Beim Kabinenbau kamen Produkte zum Einsatz, die nicht so miteinander harmonierten wie sie sollten. Das rächt sich jetzt, ein Farbneuaufbau steht an

In der Theorie klang es perfekt. Die Platten der Wohnkabine entstanden in einer Form unter Vakuum. Also vorher einmal gut wachsen, Gelcoat einstreichen und schon hätte man anschließend eine makellose Platten-Außenseite. Hat auch genau so funktioniert – nur leider nicht dauerhaft gehalten. Die Materialkombi, die bei Booten seit Jahren problemlos funktioniert, konnte offenbar den hohen Temperaturen und den entsprechend starken Schwankungen nicht standhalten und hat sich vom Laminat gelöst – die Reise in den Winter Lapplands hat die Ablösung zuletzt stark beschleunigt.

Es muss also in den sauren Apfel gebissen werden und eben diese Gelcoat-Schicht komplett abgezogen, dann die Oberfläche geschliffen und gespachtelt werden. Eine Strafarbeit sondergleichen. Gut eine Woche dauert die Schinderei, bis der Koffer wieder lackierfertig bereitsteht. Und dann kommt die Sache mit der Berufskrankheit:

Als Technikredakteur habe ich in den vergangenen 15 Jahren wohl so jede Farbe und jeden Lack in den Fingern gehabt, mit dem sich Heimwerker so rumschlagen. Ein- Zwei- und Dreikomponentig, Monourethan und Polyurethan, auf Alkydharz oder Ölbasis, als Dickschicht oder Dünnschichtsysten, zum pinseln, rollen, spritzen, dazu jede Menge Anwendungen mit Polyestern und Epoxidharzen. Ich könnte jetzt an den Lackschrank gehen und zum 2K-Mipa-Lack in Silbergrau, matt, greifen, mit dem ich zuletzt sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Nicht ganz leicht, aber berechenbar. Aber etwas neues ausprobieren, das lockt dann doch immer sehr, die Sache mit der zurückliegenden Strafarbeit ist beinahe vergessen. Also fällt die Wahl auf ein Farbsystem, das sich Naviton nennt, produziert von der Firma Nortech aus dem niedersächsischen Springe. Die bewerben ihr Material mit sehr hoher UV-Festigkeit, hervorragender Selbstreinigung und einer besonders hohen mechanischen Robustheit.  Wird das Material mit der Rolle verteilt, gibt es eine glatte Oberfläche, mit der Spritzpistole und einer speziellen Technik nachlackiert, entsteht eine leicht strukturierte Oberfläche. Entscheidend, warum die Wahl aber letztendlich auf Naviton fällt, ist: bei Nortech arbeiten Globetrotter mit Leib und Seele, die Sorgen und Nöte bei der Erhaltung von Allradmobilen aus eigener Erfahrung kennen. Einziger, großer Wermutstropfen: das Material ist empfindlich teuer. Umso spannender wird es zu sehen, wie sich die schlagzähe Farbe bewährt. Bei den Kollegen von Matsch  & Piste, die ihren historischen Land Rover mit Naviton beschichten ließen, machte das jedenfalls schon einmal einen guten Eindruck.

Eine weitere Woche geht mit Lackiervorbereitungen und dem Aufrollen der ersten zwei Schichten ins Land, zum Finale reist ein Team des Farbenherstellers an und zeigt, wie die Struktur aufgebracht wird. Das ist nicht komplex, aber man braucht ein geübtes Händchen – ähnlich wie bei einem gelungenen Dekorputz in den heimischen vier Wänden. Und da Gut Ding Weile haben will, werden es zwei sehr lange Wochenend-Nächte. Als es vor der Scheunentür zu dämmern beginnt, nähert sich aber die Arbeit dem Ende. Und es hat sich gelohnt.

Lackierung Steyr 12M18 Naviton
Lackierung Steyr 12M18 Naviton
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