Fünf Wochen Europa-Reise

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Der erste Monat auf Achse ist für Familie Stahl wie das Erreichen eines ersten Zieles. Zum ersten Mal gibt es Zeit, sich zu entspannen, nach Monaten der Vorbereitung. Im Süden Europas wird erst einmal ausgespannt, Vater Mischa berichtet.

Kurz vor der Abreise steckten wir im absoluten Chaos und haben versucht alles so gut zu erledigen, wie möglich. Dabei ist vieles liegen geblieben aber irgendwie hat doch alles geklappt! Am 10. August haben wir unsere Heimat Spiekeroog verlassen, unsere Wohnung ist für ein Jahr anderweitig vermietet und wir leben im umgebauten Land Rover. Natürlich waren die ersten Reise-Wochen eine große Umstellung für uns alle: Anouk und Sóley haben länger benötigt, um zu realisieren, dass diese Reise nicht nach wenigen Wochen vorbei sein wird. Die erhöhte Aufmerksamkeit, die wir Eltern für sie jetzt haben, muss nicht wie ein Schwamm aufgesaugt werden, um den Familienakku aufzuladen.
Juliane und ich mussten den Arbeitsstress verdauen und mehrere Gänge herunter schalten. Endlich wieder in vollen Zügen genießen und ohne schlechtes Gewissen relaxen zu können, keine fixen Termine zu haben, ist ein Wahnsinnsgefühl … bis sich dieses einstellen kann, muss man jedoch offen dafür werden – und das bedeutet tatsächlich harte Arbeit! Wir sind nicht „all inclusive“ unterwegs, die vielen Kontakte, die wir auf Reisen schließen, bedeuten viel Aufmerksamkeit für andere Menschen.

Wie immer, wenn man auf Reisen geht, packt man viel zu viel unnötigen Ballast ein. Wir haben uns von vielem getrennt. Nicht nur materiell, sondern auch was das „Kilometerfressen“ anbetrifft ist weniger definitiv mehr!
Auf dem Weg von Deutschland bis hier nach Griechenland ist viel passiert: wir haben das Strandleben ausgiebig genutzt, um den Arbeitsstress der vergangenen Monate und Jahre abwaschen zu können, haben viele tolle Menschen kennengelernt und sind durch grandiose Natur gefahren. Wir haben Waldbrände in Kroatien erlebt, extreme Gastfreundschaft in Albanien und Griechenland und beeindruckend mystische Orte wie Meteora, das keinesfalls so touristisch überlaufen ist, wie wir erwartet haben. Deutsche Touristen fehlen hier nahezu vollständig, obwohl wir trotz Griechenland-Krise hier herzlich willkommen sind.

Parallel zu diesen Erlebnissen hat sich das Abgasrückführungsventil unseres Land Rovers verabschiedet, was unsere Reiseroute zunächst deutlich früher als erwartet nach Athen verlagert hat. Mit selbstloser Hilfe von Land Rover Freunden aus Griechenland konnten wir das Problem schnell und günstig lösen – und konnten diese eher negative Situation dazu nutzen, weitere neue Freundschaften zu schließen.
Viele intensive Eindrücke prasseln auf uns und die Kinder ein, was für uns ein wichtiger Aspekt des Reisens mit Kindern ist, der im weiteren Leben Weltoffenheit, Fantasie und Kreativität fördern wird. Trotz dieser Eindrücke ist Anouk wie besessen davon, Aufgaben ihrer „Reiseschule“ zu erledigen. Sie möchte Lesen, Schreiben, Rechnen und Englisch lernen und wir haben angefangen Steckbriefe der Hauptreiseländer anzufertigen. Auch unsere kleine Tochter Sóley guckt sich dabei das Eine oder Andere ab.

Bevor wir uns Ende September für die Verschiffung nach Afrika (wahrscheinlich von Piräus nach Alexandria) und mindestens die Etappen durch Ägypten, den Sudan und Äthiopien mit einer englischen Familie treffen, werden wir nicht wie angedacht in Richtung Türkei, Georgien und Armenien rasen, sondern dem „Slow Travel“ frönen und uns langsam durch das wunderbare Griechenland und das Reise-, Kultur- und Naturkleinod Albanien arbeiten. Wir genießen das freie campen in einsamer Natur, neue Kontakte zu hilfsbereiten und offenen Menschen, uralte Kultur und wahnsinnig gute Küche in einer Region an der Grenze zwischen Orient und Okzident. Abgesehen von unseren vielen Reiseplänen werden wir uns diese Region, inclusive der „Türen nach Asien und auf die arabische Halbinsel“, noch einmal intensiver vornehmen.

Langsam steigt auch die Spannung, endlich nach Afrika weiterreisen zu können. Für uns alle ist ein Wiedersehen mit unseren Freunden in Äthiopien ein wichtiger, möglicherweise der wichtigste Aspekt unserer Reise. Wir werden zweifellos durch viele Schwierigkeiten durch müssen, dennoch hat es uns der afrikanische Kontinent mit seinen herzlichen Menschen angetan, der eben nicht nur aus medienwirksamen Hiobsbotschaften über Krankheit, Krieg und Krisen oder glamourösen Safaritouren und Beachlife besteht.