Kontinent der Farben – 5 Reiseziele für Offroad Touren in Europa

Geschichte, Kultur, Natur – Europa ist so vielfältig und farbenfroh. Der Kontinent ist ideal für alle, die in kurzer Zeit ein Abenteuer erleben möchten, und das unweit der eigenen Haustür
Europa
In den französischen Alpen befinden sich die höchsten Gipfel. Wer wandern, klettern und Rad fahren will, ist hier richtig

Das Schöne an Europa ist, dass man seine Länder innerhalb von wenigen Tagen erreichen kann – und das meist über den Landweg. Europa ist der Kontinent, der sich ideal für Offroad-Einsteiger eignet: fahrtechnisch nicht zu anspruchsvoll, sehr ­facettenreich und gleichzeitig so dicht besiedelt, dass im Notfall Hilfe schnell vor Ort ist. Was aber auch gefällt, sind die Vielfalt und die Farben, die jedes Land zu bieten hat. Da sind auf der einen Seite die grünen Wiesen und zerklüfteten Küsten Irlands, und auf der anderen ist die trockene Halbwüste Bardenas Reales im Norden Spaniens. Oder die Alpen mit ihren glasklaren und eiskalten Bergseen, dazu im Winter die schnee­bedeckten Weiten Skandinaviens unter den smaragdgrünen Polarlichtern.

Keine Frage, in Europa ist jedes Land für sich eine Reise wert, bietet jede Menge Kultur, Geschichte und Natur und erfordert keine mehrmonatige Auszeit vom Job, um entdeckt zu werden. Meist reicht ein zwei- oder dreiwöchiger Urlaub aus, um einen ersten Eindruck von jedem dieser Länder zu bekommen. Aufgrund der geringen Distanz und dem überschaubaren Aufwand, ist es ein Leichtes, den gleichen Ort eines Tages noch einmal neu zu entdecken. Auch muss man nicht zwingend eine neue Sprache lernen. Zwar freuen sich vielleicht manche Landsmänner, wenn man ihre Sprache beherrscht, doch in den meisten Ländern kommt man mit Englisch sehr weit – in einigen Nachbarländern, wie Polen und auch im Balkan, sprechen viele Menschen sogar Deutsch.

Worauf man von Land zu Land nur etwas achten muss, sind die Bestimmungen bezüglich des Offroad-­Fahrens und Campens. Zwar kommt man auch ohne Allradantrieb in Europa an viele schöne Orte, doch um die befestigten Wege mal zu verlassen, ist der Antrieb gar nicht verkehrt: Sei es, um die letzten Meter bis zum Stellplatz zu schaffen oder eine schöne Route zu fahren. Freies Übernachten ist in vielen Ländern verboten, wird aber häufig toleriert. Hier gilt es, sich vor der Reise genau über die Regeln zu informieren, um hohen Strafen zu entgehen und die Anwohner nicht zu verärgern. Und dann kann es auch schon losgehen, auf eine abwechslungsreiche Tour durch das bunte ­Europa.

 

1. Katalonien & Pyrenäen

Land: Spanien
Reisedauer: ab zwei Wochen
Beste Reisezeit: Mai – Oktober
Straßenbelag: Asphalt/Schotter
Höchster Punkt: 2.900 m ü. NN
Städte in der Nähe: Saragossa, Pamplona, Barcelona

 

Europa

 

Während sich die Urlauber in Massen auf der Rambla von Barcelona drängeln oder an den Stränden der Costa Blanca nach einem freien Platz suchen, ist es im Hinterland noch verblüffend still. Die Südseite der Pyrenäen ist zwar auch schon kein Geheimtipp mehr, kann aber mit ihrer schroffen, oft trockenen Landschaft offenbar weit weniger Urlauber anlocken als die Küsten Kataloniens. Gut so, denn für Overlander und Offroad-­Einsteiger sind die Provinzen Aragon, Katalonien und Navarra vom späten Frühjahr bis in den tiefen Herbst ein echtes Traumrevier. Sehenswerte alte Ortschaften sind über kleine Pisten und Nebenstraßen miteinander verbunden. Nach Norden hin geht es in die Berge, wo es auch im Hochsommer kühle Täler mit klaren Bächen gibt (Tipp: der Nationalpark Ordesa y Monte Perdido), im Süden schließt sich eine Hochebene an, die im Frühling und Herbst mehr Charme entfaltet als in den Sommermonaten. ­

Einen Ausflug wert sind die Bardenas Reales, ein von Erosion geprägtes Biosphärenreservat. Der zu bizarren Strukturen verwitternde Lehm war einst Meeresboden. Bizarre Strukturen ganz anderer Art finden Kultur­interessierte an der Mittelmeerküste. Dort wartet nicht nur die Sagrada Família in Barcelona darauf, entdeckt zu werden, sondern auch das Wohnhaus von Salvador Dalí, das heute als Museum zugänglich ist. Auch der Besuch einer Tapasbar sollte zu einer Tour durch Nordspanien unbedingt dazugehören, in der Altstadt von Saragossa, beispielsweise. So wird die Reise zu ­einem Erlebnis für alle Sinne. Die Campingmöglichkeiten sind vielfältig, freies Übernachten dulden die Behörden aber allenfalls im Spätherbst. Sobald die Saison einsetzt, sollte man sich für die Nacht auf einem der vielen Campingplätze einfinden, sonst drohen empfindliche Bußgelder. Achtung, wer ein langes und ­hohes Fahrzeug fährt: In den Bergen kann es öfter auch außerhalb der Ortschaften eng werden. Dann sollte es besser zu Fuß oder mit dem Rad weitergehen.

 

Europa
Mandeln an den Bäumen, Berge am Horizont und Schotter unter den Rädern – das ist Nordspanien. Der Mix aus Natur und Kultur ist faszinierend, auch die Sportmöglichkeiten sind vielfältig, die Region ist ein Paradies für Kletterer, Wanderer und Radfahrer

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2. Hochebene Sinjajevina

Land: Montenegro
Reisedauer: ab zwei Wochen
Beste Reisezeit: Mai – September
Straßenbelag: Schotter/Fels
Höchster Punkt: ca. 1.700 m ü. NN
Städte in der Nähe: Žabljak, Kolašin

 

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Einsamkeit? Von wegen! Im Sommer leben hier Bauern mit ihrem Vieh

 

Im Land der Schwarzen Berge, in dem zwei Drittel der Landesfläche von Bäumen bedeckt sind, gibt es tatsächlich auch Landschaften, in denen man kilometerweit in die Ferne schauen kann. Die Sinjajevina ist eine Hochebene im Norden Montenegros. Während es die meisten Touristen eher in den Durmitor-­Nationalpark oder an die Küste zieht, trifft man hier nur auf gastfreundliche Bauern, die die Sommermonate mit ­ihrem Vieh in den Bergen verbringen. Beginnt die Route durch die Hochebene noch auf Asphalt, geht sie bald auf eine Piste aus Schotter und ab und zu kleineren Felsbrocken über. Dann heißt es: aussteigen, Weg freiräumen und weiter geht’s. Insgesamt ist die Strecke aber für jeden machbar, dessen Fahrzeug mit etwas Bodenfreiheit ausgestattet ist. Und zur Beruhigung: Die Bauern fahren zum Großteil mit alten Golf 2 über dieselben Pfade. Hier oben lässt sich auch gut ein nächtlicher Zwischenstopp einlegen, denn lange muss man nach einem geeigneten Schlafplatz nicht suchen. Eventuell wird das Abendessen von einer neugierigen Herde Kühe unterbrochen, aber solche Momente sind es, die die Reise unvergesslich machen. Besonders schön ist es, in dieser Landschaft den Morgen mitzuerleben, wenn die Sonne langsam über die Gipfel klettert. Den Besuch sollte man jedoch nicht zu weit in den Herbst verschieben. Während es Anfang September noch angenehm warm sein kann, kann es ein paar Tage später plötzlich anfangen zu schneien, sodass die Wege nicht mehr erkennbar sind.

 

3. Seealpen

Land: Frankreich, Italien
Reisedauer: ab zwei Wochen
Beste Reisezeit: Mai – Oktober
Straßenbelag: Asphalt/Schotter/Fels
Höchster Punkt: 2.900 m ü. NN
Städte in der Nähe: Cannes, Grenoble

 

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Eben noch oberhalb der Baumgrenze frieren, am nächsten Tag schon im mondänen Cannes ein Eis bestellen – nirgendwo anders liegen Extreme so nah beieinander wie in den Seealpen. Am südwestlichen Ende der Gebirgskette, die sich einmal quer durch Europa zieht, gibt die Natur noch einmal alles. Hier befinden sich die größte Schlucht Europas und der höchstgelegene natürliche See, die längsten, höchsten Pässe und – natürlich – der höchste Gipfel: Das Mont-Blanc-Massiv markiert das nördliche Ende der Seealpen. Durch viele Täler und über viele Höhen winden sich endlose Schotterstraßen und Wege, die bislang der Öffentlichkeit zugänglich geblieben sind. Ein fragiler Zustand, denn immer mehr Menschen drängen in ihrer Freizeit in die Berge, sodass für populäre Routen Regularien eingeführt wurden. Gewichts-, Zeit- und Größen­beschränkungen sollen für Struktur sorgen.

Im Hochsommer sind die Seealpen nicht weniger bevölkert als die Strände der Côte d’Azur. Wer kann, meidet deshalb die Urlaubssaison und kehrt im Frühling oder Herbst zurück, kurz bevor der Schnee alles zudeckt oder kurz nachdem die Schneeschmelze ihren Höhepunkt erreicht hat. Auch sind die Alpen kein Revier für große Reisemobile oder Lkw. Die ehemaligen Militärwege sind das Refugium von Geländewagen und Vans. Großartig ist das Angebot an Campingplätzen unterschiedlichster Art und Größe, meist mit tollem Blick in die Natur. Die allerdings ist nicht überall schön anzusehen: Die Westalpen leben vom Wintersport. Die Wunden, die dieser hinterlässt, treten in der Sommersaison unbarmherzig zutage. Dann hilft es, den Blick auf die kleinen Wunder der Region zu werfen, im Vallée des Merveilles beispielsweise, wo sich jahrtausendealte Felszeichnungen entdecken lassen.

 

4. Wild Atlantic Way

Land: Irland
Reisedauer: ab zwei Wochen
Beste Reisezeit: Mai – September
Straßenbelag: Asphalt
Höchster Punkt: 465 m ü. NN
Städte in der Nähe: Cork, Galway, Clifden, Derry

 

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So kennt man Irland: Schafe auf saftig grünen Wiesen

 

Der Wild Atlantic Way ist nichts für Hardcore-­Offroader, denn diese Strecke besteht ausschließlich aus Asphalt. Abenteuerlich kann es hier dennoch werden. Mit über 2.600 Kilometern Länge gehört er zu den längsten ausgewiesenen Küstenstraßen der Welt. Von den Wellen zerklüftete Klippen, glitzerndes Meer, Sandstrände und eine raue Landschaft machen die Westküste Irlands sehenswert; wobei sich der britische Norden, der raue Westen und der mediterrane Süden sehr unterscheiden. Für einen Adrenalinschub sorgt der plötzliche Gegenverkehr, auch auf dem Connor Pass. Nicht ohne Grund gibt es auf der Passstraße ein Gewichts- und Breitenlimit für Fahrzeuge. Häufig sind Irlands Straßen nur einspurig und durch die Steinmauern am Wegesrand recht unübersichtlich. Einer der beiden Fahrer muss in den sauren Apfel beißen und bis zur nächsten Haltebucht rückwärtsfahren. Oft lohnt es sich, die Hauptroute zu verlassen und einen Blick ins Landesinnere zu werfen. Wer dann noch nicht genug bekommen hat, der setzt in Nordirland seine Reise auf etwa 200 Kilometern von Derry über die Causeway Coastal Route nach Belfast fort.

5. Polarwinter

Land: Schweden, Norwegen, Finnland
Reisedauer: drei Wochen
Beste Reisezeit: Dezember – Februar
Straßenbelag: Asphalt/Schnee/Eis
Höchster Punkt: 700 m ü. NN
Städte in der Nähe: Tromsø, Kiruna, Rovaniemi

 

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Frischer Schnee und fahles Licht: Nordschweden im Winter

 

Skandinavien ist als Camping­paradies wohlbekannt – warum also sollte es für Abenteuer­reisen ein gutes Ziel sein? Weil der Norden von Schweden, Norwegen und Finnland im Winter eine ganz eigene Welt ist. Wenn bei 30 Grad unter null der Motor ächzt, um anzuspringen, das Wasser in den Tanks gefriert und die Sonne nicht mehr über den Horizont kommt, um die Solarzellen mit Licht zu versorgen. Dann wird Skandinavien zum Abenteuer. Durch frischen Schnee rollen, der alle Geräusche schluckt, das Lenkrad gegen einen Hundeschlitten tauschen oder an den Fjorden Norwegens nach Orcas Ausschau halten – um es sich anschließend in der langen Dunkelheit im Camper gemütlich zu machen, bis die Polarlichter am Firmament erscheinen. Kein Reiseziel für Dachzeltfans und Sonnenanbeter, aber an Intensität kaum zu überbieten.

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