Eine Gemeinschaft, eine Community, ist immer etwas schönes. Und das sich mit solchen Gruppen auch Geld verdienen lässt, ist ebenfalls nicht neu. Diesen Gedanken hatte auch Jens Mirco Rose, Geschäftsmann aus Hamburg, Mitbegründer und Kopf der Defender Drivers. „Eine der lebendigsten Overlanding-Communities in Europa“, so die Selbstbeschreibung, mit derzeit einer Million Followern bei Facebook und 32.000 bei Instagram – aber bis Ende Dezember 2025 ohne eigene Website, Forum oder ähnlichem.
Jetzt aber, so scheint es, hat Rose große, neue Pläne und beginnt dafür, Geld einzuwerben. „Looking for people sharing my vision. Come on board and let’s go on the journey together. It’s not only about a special car, it’s about your mindset!“ heißt es dazu am 10. Dezember verheißungsvoll unter einem Instagram Posting. Es ist der Verweis auf den Defender Drivers Founders Circle. Was auf dem ersten Blick wie eine Einladung zu einem Gründungsstammtisch klingt, um aus dem digitalen in die echte Welt zu wechseln, entpuppt sich auf dem Zeiten Blick als die Suche nach Kreditgebern. Bis zu 10.000 Euro können „Gründungsmitglieder“ bereitstellen, gegen eine Verzinsung von magischen 12 Prozent. Wer für das Gold Founder Level nicht flüssig genug ist, kann auch nur 499 Euro geben – bekommt das Geld allerdings nicht zurück. Damit nicht zu viele Interessenten Geld überweisen, ist das Angebot verständlicherweise limitiert: Maximal 15 Kreditgeber werden angenommen, die 499 Euro Spende sind unbegrenzt oft möglich.
Sticker und WhatsApp-Chat für 500 Euro
Wofür die Kreditsumme eingesetzt wird, bleibt Roses Geheimnis. Er spricht davon „Teil des nächsten Kapitels“ zu werden, sucht „echte Supporter, die verstehen, was wir aufbauen – und die sowohl am finanziellen Erfolg teilhaben als auch Insider-Status in einer der am schnellsten wachsenden Outdoor-Marken Europas haben wollen.“ Um verstehen zu können, braucht es aber mehr als das gebotene. „Mit diesem Founder Circle finanzieren wir die nächste Wachstumsphase: Inventar aufstocken, Operations skalieren und richtig fette Marketing-Kampagnen in der entscheidenden 2026 Frühjahr/Sommer-Saison fahren“ In den Gegenleistungen geht es ähnlich unklar zu: Da ist von „Priority Produkt-Zugang“ die Rede. Von „Lifetime-Rabatt„, ergänzt um allerlei anderes, im Wert nicht verbindlich messbarers.
Dass Rose seinen Geldgebern innerhalb von neun Monaten die Rückzahlung, sowie einen Zins von bis zu 12 Prozent verspricht, erweckt den Anschein des Unmöglichen. Vor allem stellt sich die Frage des „Warum“. Schließlich, so ist zu lesen, laufe „… das Business unter Beat Box GmbH – eine stabile Holding mit mehreren Einnahmequellen: Content Marketing, Music Licensing (über €50M gesammelte Tantiemen) und Adventure Travel Operations. Diversifiziert, resilient, erfahren„.
Ein Unternehmer mit Herausforderungen
Als Geschäftsführer mehrerer Unternehmen ist Rose breit aufgestellt: er ist unter anderem für die hier verantwortliche Beat Box GmbH tätig (u.a. Musikverlag & Agentur, aber auch Fertigung und Vertrieb von Produkten für Land Rover), parallel für die Good Camper GmbH, laut Handelsregister einem Handel für Dachzelte und Zubehör. Deren Geschäftsadresse wurde zuletzt im November 2025 an eine Adresse in Hamburg Eimsbüttel umgemeldet und das bisherige Ladengeschäft geschlossen. Laut Hinweis auf der Website, würde im April 2026 eine neue Filiale eröffnet. “ Wie Rose dem explorer gegenüber im Januar mitteilt, würde die Good Camper GmbH „seit über 5 Jahren profitabel mit einem Jahresumsatz von bis zu 1 Million Euro“ laufen. Parallel wurde ein drittes Unternehmen Roses, die MACC Media Accounting GmbH mit Sitz an derselben Adresse, wie zuletzt das Good-Campers-Geschäft, im November 2025 liquidiert. Dem war seit Juni 2025 ein Insolvenzverfahren vorausgegangen. Rose betont dazu gegen über dem explorer, dass dieser Geschäftszweig unabhängig vom Engagement in der Overlanding-Szene betrieben wurde: „Die MACC Media Accounting GmbH war ein separates Projekt im Bereich Tantiemen-Abrechnung, das leider nicht funktioniert hat. Das passiert Unternehmern manchmal – es sagt aber nichts über die anderen Unternehmen aus“.
Dient das eingeworbene Geld wirklich dem Aufbau einer Community?
Ladengeschäft geschlossen, Insolvenz einer zweiten Firma, dazu eine offenkundige Diskrepanz zwischen Followerzahlen und Interaktionen auf den Social-Media-Kanälen der „Defender Drivers“ – zuletzt gab es auf Postings bei einer Million Kanalabonnenten nur kaum zwei Dutzend sichtbare Interaktionen auf neue Veröffentlichungen – Interessenten am „Defender Drivers Founder Circle“ sollten vor Ihrer Investition ausführlich hinterfragen, wie ihr Geld eingesetzt werden wird.
Rose weist gegenüber dem explorer darauf hin, dass die gebotenen Gegenleistungen sehr wohl einen messbaren Wert hätten:
„Mitglieder erhalten unter anderem echte Lifetime-Rabatte auf alle Overlanding und Outdoor Produkte, Zugang zu unserem Ersatzteil-Netzwerk, aktive Unterstützung beim Kauf und Verkauf von Fahrzeugen, und vieles mehr. Das sind keine vagen Versprechen, sondern konkrete Benefits, die sofort nutzbar sind.“
Hinweis: Dieser Artikel wurde am 11.1.2026 erweitert.