Winter-Reiseziel Lofoten: Heiß auf Eis

Die Lofoten – ein Traum von Norwegen. Reisende werden dort im Winter von tiefblauen Fjorden, schneebedeckten Bergen und farbenfrohen Holzhäusern begleitet

Nach einer kurzen Rast am eisigen Fjord bei Brensholmen geht es von Tromsø weiter in Richtung des kleinen Fischerdorfes Sommarøy. Es liegt auf der gleichnamigen Insel und ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Schneebedeckte Berge und glasklares Wasser, weiße Strände und bunte Holzhäuser: Das idyllische Eiland Sommarøy mit seinem sonnigen Namen „Sommerinsel” zählt mit seiner außergewöhnlich schönen Landschaft zu den beliebtesten Ausflugszielen Nordnorwegens. Die rund 300 Einwohner leben hauptsächlich vom Fischfang, der in hochmodernen Anlagen verarbeitet und in die ganze Welt geliefert wird.

 

 

 

Durch seine starken Wasserwirbel wurde der Moskenstraumen zum Namensgeber gefährlicher Wasserwirbel in Legenden, Filmen und der Literatur.

 

Idyllische Insel – lebendiger Fischerort

 

 

Wintercamping unter grünem Himmel

 

In dieser Jahreszeit geht die Sonne ohne Eile gegen zehn Uhr auf, um sich schon um 14 Uhr langsam wieder zur Ruhe zu betten. Wie grüne Flaschengeister tauchen die Polarlichter nachts wie aus dem Nichts auf und tanzen mit den funkelnden Sternen um die Wette

 

 

Schlittenhunde auf der Insel Kvaløya

Das Villmarkssenter, ein architektonisch reizvolles Bauwerk, schmiegt sich sanft in die verschneite, von eindrucksvollen Bergmassiven umrahmte Landschaft ein. 300 verschmuste Hundeseelen warten bereits. Fahrten mit Schlittenhunden werden in vielen Teilen Nordnorwegens für Touristen angeboten. Ursprünglich kamen die Hunde dann zum Einsatz, wenn unter extremen Wetterbedingungen größere Lasten über weite Strecken transportiert werden mussten. Dementsprechend ist der Bewegungsdrang der gezüchteten Rassen deutlich größer als bei ihren Artgenossen. Selbst unter hoher Belastung zeigen sie durch ihren unbändigen Laufwillen eine hohe Leistungsbereitschaft.

 

 

 

Stille Natur und laute Schlittenhunde

 

 

Unermüdlich ziehen die Hunde im kleineren Rudel von sechs bis zehn Tieren die -Schlitten durch die verschneite Landschaft

 

Eiskaltes Surferparadies

Unstad, ein winziges Dorf im Nordwesten der Lofoten, gilt als ein Surfer-Eldorado in Nordeuropa. Schmale, gewundene Straßen und enge Tunnel lassen die Spannung steigen, was uns hinter der nächsten Kurve erwartet. Als wir das Dunkel des letzten Tunnels verlassen, führt eine kleine Straße in ein mächtiges Tal hinab. Das also ist Unstad, von zerklüfteten, schneebepuderten Bergen umschlossen. Mindestens zehn Surfer tummeln sich im eiskalten Wasser, die Wellen kopfhoch. In der Mitte der Bucht ist eine Strömung, die nach draußen zieht, deutlich zu erkennen. Leider befinden sich exakt an dieser Stelle riesig große Placken von Meeresgewächsen, die wie überdimensionale Krakenarme dicht an dicht im Wasser schwimmen und sich wie eine zentnerschwere Last um die Beine und die Leash legen.

 

 

Sagenumwobener Fjord – Auf dem Weg nach Norden führt die Reise auch über den berühmten Geirangerfjord

 

 

 

Reiseinfos Nordworwegen

Norwegen ist das längste Land Europas – da kann man die Entfernungen und Fahrtzeiten unterschätzen. Insgesamt leben 5,1 Millionen Menschen in dem nördlichen Königreich, mit nur 14 Einwohnern pro Quadratkilometer hat das Land eine extrem geringe Einwohnerdichte.

 

 

Anreise

Tromsø ist, je nach Zeit- und Geldbudget, auf vielen Wegen zu erreichen: Entweder wählt man die Fähren von Deutschland nach Trelleborg oder Malmö in Schweden und fährt auf der mautfreien -Europastraße 4 bis zur finnischen Grenzstadt Haparanda, weiter entlang der finnischen Grenze auf der E8 bis Tromsø. Das sind rund 2.300 Kilometer Fahrstrecke. Oder man wählt die Fähranreise nach Norwegen, um dann vom Süden des Landes über die zum Teil mautpflichtige Europastraße 6 nach Norden zu fahren. Die Entfernung von Oslo, das von der Color Line von Kiel aus in 20 Stunden angefahren wird, nach Tromsø beträgt 1.600 Kilometer. Aber auch nach Kristiansund und Larvik (Color Line), Bergen und Stavanger (Fjord Line) verkehren Fähren, die im dänischen Hirtshals ablegen, Oslo wird von Stena Line aus dem dänischen Frederikshavn angesteuert. Fährüberfahrten aus Deutschland bieten sich während der Nachtstunden an, da die Fähren nach Trelleborg/Malmö acht Stunden benötigen.

Unterwegs im winterlichen Norden

Außerhalb der wenigen Zentren (Tromsø, Kiruna, Alta) wird das Tankstellen- und Supermarktnetz schnell dünn. Unerlässlich ist dabei eine Kreditkarte, denn viele Tankstellen besitzen nur Automaten, die nicht mit EC-Karten harmonieren. Eine LPG-Versorgung ist im Winter kaum gewährleistet. Die Straßen werden nicht vollständig geräumt, das Fahren mit Spikereifen ist hier üblich, ohne gute Winterreifen kann es auf den teils vereisten Straßen schnell gefährlich werden. Schneeketten sind vor allem für Fahrten ins Landesinnere empfehlenswert, während der Schneefall an der warmen Küste sich meist im Rahmen hält. Fahrten in abgelegene Regionen der Finnmark nur mit entsprechender Ausrüstung beginnen, bei Nachttemperaturen von minus 30 Grad Celsius und kälter sind Fahrzeug und Technik erheblich mehr gefordert, wenn möglich Dieselleitungen und Batterien warmhalten.

Übernachten & Campen

Die Existenz des Jedermannsrechts (allemannsretten) wird gern als Erlaubnis missinterpretiert, überall und jederzeit campen zu dürfen. Dies hat besonders auf den Lofoten dazu geführt, dass Reisende dieses vermeintliche Recht überstrapaziert haben und so heute viele Schilder mit dem Hinweis „Camping forbudt” aufgestellt wurden. Im Winter ist die -Situation entspannter, doch sollte man sich auch hier vorbildlich verhalten. Campingplätze sind zu dieser Jahreszeit durchweg geschlossen.

Das Wetter im Winter

Gerade die Küste Nordnorwegens ist im Winter schnellen und extremen Wetterwechseln unterworfen, die in den Fjorden oft mit starken Winden einhergehen. Hält der Golfstrom die Küste eisfrei und das Land vergleichsweise warm – in Tromsø liegt die Durchschnittstemperatur im Januar bei minus zwei Grad – ist das Landesinnere deutlich kälter und erlebt weniger starke Wetterschwankungen. Vorsicht beim Betreten von zugefrorenen Gewässern, Einheimische befragen!

Sicherheit & Gesundheit

Die medizinische Versorgung hat in der Region aufgrund der dünnen -Besiedelung mancherorts gerade im Winter Engpässe. Aufgrund geologischer Gegebenheiten besteht in den Fjorden potentiell Tsunamigefahr. Wer längere Skiwanderungen oder Wandertouren unternimmt, sollte sich bestenfalls bei einer Person vor Ort an- und abmelden und sein Mobiltelefon am warmen Körper mit sich führen.

Infos für Hundehalter

Der Hund benötigt eine Mikrochip-Kennzeichnung. Tätowierungen werden nur akzeptiert, wenn sie gut lesbar sind und das Tier damit vor dem 3. Juli 2011 versehen wurde. Erforderlich ist eine mindestens 21 Tage alte, gültige Tollwut-Impfung sowie eine bescheinigte Bandwurmbefall-Behandlung 120 bis 24 Stunden vor der Einreise.

Navigation, Karten, Video & Bildergalerie

Die Karteninformationen von OpenStreetMap und selbst alle gängigen Pkw–Navigationssysteme reichen für eine Winterfahrt in den hohen Norden aus. Das Buch „Unterwegs”, aus dem die im Beitrag gezeigten Bilder stammen, ist für 24 Euro im Wachholtz Verlag erhältlich. Ein Video von der Polarkreis-Reise des EXPLORER, die noch weiter in den Norden führte, gibt es online.

explr.de/fantasia