Auf Tour, während die Welt lahmliegt. Folge 1: Darf ich das?

Reisen in Corona-Zeiten: Darf man das? Folgen Sie dem explorer bei einem Selbstversuch

Reisen in Corona-Zeiten, VW-Bus 4MOtion Skandinavien, Sarah Kringe
VW-Bus 4MOtion Skandinavien, Sarah Kringe

„Verzichten Sie auf jede notwendige touristische Reise“. Dieser Appell, den die Bundesregierung Anfang März an die Bevölkerung richtete, klingt mir während unserer gesamten Reisevorbereitung in den Ohren. Gemeinsam mit vielen besorgten Fragen aus dem Freundes- und Familienkreis wie „Seid ihr sicher?“ und „Darf man denn überhaupt verreisen?“. Um es kurz zu machen: ja, man darf. Zwar hat das Auswärtige Amt für fast jedes Land weltweit eine Reisewarnung ausgesprochen, aber eine Reisewarnung ist eben kein Verbot. Sondern der dringende und nachdrückliche Ratschlag, nicht in diese Länder zu fahren, wenn es sich vermeiden lässt.

Hochgekocht ist die öffentliche Diskussion, als Mallorca vor drei Wochen nicht mehr als Risikogebiet galt und damit ein Urlaub auf der Insel für viele Menschen wieder in den Bereich des Möglichen rückte. Zeitweise ging die Bundesregierung sogar so weit, ein generelles Reiseverbot zu prüfen – das ist mittlerweile jedoch vom Tisch. Den Rückhalt aus der Bevölkerung hätte die Bundesregierung für ein solches Vorhaben allerdings gehabt: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 64 Prozent der Befragten für einen solchen Schritt aus, nur 26 Prozent waren dagegen.

64 Prozent der Bevölkerung sprechen sich für ein Reiseverbot aus – und wir wollen uns für drei Monate in den Camper setzen?

Auch mein Freund Mathias und ich haben in den vergangenen Wochen immer wieder diskutiert und abgewogen, ob wir unsere seit langem geplante Reise auch in diesem Frühjahr wieder absagen. Denn eigentlich müsste die Frage lauten: Sollte man in diesen Zeiten verreisen? Und das ist deutlich schwieriger zu beantworten. Entgegen den Empfehlungen von Politik und Wissenschaft zu handeln, macht uns ein mulmiges Bauchgefühl. Wir halten uns normalerweise an die Regeln und befolgen die geltenden Maßnahmen.

Eine längere Reise, vor anderthalb Jahren noch das normalste der Welt, erscheint mir plötzlich tollkühn und außergewöhnlich. Aber wenn wir aus dem Fenster von Mathias‘ Haus in den österreichischen Bergen schauen, wo der Schnee durch den Garten wirbelt, wächst die Sehnsucht nach Wärme, Sonne und Abwechslung. Wir sind, wie so viele andere auch, ermüdet und genervt von der Pandemie, von Isolation und Disziplin. Andererseits wollen wir auf keinen Fall zu den Menschen gehören, die ihre Vorstellungen ohne jegliche Rücksicht auf Andere ausleben wollen, damit sich und andere gefährden. Was tun? Wir wälzen Karten, recherchieren Ein- und Ausreisebestimmungen, Inzidenzen und Coronabestimmungen einzelner Länder, wohl wissend, dass sich all das jederzeit ändern kann.

Letztendlich entscheiden wir uns für eine Tour über den Balkan mit unserem VW-Bus. Der erste längere Stopp soll Albanien sein, ein Land, das im Vergleich zu Österreich und Deutschland eine deutlich niedrigere Inzidenz hat (wobei die Testkapazitäten vermutlich kaum vergleichbar sind) und außerdem bei der Einreise derzeit weder einen Test noch eine Quarantäne verlangt. Unsere Kontakte wollen und werden wir auf das Notwendigste beschränken, fahren deshalb über den Landweg und verzichten auf die weitaus bequemere Fährüberfahrt von Ancona nach Durres. Wir planen, uns einsame Stellplätze zu suchen und uns so wenig wie möglich in Ortschaften und Städten aufzuhalten. Außerdem entfällt auf Reisen die Versuchung, sich mit Freunden und Familie zu treffen, eine Einschränkung, unter der wir in den letzten Monaten besonders gelitten haben.

Ob das Spaß machen wird? Ohne die Begegnungen mit Fremden, die dem Reisen einen Teil seiner Würze verleihen, dafür mit Maskenpflicht im öffentlichen Raum, geschlossenen Sehenswürdigkeiten und Cafés und dem dräuenden Risiko einer Infektion in einem Land, in dem die Gesundheitsversorgung im Zweifelsfall nicht so gut ist wie in Deutschland? 

Das werden wir sehen. Vielleicht wird es langweilig, vielleicht sind wir irgendwann genauso genervt wie hier, vielleicht sind wir in drei Wochen schon wieder zuhause. 

Vielleicht aber auch nicht. 

In lockerer Folge werden wir, auch anhand der Reiserfahrungen aus erster Hand, in den kommenden Wochen Tipps und Hinweise zusammenstellen, worauf es beim Reisen derzeit ankommt, welche Auflagen beachtet, welche Regeln eingehalten werden müssen. Bleiben Sie am Ball.

Folge 2 – Einreisebestimmungen und Tests: Es ist kompliziert

 

Sarah
Die Autorin:

Eigentlich fahre ich viel lieber Fahrrad als Auto. Deshalb steht mein Crossbike auch jedes Mal ganz oben auf der Packliste, wenn ich mit meinem Freund Mathias unseren VW T5 reisefertig mache. Den Camper haben wir selbst ausgebaut, von der Wasserversorgung über die Solarpanele bis zum Bücherregal: Unser Bus ist ein kleines autarkes und gemütliches Zuhause auf Rädern, mit dem wir Anfang April 2021 zu einer zehnwöchigen Balkan-Tour aufbrechen. Unser erster Stopp soll Albanien sein, gefolgt von Kosovo oder Nordmazedonien, dann sollen Bulgarien und Moldau folgen. Zum ersten Mal mit dabei: unsere sieben Monate alte Hündin Lajka.