Ford Ranger
Baujahr 2019
Motor 3.2 l, ca. 230 PS
Verbrauch 13 l/100 km
Aufbau Oman von Burrow Reisemobile
Schlafplätze 3
Gesamtgewicht 3,5 t
Yasmine Herbert & Markus Lenert
In ihrer Partnerschaft hat sich eine gemeinsame Leidenschaft besonders herauskristallisiert: das Reisen und Entdecken der Welt. Nach einem Wohnmobil mit Alkoven sind sie nun seit drei Jahren mit ihrem Pickup unterwegs, darunter mehrfach in Korsika, Sardinien und Skandinavien mit dem Schwerpunkt Norwegen.
Alter 40 & 53 Jahre
Wohnort Mainz
Reiseregion Albanien
Reisedauer 16 Tage
Reisestrecke 800 Kilometer
Instagram mayaexplorers
Albanien, ein Land, das oft mit Klischees wie Überfällen, hoher Kriminalität und Entführungen in Verbindung gebracht wird. Als wir unseren nicht so reiseerfahrenen Freunden und Kollegen von unseren Reiseplänen erzählten, wurden wir mit ungläubigen Blicken und besorgten Fragen konfrontiert. Doch lasst uns euch versichern – all diese Vorurteile sind schlichtweg Unsinn! Unsere Reise führte uns von Nord nach Süd und von West nach Ost durch dieses faszinierende Land und wir erlebten Albanien als ein Land mit einer großen Naturvielfalt. Wir konnten jede Nacht legal frei an traumhaften Plätzen stehen und ein tolles Land mit herzlicher Gastfreundschaft entdecken.
Unsere 2.000 Kilometer lange Anreise führte uns über Österreich, Slowenien, Kroatien, Montenegro sowie Bosnien und Herzegowina, wobei wir auch einige Sehenswürdigkeiten wie Dubrovnik und die Plitvicer Seen in Kroatien erkundeten und versuchten, so viel wie möglich Landstraße zu fahren, um all die Schönheit der Natur des Hinweges schon aufzunehmen.
Der Grenzübergang nach Albanien verlief reibungslos und unproblematisch, sodass wir uns direkt der Organisation widmen konnten. In Shkoder organisierten wir uns eine lokale SIM-Karte (damit keine hohen Roaminggebühren anfallen), Lebensmittel und Albanische Lek zum Bezahlen, was hier fast ausschließlich mit Bargeld verläuft. Unser erster und einziger albanischer Campingplatz, den wir nutzten, direkt am Wasser gelegen, beeindruckte nicht nur mit seiner Lage, sondern auch mit seinen fairen Preisen und herzlicher Gastfreundschaft. Wir sammelten tolle Erfahrungen: So half uns zum Beispiel ein junger Campingplatzmitarbeiter spontan und bot an, nach Feierabend in die Stadt zu fahren und Geburtstagskerzen für meine Frau zu besorgen, die eine Überraschung zu meinem 52. Geburtstag geplant hatte. Dies sind freiwillige Taten und Momente, die in Deutschland selten sind. Genauso wie die großzügige Geste eines Kroaten, der aktuell in Deutschland wohnt und uns ansprach, als er unser Kennzeichen entdeckte. Er nannte uns seine Gäste, da wir sein Heimatland besuchen, und übernahm kurzerhand die gesamte Bäckerrechnung
Freiheit & Flexibilität
Gut organisiert ging es am nächsten Tag weiter. Die Fahrt entlang der Küstenstraße bot anfangs wenig spektakuläre Ausblicke. Das änderte sich jedoch bald mit Insidertipps, die wir vom Hobo Team erhalten hatten. Abgeschiedene Strände, verlassene und teils bunt bemalte Bunker und atemberaubende Landstraßen machten unsere Reise zu einem unvergesslichen Abenteuer. Nur die vielen Geschwindigkeitskontrollen durch Polizisten alle paar Kilometer waren gewöhnungsbedürftig. Angehalten wurden wir jedoch nicht ein einziges Mal.
Eigentlich sind wir es von unseren Urlauben in Skandinavien gewohnt, jeden Abend selbst zu kochen. Von dieser Gewohnheit haben wir uns jedoch in diesem Urlaub schnell verabschiedet, zu verlockend waren die günstigen und immer leckeren Restaurants in den Dörfern. Wo bekommt man noch frischen Fisch, Pommes, Salat und Getränke für insgesamt umgerechnet 15 Euro – für zwei Personen? Kulinarisch überraschte uns auch das albanische Bier. Bierliebhaber mögen bei der Vorstellung, ihr gewohntes deutsches Bier gegen ein albanisches einzutauschen, zunächst skeptisch sein. Doch wir können versichern: Das Tirana-Bier steht seinem deutschen Pendant in nichts nach.
Unter anderem ein Grund, Albanien zu bereisen, war die Möglichkeit, legal und frei in der Natur zu campen. Albanien erlaubt es Reisenden, die Nacht dort zu verbringen, wo sie gerne stehen würden – sei es in den Bergen, am Flussufer oder sogar direkt am Meer. Dieser Freiheit und Flexibilität sind kaum Grenzen gesetzt, und besonders in der ruhigeren Vorsaison hatten wir oft riesige Strandplätze direkt am Meer, die wir ganz für uns alleine genießen konnten. Ein Highlight waren die idyllischen Plätze entlang des Flusses Vjosa, auch als „Königin der Flüsse“ bekannt. Ihr ungezähmter Lauf machte diesem Namen alle Ehre und war ein beeindruckendes Naturschauspiel. Die Campingmöglichkeiten entlang der Vjosa, fernab von Touristenmassen, eröffneten uns ein unvergleichliches Erlebnis inmitten der Natur.

Albanien überzeugte aber nicht nur durch seine Freiheit des legalen Wildcampens und die erschwinglichen Preise, sondern vor allem als Eldorado für Offroad-Fans. Auf unseren Offroad- Abenteuern begegneten uns zahlreiche „echte“ Offroader, die für raue Geländestrecken gebaut waren. Doch wir bewiesen, dass auch mit unserem Pickup und einer Tonne Kabine auf dem Rücken die Freude am Offroad-Fahren nicht zu kurz kommt.
Ein Highlight waren die idyllischen Plätze entlang der Vjosa
Wir erkundeten beeindruckende Bergpässe, wahre Naturschätze mit atemberaubenden Ausblicken und malerischen Canyons, die sich tief in die Landschaft schnitten. Wir wagten uns auf viele Pisten, die mal vollständig unbefestigt und manchmal geteert waren, um die faszinierende Natur des Landes hautnah zu erleben. Wir überquerten zahlreiche abenteuerliche Brücken mit fehlenden Brettern, bei denen wir so manches mal den Atem anhalten mussten, was ein bisschen für zusätzliche Spannung und Adrenalin sorgte. Bei vielen dieser Brücken war es notwendig, dass einer von uns vorauslief, um den Zustand zu überprüfen, bevor wir sicher auf die andere Seite gelangen konnten.

Abenteuer & Herzlichkeit
Wir erlebten jedoch auch die Armut des sehr einfachen Lebens in einem der ärmsten europäischen Länder. Inmitten der beeindruckenden Kulissen trafen wir auf Menschen, die trotz ihrer bescheidenen Lebensumstände Stärke und Entschlossenheit zeigten. Männer mit Eselskarren, die oft bis oben hin mit Heu beladen waren, bahnten sich unter anderem auch mutig ihren Weg durch die städtischen Straßen. Diese Szenerie vermittelte einen starken Kontrast zur modernen Welt und erinnerte uns daran, dass einfache Fortbewegungsmittel auch heute noch einen bedeutenden Platz im Alltag vieler Menschen einnehmen.

Ältere Frauen begegneten uns, die schwere Feldarbeit mit einfachsten Mitteln tätigten. Trotz der harten körperlichen Anstrengungen zeigten sie eine beeindruckende Ausdauer und Gelassenheit. Auch Teenager, die in anderen Teilen Europas vielleicht mit vielen technischen Annehmlichkeiten aufwachsen, halfen bei der Feldarbeit. Statt vor dem Computer zu sitzen, arbeiteten sie auf den Feldern, zeigten Engagement und Verantwortungsbewusstsein. Wie unterschiedlich die Jungend in verschiedenen Teilen der Welt die Realität erlebt, wurde uns in diesen Momenten stark bewusst. Die Menschen begrüßten uns immer herzlich und hatten ein Lächeln im Gesicht, etwas das hier in Deutschland trotz des Wohlstandes doch so häufig nicht der Fall ist. Die Begegnungen mit dem einfachen Leben und dem unermüdlichen Einsatz der Menschen in diesem Land haben uns nachdenklich gemacht. Sie haben uns daran erinnert, dass der Reichtum eines Landes nicht nur in materiellen Gütern, sondern vor allem im Zusammenhalt und der Menschlichkeit seiner Bewohner liegt.
Unterwegs auf einer einsamen Bergstraße fanden wir uns in einem unerwarteten Abenteuer wieder, das vor allem die Nerven von Yasmine auf eine harte Probe stellte. Die Herausforderung begann, als wir feststellten, dass die scharfe Kurve der steinigen, engen Bergpassage zu schmal für den langen Radstand unseres Campers war, sodass die Gefahr des seitlichen Abrutschens drohte. Was folgte, war eine Stunde voller vorsichtigen Rangierens und dem notwendigen Wegschaufeln der höheren Stelle des Schotters, um die Passage des Weges zu bewältigen, was bei einer Temperatur von über 30 Grad nicht nur zur nervlichen, sondern auch zur körperlichen Herausforderung wurde. Jeder Zentimeter zählte und wir kommunizierten hauptsächlich über Handzeichen, ich im Camper, Yasmine außen. Gemeinsam schafften wir es, und so setzten wir unsere Reise fort. Dies war ein Moment, der uns zeigte, dass Offroad-Fahren mehr ist als nur das Überwinden von Hindernissen – es ist echte Teamarbeit und oft nur mit vereinten Kräften zu meistern.
Vielseitiges Land
Neben den abgelegenen Bergstraßen erlebten wir auch die klassischen Highlights Albaniens, darunter die Stadt der tausend Fenster des recht touristischen Bera, das uns trotz des lebhaften Treibens faszinierte. Mit rund 65.000 Einwohnern und direkt am Fluss Osum gelegen, besticht die Stadt durch ihren besonderen Charme. Die historische Altstadt und die steinerne Burg tragen dazu bei, dass Bera als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist. Hier konnten wir einen kleinen Einblick in die Bauweise des Osmanischen Reiches gewinnen.

Nach kurzer Weiterfahrt erreichten wir die Steinbrücke bei Vjosa. Sie hatte nicht nur historischen Charme, sondern führte uns nach der Überquerung und entlang des Flusslaufes zu einem besonderen Ort: den heißen Quellen. Ein großer „Pool“ mit vielen Besuchern lag direkt dort. Weiter abseits fanden wir inmitten der Naturschönheit unseren eigenen Mini- Pool für zwei Personen, ein wahres Highlight inmitten dieser beliebten Attraktion. Die heißen Quellen waren zwar reich an Schwefel, aber ihre angenehme Wirkung machte diesen Moment besonders. Trotz des gelegentlich unangenehmen Geruchs an einigen Stellen genossen wir das kleine, natürliche Thermalparadies. Nicht weit entfernt faszinierte uns der 13 Kilometer lange Osum-Canyon, der zu den spektakulärsten Naturattraktionen Albaniens zählt. So präsentierte sich die Schlucht auch für uns als ein weiteres Highlight, das die Schönheit der Natur in dieser Region unterstreicht. Die Fahrt über den Llogara-Pass und entlang der gesamten 360 Kilometer langen Adria-Küstenlinie bot uns beeindruckende Einblicke in die Vielfalt des Landes.

Unsere Reise war geprägt von kleinen einheimischen Märkten, wir kauften leckeren Tee und frische Früchte direkt vom Bauern. Auch den Verlockungen der Straßenverkäufer, die ihre frischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse anboten, konnten wir nicht widerstehen. Ein bunter Mix aus Honig, Obst, Peperoni und sogar selbst gebranntem Schnaps, abgefüllt in Kunststoffwasserflaschen, faszinierte uns.
Unser Camper meisterte alle Herausforderungen des Offroad-Fahrens und Wildcampens und die Versorgung mit frischem Wasser für unseren 100 Liter Tank durch die Brunnen in den Dörfern war problemlos.
Albanien hat mehr zu bieten als nur schöne Natur
Unsere Souvenirs, die wir mit nach Hause nahmen, reichten von köstlichem Honig bis zu frischen Oliven. Die zahlreichen Fotos sowie unsere Erinnerungen spiegeln die unvergesslichen Momente dieser Reise wider. Ein Highlight am Ende: Eine Stunde lang wurde unser Camper, der offroad einiges an Dreck, Staub und Schlamm abbekommen hatte, für nur fünf Euro in einer Art Waschanlage wieder auf Hochglanz poliert – ein wahr gewordener Traum.
Albanien bedeutet für uns nicht nur beeindruckende Natur und preiswerte Entdeckungen, sondern vor allem herzliche Menschen und köstliche Speisen. Unsere Schlussfolgerung: Albanien, jederzeit wieder – und von Gefahr überhaupt keine Spur.
