bereitlegen. Sinnvoll: auf ein weiteres Fahrzeug warten, dann kann man sich im Notfall gegenseitig unterstützen. Andernfalls: umkehren.

 

 

Umweltschutz

Eine Wasserdurchquerung ist nicht nur für das Auto eine Belastung – anschließendes Abschmieren und Trockenlegen ist nach einem nassen Tag ratsam –, auch die Natur nimmt Schaden. Fett, Ölrückstände und Abrieb von Bremsen und Reifen werden abgespült, bei einem missglückten -Manöver kann auch noch Diesel, Benzin und Öl in großem Maßstab austreten. Dieser Tatsache sollte man sich immer bewusst sein. Eine ausführliche Unterboden- und Motorreinigung in einer geeigneten Waschanlage ist beispielsweise vor einer Fahrt nach Island eine gute Idee.

 

Auto schützen 

Die Wattiefe eines Autos bemisst sich daran, auf welcher Höhe alle relevanten Be- und Entlüftungen (unter anderem: Motor, Getriebe, Achsen) sowie ungeschützte Elektronik-Bauteile liegen. In Süßwasser kann eine Batterie untertauchen, in Salzwasser nicht, es leitet zu stark. Wattiefen zwischen 30 (VW-Bus) und 120 Zentimetern (Unimog) sind üblich und können mit Eigeninitiative oft um einige Zentimeter erhöht werden, unter anderem durch klassische Höherlegungsfahrwerke, größere Reifen, aber auch durch die Montage von Schnorcheln und das Verlegen von Entlüftungsleitungen, die häufig ab Werk auf Rahmenhöhe fixiert wurden. Schlägt Wasser gegen ein laufendes Lüfterrad am Motor, kann es dies stark beschädigen. Um das zu verhindern, kann für die Passage eine Plane vor den Kühler gehängt werden. Vor tiefem Wasser, elektrische Kontakte im Motorraum schützend behandeln, beispielsweise mit WD40-Spray.

 

Achtung: In Hochgebirgen und Wüstenregionen wird Regenwasser häufig in Kehren oder Senken über die Straße geleitet. War der Untergrund eben noch griffig, ist hier die Gefahr groß, die Traktion zu verlieren: bei hohem Tempo durch Aquaplaning, bei geringer Geschwindigkeit durch den Schlamm und Sand, der auf die Straße gespült wird. Es besteht die Gefahr, in den Gegenverkehr oder in Richtung des Abhanges zu rutschen. Tempo raus!

 

 

Strömungen queren

Egal ob Schmelzwasser-Flüsse auf Island oder Wassermengen im Regenwald – häufig haben die Flüsse, die es zu durchfahren gilt, außerordentliche Kraft. Das sollte nicht unterschätzt werden, denn wer sich vor Augen hält, wie klein die Aufstandsfläche von vier Reifen ist, kann sich vorstellen, wie leicht ein Auto im Wasser zur Seite versetzt
werden kann. Spätestens dann, wenn sich der Beifahrer beim Check kaum noch auf den Füßen halten kann, ist Vorsicht geboten. Dazu kann gehören, sich mit dem Seil der Winsch am gegenüberliegenden Ufer abzusichern. Oft liegen die Ein- und Ausfahrten auch nicht rechtwinklig zum Fluss, sondern die Ausfahrt befindet sich ein Stück stromabwärts. Die Passage ist also diagonal, entsprechend gibt es an der Furt mindestens zwei Wasserzugänge pro Ufer. Vorsicht bei -Gebirgsbächen, die über Bergstraßen abfließen, denn die Strömung kann den Wagen schnell kritisch in Richtung Abhang versetzen. Deshalb immer auf der Bergseite fahren, notfalls für dieses Stück auf die Gegenspur wechseln. Das Gute an schnell fließendem Wasser: weiches Sediment kann sich nicht absetzen, meist wird der Untergrund also felsig und tragfähig sein. 

 

 

 

 

Wie tief ist zu tief?  

Reicht einem das Wasser bis zum Knie, sind es rund 50 Zentimeter. Wird es im Schritt nass, steht das Wasser 80 Zentimeter hoch, am Gürtel ist es ein Meter. Zumindest als Faustregel. Stellt knietiefes Wasser meist noch kein Problem dar, wenn die Wattiefe es erlaubt, ist alles darüber hinaus nichts für Anfänger. Einen Meter und mehr bezwingt man nur mit gutem Fahrkönnen.

Ein Fehler im Wasser kann zum Totalverlust des Wagens führen

 

 

 

Schwemmland befahren

In der Regenzeit stehen weltweit Landstriche oft flächendeckend unter Wasser. Diese zu befahren, kann zum Vabanquespiel werden, denn die Untergrundbeschaffenheit ist unkalkulierbar. Verwandelt sich Permafrostboden im Sommer in eine Hölle aus Wasser und Schlamm, aus der es kein Entrinnen gibt, lässt sich der Sandboden des Pantanal zu weiten Teilen relativ gut befahren. Entsprechend unterschiedlich ist die Taktik: Auf festem Boden sollte man sich an sichtbaren Spuren orientieren, auf schlammigem Untergrund muss man sich von aufgebrochenem Boden hingegen fernhalten. Immer wichtig: bei weichem, steinfreiem Untergrund den Luftdruck auf das minimal Mögliche absenken und rasche Lenkmanöver vermeiden, damit der Reifen auf der Felge bleibt.

 

 

 

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