Im Oldtimer auf Reisen – sieben Camper und ihre Geschichte

Reisen mit alten Fahrzeugen macht Spaß – und kann zu unerwarteten Begegnungen führen

Sechs Jahre Weltumrundung - Im Lkw-Oldtimer durch 54 Länder – Globetrotter Overlander Buch von Abseitsreisen

In keinem anderen Land waren die Leute so besorgt über unsere Reise mit einem kaputten Toyota Land Cruiser von 1984, wie in Japan. „Ihr seid um die Welt gefahren – mit diesem Auto?!“ – das bekamen wir immer wieder zu hören. Dabei ist Japan das Geburtsland unseres Fahrzeuges und dazu ein Land, das für sehr hohe Produktqualität steht. Seitdem wir 2003 die Niederlande verlassen haben, ist der Land Cruiser unser Haus auf Rädern, sein Motor läuft genauso zuverlässig und stark wie zuvor – mit fast 450.000 Kilometern auf der Uhr. Es ist richtig, nicht immer gestaltete sich die Fahrt mit ihm problemlos, aber trotzdem ist es etwas ganz Besonderes, mit einem alten Auto zu reisen. Das wissen auch viele andere Overlander aus der ganzen Welt, sieben erzählen uns auf den folgenden Seiten ihre Geschichte.

 

Graham Page

Baujahr 1928

 

Seit Herman und Candelaria Zapp Teenager waren, träumten sie von einer Weltumrundung. Doch wie es vielen ergeht, ließen sie sich von diversen Ausreden davon abhalten, ihren Traum zu verwirklichen. Herman stolperte über einen Graham Page aus dem Jahr 1928, verliebte sich sofort und kaufte ihn. Das Fahrzeug war jetzt eine neue Ausrede, nicht verreisen zu können: „Wir haben nun ein Auto.“ Doch man gab sich -einen Ruck und so verließ das kinderlose Paar im Jahr 2001 mit seinem Graham Page Buenos Aires.

Heute, 18 Jahre später und um vier Kinder reicher, ist die sechsköpfige Familie kurz davor, ihre Weltreise zu beenden (siehe auch EXPLORER 04/2016) und nach Argentinien zurückzukehren. Als Herman und Candelaria aufbrachen, hatten sie keine Ahnung von Mechanik, aber sie lernten schnell, dass ihnen das Fahren mit so einem alten Fahrzeug einmalige Erlebnisse bescheren würde. Tatsächlich begann das bereits an ihrem ersten Tag, als der Tacho gerade einmal 55 Kilometer anzeigte – schon da fing das Auto an zu mucken. Somit war dies der erste Halt in einer Werkstatt. Dort reparierten drei Brüder das Fahrzeug und zeigten ihnen, wie sie es beim nächsten Mal ohne fremde Hilfe richten könnten. Während der Reparatur berichtete das Paar von seinem Traum und als es nach dem Preis für die Arbeit fragte, lehnten die Männer das Geld ab. „Das ist für euren Traum, wir möchten ein Teil davon sein.“

Der Tipp von Herman und Candelaria für den Kauf eines Reisefahrzeuges lautet: „Kaufe das, mit dem du dich gut fühlst, denk nicht zu viel, lass dich von dem leiten, was du liebst, mit dem du eine Verbindung spürst.“ Die Vor- und Nachteile sind offensichtlich: „Wir haben keine Klima- oder Soundanlage, keinen Komfort und können nur langsam fahren, aber es ist ein einfaches Auto, das jeder reparieren kann und das mit jedem Kraftstoff und jeder Art von Öl fährt.“

 

Chevi 350

Baujahr 1978

 

Lorraine Chittock ist Autorin und Fotografin und teilt sich ihren Chevy 350 mit den beiden Hunden Dog und Bruiser. Während sie in Afrika, Nord- und Südamerika lebte, dokumentierte sie die Arbeit diverser Tierschutzorganisationen und veröffentlichte -verschiedene Bücher über die Bindung zwischen Mensch und Tier.

Durch Zufall fand sie das perfekte Fahrzeug für ihre Reise. Früher gehörte es der Polizei von Arizona, die es als eine Art Kurierfahrzeug für Leute nutzte, die außerhalb der Stadt lebten. Lorraine bekam den Chevy mit einem niedrigen Kilometerstand, guter Wärmedämmung und einem Geheimfach unter dem Boden. Das 40 Jahre alte Fahrzeug wird durch einen hubraumstarken Achtzylinder-Benzinmotor angetrieben und hat mittlerweile bereits einige Pannen hinter sich. Obwohl Lorraine allein als Frau durch die am meisten Macho-geprägten Länder Südamerikas fuhr, führte das nur selten zu Problemen. „Mein Vater brachte mir vor meiner Abfahrt einiges über Mechanik bei. Wenn ich auf der Reise mit dem Chevy in eine Werkstatt geschleppt wurde oder gerade noch mit eigener Motorkraft dort ankam, wurde ich häufig nicht für voll genommen. Das passierte oft in Gegenden, in denen man nur selten Frauen auf der Straße sah. Einmal wurde ich im Norden Perus von einem Schweißer über den Tisch gezogen, aber den Rest der Zeit hatte ich das Gefühl, letztendlich einen fairen Preis gezahlt zu haben.“

Der geräumige Van kam hier und dort auch dem Tierschutz zugute. Als im Jahr 2005 Hurrikan Katrina wütete, brachte Lorraine Vorräte von Kalifornien nach Louisiana und transportierte auf der Rückfahrt in Käfigen fünf Hunde, die in Texas ein neues zu Hause finden sollten. Als der Vulkan in der Nähe von Chaitan im Süden von Chile ausbrach, fuhr sie Welpen aus der Gefahrenzone in das 1.000 Kilometer südlich von Santiago gelegene Puerto Montt.

 

VW T2

 Baujahr 1981

 

Der Inbegriff des Campingbusses ist sicherlich der Bulli. Mit ihrem VW Bus Latina, Baujahr 1981, sind die Argentinier Sabrina und Manuel Picard deshalb absolut stilsicher unterwegs – und Teil einer wachsenden Gruppe von südamerikanischen Globetrottern. Ihr mintgrüner Kastenwagen ist klein genug, um durch die schmalen Straßen in Altstädten zu passen und bietet alles, was die beiden für ihren Roadtrip nach Alaska brauchen. Zudem ist die VW-Kultur weit verbreitet: „Es gibt VW-Clubs auf der ganzen Welt, also gibt es immer Leute, die dir Hilfe anbieten, wenn du sie benötigst.“ Einzige Schwachstelle des Busses sei der schwache Durchzug des luftgekühlten Motors an Steigungen. So hätten sie schnell gelernt, dass es sinnlos ist, in Eile zu sein, wenn man mit so einem alten Auto die Anden überqueren möchte.

 

Mercedes Benz 22S Ponton

Baujahr 1957

 

Elisabeth und Fred Smits kommen aus Neuseeland und nennen sich selbst die „Classic Striders“. Unterwegs sind sie mit „Abel“, benannt nach dem niederländischen Forscher Abel Tasman, der 1642 als erster Europäer Neuseeland entdeckte.

Abel ist bereits seit längerem in Familienbesitz und gehörte zuvor Fred Smits‘ Vater. Das Ehepaar fuhr mit dem Oldtimer 43.000 Kilometer kreuz und quer durch Neuseeland, nahm Abel mit auf Ralleys, Touren für Klassiker oder einfach nur in einen normalen Sommer-urlaub, bevor sie zur Weltreise aufbrachen. Sie bereiteten das Fahrzeug gut auf seine lange Reise vor, brachten alles auf Vordermann – ersetzten unter anderem alle Bolzen und Muttern, Federn, Dichtungen und Lager. Der Motor, das Getriebe, die Vorder- und Hinterachse wurden überholt und die Elektrik erneuert. Trotzdem ist Abel alt und nicht stark genug, um einen 750 Kilogramm schweren Wohnwagen durch die Bergwelt Südamerikas zu ziehen, der zuvor in den USA als Schlafplatz für die Smits diente. Also ließen sie den Anhänger in Kolumbien stehen, übernachteten in Gasthäusern und nahmen den Trailer erst wieder zur Verschiffung nach Europa an den Haken.

Obwohl Pannen sehr nervtötend sein können, weiß das weit gereiste Paar um den Charakter des Fahrzeuges, seine Rolle, wenn sie auf Einheimische treffen. „Es zieht die Menschen an wie ein Magnet. Wir hatten einige lustige und großartige Momente dank unseres Autos. Der unvergesslichste war zweifellos, ein Teil der Boxenmannschaft für einen Elektro-Motorrad-Geschwindigkeitsrekord in den Bonneville Salt Flats zu sein. Großartig war auch die Einladung, in der Poleposition für die Carrera Panamericana 2015 in Mexiko zu parken, die viele als das größte Straßenrennen aller Zeiten ansehen.“

Elisabeth und Fred Smits haben viele Ersatzteile dabei, weil diese in abgelegenen Gebieten unmöglich oder nur schwer zu finden sind. Wer also über den Kauf eines Klassikers nachdenkt, dem raten sie: „Kauft ein Fahrzeug, das überregional verkauft wird oder zumindest vorhanden ist, beispielsweise den VW Käfer oder Modelle von Ford und Mercedes.“ Man sollte aber beachten, dass diese Fahrzeuge an verschiedenen Orten gebaut wurden und sich von Land zu Land unterscheiden. Beispielsweise hätten die Volkswagen aus Deutschland nicht viel mit den optisch ähnlichen brasilianischen Modellen gemein.

 

Land Cruiser BJ45

Baujahr 1984

 

Ein defekter Frostschutzpfropfen führte in Südkorea zu der bis dato verblüffendsten Begegnung. Nachdem der richtige Pfropfen in Südkorea nicht gefunden werden konnte, fragten wir auf dem Weg nach Japan bei der internationalen Gemeinschaft nach (die dank sozialer Netzwerke heutzutage gut erreichbar ist) und Herr Nakashima von der Friendee Autowerkstatt antwortete uns: „Kommt zu unserem Land-Cruiser-Treffen in den Bergen, es findet eine Woche nach eurer Ankunft in Japan statt“, schrieb er. „Ich bringe den Pfropfen mit, aber ihr müsst auch nach Kagoshima kommen, damit ich mir euren Land Cruiser nochmal genauer ansehen kann.“ Der Aufforderung folgten wir und über die nächsten neun Monate führte dieses eine Treffen zu einer Serie von vielen weiteren Treffen in ganz Japan. Herr Nakashima weiß alles über die 40er-Serie und war deshalb besorgt, dass dieser kaputte Land Cruiser nicht bis nach Sibirien fahren würde. Seine Liste mit den zu ersetzenden Teilen wuchs immens, er fand immer mehr -Probleme. Das schien unser Budget deutlich zu sprengen. „Ihr müsst vorbereitet sein“, beharrte er und sponserte die Überholung.

Ein Jahr später brauchten wir uns auf der Reise durch Sibirien keine Sorgen zu machen, da sich Herr Nakashima um alles gekümmert hatte. Und doch sind wir zu einem kritischen Punkt bei Land Cruisern zurückgekehrt: Rost. Die Box, die die beiden Verbraucherbatterien hält, ist zum Teil unter der Achse befestigt. Durch Zufall sah ich, dass sie aufgrund des Rosts bald abfallen würde. Glücklicher-weise gibt es auch in Sibirien haufenweise freundliche und hilfsbereite Menschen.

Ja, alte Fahrzeuge sind langsam, aber wozu die Hektik? Es ist für die Einheimischen viel einfacher, sie zu überholen, den Fahrer dazu zu bringen am Rand zu halten, damit man Fotos machen kann – lustige Momente, die sich oft in tolle Begegnungen verwandeln. Natürlich können Pannen lästig sein, aber wir haben gelernt, dass an einem alten Fahrzeug alles reparabel ist. Als der sechsjährige Sohn eines befreundeten Overlanders unseren betagten Land Cruiser sah, stellte er fest: „An einem alten Auto kann man wenig falsch machen.“

 

 

 

Yamaha XT 600 Z Ténéré

Baujahr 1987

Toyota Land Cruiser

Baujahr 1986

 

Ihre Reise nennt das Paar Harm te Molder und Loes Bazelman aus den Niederlanden „Six Wheels East“ und das trifft genau zu: Beide fahren ein eigenes Fahrzeug, Harm eine Yamaha XT 600 Ténéré von 1987 und Loes einen Toyota Land Cruiser aus dem Jahr 1986.

Auf die vielfach gestellte Frage „Warum reist ihr mit einem Auto und einem Motorrad?“ antworteten sie: „Einfach, weil wir beide dickköpfig sind.“ Harm wollte die Welt mit einem Motorrad erkunden, Loes nicht. „Und nein, das Motorrad passt nicht in unser Auto. Ja, wir müssen wirklich dem anderen überall hin folgen. Nein, Harm verkauft sein Motorrad nicht, um den Rest der Reise im Auto zu sitzen.“

Im März 2017 brachen sie auf, bereisten Europa und Zentralasien, erreichten Russland und ließen das Ende ihrer Tour nach der Ankunft in Wladiwostok offen. Bereits vor der Planung hatte Harm eine lange Zeit mit seiner Ténéré im Dreck gespielt – sich jetzt von ihr zu trennen kam nicht in Frage. Nun galt es, für Loes ein Auto zu finden. So begann das Paar seine Suche bei den typischen -alten Fahrzeugen von VW, Ford und Mercedes. Von zweirad angetriebenen Fahrzeugen mit geringer Bodenfreiheit wechselten sie zu einem Fahrzeug mit Allradantrieb und hoher Bodenfreiheit und entschieden sich für diese 70er-Serie, die bezahlbar war und knapp unter 300.000 Kilometer auf der Uhr hatte.

Loes’ und Harms Ratschlag für diejenigen, die in teuren Ländern wohnen: „Repariert vor der Abfahrt das, was repariert werden muss, aber lasst die unwichtigen Reparaturen für ein Land, in dem der Mechaniker keine 90 Euro Stundenlohn verlangt.“ Sie ließen die Kupplung in der Türkei ersetzen und diverse Dichtungen in Kyrgystan.

Natürlich brauchte die Yamaha viel Zuwendung und Loes Land Cruiser war als weitgehend mechanisches Auto einfach zu reparieren. Doch sie sollten nicht zu viel erwarten. Die Lichtmaschine gab auf, als sie eine zweite Batterie für den Kühlschrank verbauten. Günstige Solarpanele gab es in der Türkei, damit kaltes Bier auch weiterhin zum Speiseplan gehörte. „Die Lektion ist hier, dass man nicht versuchen sollte, vor der Abreise ein perfektes Auto zu haben, sondern einfach loszufahren und währenddessen alles herauszufinden – das macht weitaus mehr Spaß.“ Außerdem ergänzen sie: „Wir wurden oft zum Abendessen nach Hause eingeladen, zum Schaschlik und einer irren Anzahl an Tees, während wir anderen dabei zusahen, wie sie unsere Fahrzeuge reparierten. Ernsthaft, der beste Weg um Einheimische kennenzulernen, ist der Weg zur Werkstatt.“

 

Die Autoren: Im Oldie um die Welt

Karin-Marijke Vis und Coen Wubbels sind seit 2003 in Etappen auf Weltreise, leben und reisen auch an außergewöhnlichen Orten.

Oldtimer im Praxiseinsatz?

Darüber, was es bedeutet, einen automobilen Veteranen im Reisealltag zu nutzen, von der Beschaffung nötiger Ersatzteile bis hin zu Einbußen bei Fahrkomfort und Reisetempo, hat Thomas Rahn im EXPLORER 04/2017 einen ausführlichen Beitrag verfasst. Rahn bereiste, gemeinsam mit Lebensgefährtin Sabine Hoppe, im Kurzhauber „Paula“ rund fünf Jahre lang die Welt. Die entsprechende Ausgabe können Sie nachbestellen unter explr.de/shop