VW Crafter 4×4: Mehr Vielfalt, mehr Tonnage

Mit Umrüstungspaketen von Oberaigner und Iglhaut gibt es neue Allrad-Optionen für den Transporter von VW

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Die Allrad-Geschichte der großen Transporter von Volkswagen war schon immer wechselvoll. Vom Portalachsen-Prototypen bis zur soften Traktionshilfe hatte VW schon alles im Sortiment, mal gemeinsam mit Zulieferern, mal als eigenständige Entwicklung.  Mit der zweiten Generation des Crafter setzte man wieder auf hausinterne „4Motion“-Technik, basierend auf einer automatischen Haldex-Kupplung, bei Bedarf immerhin ergänzbar um eine vollwertige Differentialsperre an der Hinterachse, Untersetzungsgetriebe gibt es keins. Für echten Offroad-Einsatz war das sehr kurz gesprungen, zumal der Permanent-Allrad nicht einmal mit einer Höherlegung und einer geländetauglicheren Bereifung einhergeht.

Erst Seikel, jetzt Oberaigner

2017 legte zunächst Seikel mit einem Höherlegungs-Fahrwerk und passendem Zubehör nach (mehr zur Probefahrt des EXPLORER hier) jetzt hat auch Oberaigner den Hersteller-Segen für ein Plus an Allrad-Vielfalt. Der Hersteller aus Österreich, mit seiner Dependance in Laage (Mecklenburg-Vorpommern), bislang für Umrüstungen des Sprinter und des Renault/Nissan/Opel-Kastenwagens bekannt, fokussierte dabei auf ein ganz spezielles Segment: die Tonnageklasse oberhalb von 3,5 Tonnen. Bislang gab es den Crafter 4Motion nur mit maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, “VW-Premiumpartner” Oberaigner bietet nun auch für die Gewichtsklasse bis 5,5 Tonnen eine Allrad-Lösung an.

Im Gegensatz zu Volkswagen setzt Oberaigner nicht auf die Haldex-Kupplung als Kraftverteiler zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern auf das sogenannte Torsen-Differential. Anstatt einer Lamellenkupplung kommt also eine Drehmoment-abhängige Differentialsperre zum Einsatz (Torsen: Mischwort aus torque & sens = drehmomentsensibel). Auch dies ist sehr platzsparend, so dass keine Höherlegung nötig ist. Das Mehrgewicht, um die Vorderachse antreiben zu können, ist mit 130 Kilogramm angegeben. Das Offroad-Paket von Oberaigner ist für den Crafter mit 130 kW-Motorisierung, Zwillingsbereifung und mit 6-Gang-Schaltgetriebe oder 8-Gang-Automatikgetriebe bestellbar, und zwar für alle Karosserieformen und Radstände. Zusätzlich ist eine Ergänzung mit einer Hinterachs-Luftfederung von  VB Airsuspension möglich. Der Umbau wird nicht direkt ab Werk angeboten, sondern muss als sogenanntes Zwei-Rechnungs-Geschäft abgewickelt werden. Kosten für das Allrad-Paket: ab 11.300 Euro.

Zum Vergleich: Der Aufpreis für die 4-Motion-Variante (130 kW, 6-Gang Schaltgetriebe) eines klassischen 3,5-Tonnen-Crafters im Vergleich zum reinen Hecktriebler beträgt etwa 2.000 Euro.

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Das Torsen-Differential setzt hinter dem Getriebe an und verteilt die Kraft von dort bei Bedarf an die Vorderachse

Extremer Umbau: Iglhaut

Für höhere Ansprüche an Geländetauglichkeit entstand in Marktbreit, beim bisherigen Mercedes-Spezialisten Iglhaut, ebenfalls ein alternatives Antriebskonzept. Neben dem zugrundeliegenden Konzept gibt es noch einen zweiten großen Unterschied: die Iglhaut-Umrüstung entstand in Eigenregie, bislang gibt Volkswagen keine Freigabe oder Unbedenklichkeitsbescheinigung, mit entsprechenden Folgen bei der Fahrzeug-Garantie.

Für mindestens 27.300 Euro gibt es hier einen Permanent-Allrad mit sperrbarem Mitteldifferential, Untersetzungsgetriebe (1:2.5) und einer Höherlegung um 15 Zentimeter. Wer weitere Kreuze in der Optionsliste macht, erhält Räder bis zur Größe 265/75 R16, Differentialsperren an Vorder- und Hinterachse, Unterfahrschutz für alle relevanten Baugruppen, dazu Ersatzradhalterungen und mehr. Ein äußerst potenter Antriebsstrang für alle Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Wer höhere Tonnagen fahren will, wie beim Oberaigner-Umbau sind bis zu 5,5 Tonnen möglich, muss die Zwillingsbereifung der Hinterachse in Kauf nehmen, hier bietet Iglhaut eine AT-Bereifung in 215/85 R16 an. Lesen Sie eine ausführliche Probefahrt der Baunummer 01 im EXPLORER 03-2020 (ab 24.3. am Kiosk).

Iglhaut Crafter
Der Iglhaut-Crafter punktet offroad mit Untersetzungsgetriebe und viel Bodenfreiheit