Offroad-Industrie Südafrika: Overlander‘s Werkbank

Was China für Konsumgüter ist, ist Südafrika für Produkte aus dem Offroad-Segment.

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 Es herrscht so etwas wie Aufbruch­stimmung am Kap. Die derzeit in Europa existierende Outdoor- und Campingbegeisterung sorgt in Südafrika für volle Auftragsbücher. In der alten Welt entdeckt man den Pickup als Freizeitmobil? Darüber kann man zwischen Krüger und Kap nur lächeln – schließlich gehört der „Bakkie“ hier ­genauso zum Alltag wie Dachzelt, MT-Reifen und Pottje. Da ist es logisch, dass Produkte aus Südafrika derzeit in Europa reißenden Absatz finden – und gleichzeitig die dortigen Marken eine hohe Akzeptanz besitzen. Dachzelte von Eezi Awn oder Hannibal? Es gibt kaum besseres, das zeigte schon der Test im EXPLORER 2015-03.

Der Südafrikaner ist gerne und viel unterwegs, das bestätigt auch Angus ­Boswell, leitender Redakteur von „SA 4×4“, Südafrikas größtem Off­road-Magazin. „Namibia, Botswana, Mozambique, Lesotho – wir haben hier so viele Optionen!“. Anders als man jedoch annehmen könnte, schätzt man hier den Komfort eines gut ausgestatteten Camping­platzes, der Anspruch an ­völlige Autarkie für Wochen sei hier weniger vorhanden. Meist ginge es nur für ein Wochenende oder ein paar Tage ­hinaus in die Natur, was sich ­beispielsweise in Ausstattung und ­Bauqualität der verschiedenen Miet­fahrzeuge ­widerspiegelt. 

So bleibt nach wie vor aber ein Großteil der Produkte im Land – der hohe Qualitätsanspruch von Europäern, insbesondere Deutschen, ist für viele Hersteller eine große Hürde, so dass es bislang vor allem bei Dachzelten und Zubehör als Exportgut bleibt. Wohnwagen, Kabinen und ganze Fahrzeugumbauten scheitern zudem auch an zulassungsrechtlichen Voraussetzungen. Doch der Markt kommt in Bewegung, mit sehr großen Schritten. Oder, um im Bild zu bleiben: mit großen Sprüngen. Beispiel Front ­Runner. Das Unternehmen mit dem Springbock im Logo ist seit vielen Jahren in Deutschland als Handelsware erhältlich, doch erst 2017 entschloss man sich, mit einer eigenen Tochterfirma stärker ­aufzutreten. Wenn man in Südafrika Markt­führer für Dachträger und Fahrzeugausstattung ist, warum dann nicht auch dasselbe in ­Europa versuchen? Man investierte in Produktion und Technik, erweiterte das Firmengelände in Johannesburg um einen Neubau samt Showroom, ließ sich nach ISO 9001 zertifizieren und eröffnete in Hannover eine Generalvertretung – die mangels Platz schon zwei Jahre später in neue, größere Räumlichkeiten ­umziehen musste. 

 

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„Unsere Kundschaft in Südafrika ist vergleichsweise vermögend und erwartet deshalb auch eine hohe Qualität“, weiß Jaco Nel, Global Sales Manager. Eng verbunden sei damit auch der Service, ist Nel überzeugt – neben einer schnellen Lieferbarkeit aus dem großen Warenlager setze man auch auf Montagedienstleistung in Werkstätten oder sogar vor Ort beim Kunden. Ideen, die sich mittelfristig auch in Europa wiederfinden sollen. Hilfreich für Front Runner: Beinahe alle Produkte sind demontierbar und platzsparend verpackt, was die Transportkosten niedrig hält. Zusammen mit dem günstigen Lohnniveau Südafrikas können Produkte mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis entstehen. 

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch Michael Voss. Im Jahr 2007 gründete dieser in Durban die Firma RSI und begann mit der Produktion von Hardtops aus Edelstahl. Haltbarer als GFK, nachhaltiger als Aluminium, ist Voss überzeugt. Nachhaltig? In einem Land, wo monatlich 5.000 Hardtops gekauft werden, überwiegend aus GFK, ist das ein unerwarteter, weitreichender Denkansatz. Man könnte sagen, beinahe deutsch. Das ist keine Überraschung,  Voss hat die doppelte Staatsbürgerschaft. Entsprechend zielstrebig ist er auch – von derzeit 250 Hardtops pro Monat soll die Kapazität auf 2.000 wachsen, ein neues Firmengebäude mitsamt großer Lackieranlage wurde schon gekauft, der Mitarbeiterstamm von derzeit 95 Angestellten wird sukzessive aufgestockt.

Der Erfolg des Smartcanopys, so der Produktname, basiert aber nicht nur auf den niedrigen Produktionskosten in der Hafenstadt Durban, sondern liegt auch im smarten Design des Produktes: es ist zerlegbar und spart auf diese Weise viel Geld beim Versand. Gleichzeitig ist es bis ins Detail durchdacht: für 17 Basisfahrzeuge gibt es das passende Modell, es lässt sich farblich individualisieren und mit cleveren Ausstattungselementen ausrüsten – bis hin zum integrierten, ausklappbaren Dachzelt. Das entsteht in Kooperation mit Howling Moon – der Dachzelt-Profi hat seinen Unternehmenssitz nur wenige Straßen weiter. Und das ist für Michael Voss erst der Anfang. Seine sechs ­Ingenieure arbeiten schon längst an weiteren Projekten, darunter auch eine ­kompakte, klappbare Wohnkabine.

„Der europäische Kunde ist weitaus kritischer als der einheimische“, berichtet Voss aus der alltäglichen Arbeit. Man habe deshalb das Qualitätsniveau noch einmal deutlich gesteigert, selbst bei vermeintlich unwichtigen Details. Als Beispiel zeigt der Geschäftsführer einen zusätzlich versiegelten Stoß zweier Blechpartien im Inneren eines Deckels. Bis zu drei Jahre Entwicklungszeit gehen einem Produkt voraus, dazu können auch schon einmal 8.500 Stunden Belastungs­probe in der Salznebel­kammer ­gehören. RSI – Rock Solid Industries: der ­Name soll hier Programm sein. Entsprechend gut ist die Resonanz: „Wir bekommen auf die RSI-Produkte sehr positive Rückmeldung“, berichtet Bernd ­Taubenreuther, verantwortlicher Deutschland-Importeur von RSI.

 

 

Dabei ist Südafrika für Geschäftsgründer derzeit kein einfaches Terrain. Zwar wirbt sogar die südafrikanische Botschaft mit einem guten Investitionsklima und es stammen immerhin 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus dem Erlös von Exporten (Deutschland: 46 Prozent, Italien: 29 Prozent). Doch eine Geschäftsgründung dauert dort etwa dreimal so lange wie in Deutschland, gleichzeitig müssen 51 Prozent des Unternehmens einem Schwarzen gehören, will man von staat­lichen Fördermitteln profitieren oder an öffentlichen Ausschreibungen innerhalb Südafrikas teilnehmen. Dafür sorgt das sogenannte „­Broad Based Black Economic Empowerment“, kurz BBBEE und das damit verbundene, sieben­stufige Ranking, relevant für alle Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als fünf Millionen Rand (ca. 335.000 Euro) pro Jahr. 

Bei einer Arbeitslosenquote von 27 Prozent (im Alter zwischen 15 und 24 ist sogar mehr als jeder Zweite ohne ­Arbeit) sind die Löhne der Arbeiter gering, gleichzeitig ist die Fluktuation im Personal hoch – die Qualität auf hohem Niveau zu halten, fällt da verständlicherweise schwer. Doch das hält engagierte Gründer nicht von ihren ambitionierten Plänen ab. So entschied sich vor wenigen Jahren ­Jeremy Bergh, zukünftig nicht mehr im kleinen Maßstab ­Unimogs zu Expeditionsmobilen aufzubauen, sondern sein Unternehmen Alu-Cab auf die ­Serienproduktion von Dachzelten und Pickup-Absetzkabinen umzuorientieren. Eine Beregnungsanlage im Hof des Werkes prüft seither jedes Produkt auf seine Wasserdichtigkeit, die Umsetzung der Zertifizierung nach ISO 9001 ist derzeit die größte Aufgabe: „Wir geben unser Bestes.“ Im Rahmen seiner Expansionspläne setzt der umtriebige Geschäftsführer, selbst leidenschaftlicher Camper, massiv auf den europäischen Markt, wenngleich im südlichen Afrika zahlreiche Mietwagenflotten mit Campingausrüstung auszustatten sind. 

 

 

Doch die Bedürfnisse hier und dort unterscheiden sich mitunter beträchtlich, weshalb die Europa-­Importeure ein wachsames Auge brauchen. „Wir ­wissen, dass der Kastenwagen-Bereich in Deutschland eine große Rolle spielt“, sagt dazu beispielsweise Jaco Nel von Front Runner. Man habe deshalb schon das vorhandene Sortiment auf geeignete Produkte abgeklopft und werde sich zukünftig stärker auf das Thema einstellen.  Auch bei RSI sieht man Bedarf, die geplante Mini-Wohnkabine könnte sich für den europäischen Markt als ­spannend erweisen, genauso das integrierte Dachzelt, mit dem weiterhin die Einfahrt in die Tiefgarage möglich ist.

Alu-Cab hingegen versucht es in der Gegenrichtung. Der südafrikanische ­Lebensstil „draußen leben, drinnen schlafen“ zieht sich durch alle ­Produkte – paradoxerweise waren die Unimog-Aufbauten damit näher an den Bedürfnissen der europäischen Kundschaft als eine Pickup-Kabine, deren Vorzüge sich nur bei sommerlichen Temperaturen entfalten.      

Mitunter sind es deshalb nicht nur qualitative Gründe, warum Produkte aus Südafrika in Europa einen schwereren Stand haben könnten. So war auch im EXPLORER-Dachzelttest von 2015 zu lesen, dass die verwendete Sperrholz-­Bodenplatte des Testsiegers im oft nassen Europa nichts zu suchen hat. So werden die auf dem ersten Blick spannenden Anhänger und Fahrzeuge regionaler Aufbauhersteller auf lange Sicht keinen Stich gegen die europäische Konkurrenz machen können. Für alle anderen aber gilt: diese Aufbruchstimmung ist erst der Anfang!

 

Die fünf wichtigsten Offroad-Exporteure

 

Fünf spannende Marken auf dem Weg nach Europa

 

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