Klein ist der Volvo schon, wintertauglich soll er werden. Die Kombination aus beidem heißt: Irgendwo im Innenraum muss der Wassertank Platz finden. Das klappt am einfachsten als Einzelanfertigung. Der Redakteur darf als Praktikant selbst Hand anlegen

(msk) Diese drei Achsen sind tückisch. Cnut versucht hartnäckig so zu tun, als wäre er ein ganz dicker Brummer. Und nicht nur 1,70 Meter breit, auf 3,4 Meter Kofferlänge. Jedes Bauteil wird dreimal gedreht und gewendet, bis es seinen passenden Platz gefunden hat – und was danach immer noch nicht passt, wird einfach weggelassen. Beim Wasser ist das nicht so einfach. Die Vorgaben sind einfach: etwa 100 Liter Volumen muss der Speicher haben, gleichzeitig muss er im Innenraum stehen. Ausnahmsweise. Seit meinem ersten VW LT, den ich mit 19 Jahren einem windigen Händler abkaufte (das Auto war zu dem Zeitpunkt zwei Jahre älter als ich), habe ich ein Trauma, was Wasser im Fahrzeug angeht. Ein durchgefaulter Boiler sorgte für den ersten Wasserschaden, ein kaputter Tankstutzen für den zweiten. Seither hat die Druckwasserpumpe bei meinen Autos immer einen gut erreichbaren Hauptschalter – und Tanks hängen unterflur. Aber: Cnut soll wintertauglich werden, also klappt das diesmal nicht. Einmal davon abgesehen, dass der Rahmen des Volvo C304 sowieso kaum eine Option böte, etwas zu montieren.

Tank ins Heck, neben die Heizung

Der beste Platz, so scheint es, ist also auf dem Radkasten unter dem Bett. Schwerpunktgünstig über der Achse (gegenüber findet die Elektrik ihren Platz), mit kurzen Wegen zum Boiler, Pumpe und Filter wären gut erreichbar. Angenehmer Nebeneffekt: der Tank steht direkt neben der Heizung, wird bei Frost also immer durch die Abwärme der Alde mit warmgehalten. Wäre da nur nicht Trauma Nummer 2: Ein abgerutschter Wasserschlauch duschte im Jahr 2013 die Elektronik einer Truma Combi, ausgerechnet in Feuerland und Patagonien musste das Gerät ausfallen, wochenlang wurde es nur warm, wenn man hinter dm Steuer saß und fuhr. Also musste sichergestellt sein, dass die Heizung auf keinen Fall Nässe abbekommen könnte. Und das war ausnahmsweise einmal leichter gebaut als gedacht.

Praktikum bei Tanknologie in Hamburg Wentorf

Es ist immer schön, wenn Schreibtischtäter wie wir einmal praktisch Hand anlegen dürfen. Klar also, dass die Idee von Bertram Hass, den neuen Tank bei ihm im Betrieb unter Anleitung selber bauen zu dürfen, auf fruchtbaren Boden fiel. Wer hätte das gedacht: das Heißluft-Schweißgerät weckte Erinnerungen an die eigene Handwerksausbildung, mit einem anderen Aufsatz an der Spitze schweißten wir damals Zirkuszelte und Lkw-Planen zusammen. Lang ist es her, also los geht’s! Die rechteckigen Platten aus lebensmittelechtem PE sind auf der Tischkreissäge schnell zugeschnitten, dann geht es daran, die Elemente mit einer Heftnaht zusammenzufügen. Das Polyethylen schmilzt ein Stück mit der nebenliegenden platte zusammen, dann kann der Kubus schon zusammengeklappt werden. Dieselbe Heftnaht noch einmal von außen und schon ist der Kasten dicht. Dann folgt die eigentliche Naht, mit einer Maschine, die ich nicht aus der Ausbildung kenne, sondern aus dem Film Ghostbusters. Glaube ich. Hier legt der Chef kurz selber Hand an – ein drittes Wassertrauma muss ja nun wirklich nicht sein. Die Maschine schweißt eine dicke Naht rund um die Kanten, noch bei mehr als 0,2 Bar Überdruck hält der schwarze Kasten anschließend dicht. So ein Überdruck kann entstehen, wenn beispielsweise die Entlüftung verstopft ist und frisches Wasser mit hohem Druck gebunkert wird.

Die Maschine extrudiert auf die Kanten eine Naht aus PE

Mehr als nur ein Speicher

Doch noch ist der Tank für Cnut noch nicht fertig: Reinigungsdeckel auf die Oberseite, Zulauf und Entnahmestutzen an die Seite, auch dies wird alles mit heißer Luft und dünnem PE-Schweißdraht angesetzt. Alle Öffnungen sind an der Oberseite, so könnte selbst bei einer Leckage nicht viel Wasser auslaufen. Auf der Innenseite führt dann ein Röhrchen bis an die Unterkante des Tanks, so kann das Wasser restlos entleert werden. Und weil wir bei Cnut etwas besonderes vorhaben, gibt es von diesen Entnahmestutzen gleich zwei. Der Grund ist einfach: nur ein Bruchteil des gebunkerten Wassers wird zum Trinken verwendet. Warum also alles durch eine Filteranlage pumpen? Für den Brauchwasser-Kreislauf gibt es einen Feinfilter-freien Strang, eine zweite Leitung läuft durch einen 5-Zoll-Filter und wird per Fußpumpe an einen zweiten Wasserhahn geleitet, wo man sich bei Bedarf gefiltertes Wasser zapfen kann. Membranpumpe und Filter sitzen direkt neben dem Tank in einem direkt angeschweißten Behälter, der einen eigenen Ablauf besitzt. Tropft also beim Wechseln der Filterkartusche etwas Wasser heraus, oder muss man den Siebfilter der Druckwasserpumpe reinigen, muss man sich nun nicht sorgen, dass auslaufendes Wasser sich im Fahrzeug verteilt. Und eben diese Wanne schützt auch die darunter liegende Heizung. So einfach, so praktisch.

ein halber Tag Arbeit – und fertig ist der Tank für Cnut

Fünf Stunden und eine Pizza später

Es ist doch immer etwas schönes, etwas selbstgebautes vor sich zu sehen, was genau so geworden ist, wie man es sich vorstellte. Der Tank bekam noch drei Laschen, um ihn sicher mit dem Fahrzeug verschrauben zu können – und noch ein Detail erneut mich schon jetzt mit seinem Praxisnutzen: Die Front ist aus hellem PE, das etwas lichtdurchlässig ist. So kann ich beim Betanken sehen, wie voll der Tank ist, ohne erst im Innenraum die elektronische Anzeige abrufen zu müssen – und dieses Detail kostet keinen Cent extra. Nun also flugs auch Heizung und Boiler angeschlossen, der Herbst ist nicht mehr fern und eine warme Dusche nach dem Wassersport immer etwas feines!

Cnut Wassertank Bau

Eingebaut, erkennt man, wie die Wanne die Heizung überdeckt

Cnut Wassertank Bau

Ein halber Tag Arbeit – und fertig ist der Tank für Cnut

Cnut Wassertank Bau

Der Drucktest zeigt, ob alle Nähte wirklich dicht sind

Cnut Wassertank Bau

Dieses wird mit Heißluft und Schweißnaht eingesetzt und fixiert

Cnut Wassertank Bau

Dann kommt der Ausschnitt für das Inspektionsluk

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Die Naht ist fingerdick

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Von den Ghostbusters geklaut? Das Schweißgerät

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Die Maschine extrudiert auf die Kanten eine Naht aus PE

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Die 8 Millimeter starken Wände stoßen nur über Eck zusammen

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Der Platz ist eng, jeder Zentimeter zählt

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Mit einem Heißluft-Schweißgerät werden die Elemente zusammengeheftet

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Eine Schwallwand hält die Wände in Form und das Wasser ruhig

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Auch von außen wird der Kasten rundum fixiert

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Die Seitenwände sind schnell zugesägt

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Druckpumpe und Filter – beides soll gut erreichbar sein

Cnut Wassertank Bau
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