Messebau mal anders: Auf der Abenteuer & Allrad 2016 entstand unter den Augen der Besucher in vier Tagen eine kleine Wohnkabine für Pickups. Ein Projekt zum nachmachen

Kann das wirklich gelingen? Eine Wohnkabine in nur 120 Arbeitsstunden bauen? hier ist der Videobeweis, dass es am Stand des EXPLORER mir rechten Dingen zuging. Was hinter dem Projekt steckt, wie jedermann das kleine Schächtelchen selber nachbauen kann – und was das kostet, das erfahren Sie in der Herbstausgabe 2016 des EXPLORER.

Baut der EXPLORER jetzt Fahrzeuge? Nein. Was auf der „Abenteuer & Allrad“ zwar ein wenig so aussah, betrachtete man die Werkstatt-Atmosphäre auf unserem Stand C36, ist eigentlich nichts weiter als ein Projekt, um zu zeigen, das es sowohl beim Material, als auch beim Layout durchaus neue Ansätze geben kann, um kompakte und leichte Reisefahrzeuge zu bauen. Das Wort „eigentlich“ deshalb, weil „Ursa Minor“, so der Name des Kabinchens, durchaus zur Nachahmung anregen soll – und für diesen Zweck wird der EXPLORER den auf der Messe gebauten Prototypen des Kabinen-Bausatzes weiterentwickeln, Interessenten können so leicht und ohne viel Denkaufwand das neue Redaktionsfahrzeug des EXPLORER nachbauen.

Was das konkret bedeutet, haben wir an dieser Stelle einmal anhand der wichtigsten Fragen zusammengestellt, die uns während des Baus gestellt wurden. Alles weitere lesen Sie in der kommenden Ausgabe des EXPLORER, ab Ende August im Handel.

Wieviel Zeit braucht es wirklich? Vier Tage?

Mit zwei, zum Teil drei Mann ist es auf der Messe tatsächlich gelungen, den vorgefrästen Bausatz komplett aufzubauen, Standheizung und Kochfeld anzuschließen, Fenster einzubauen, Hydraulik und Elektro-Komponenten einzusetzen, aber noch nicht anzuschließen. In Summe heißt das: Circa 100 Arbeitsstunden sind in Bad Kissingen für den Aufbau verwendet worden, das entspräche dem Pensum von zehn entspannten Wochenend-Arbeitsdiensten einer einzelnen Person.

Bis das Fahrzeug fahr- und reisebereit war, also lackiert wurde, die Elektrik verkabelt wurde, Tür, Dichtungen und weiterer Kleinkram seinen Platz gefunden hat, waren noch einmal 100 Arbeitsstunden notwendig. In diesem Zustand geht es nun auf die erste Testfahrt, dann geht es an die Optimierung von Details.

Alles Plastik?

Ja, alles Plastik. Konkret heißt das: die Kabine entstand aus sogenannten DuFlex-Platten. Sie bestehen außen aus einer Lage Glasgelege (600 Gramm / qm, mit Epoxidharz), im Kern ist ein Schaum aus Polyethylen (weiß: Wände, Dach, Innenteil), PVC (beige: Bodenplatte) oder Balsaholz (naturfarben, Seitenwände des Deckels).

Und das hält?

Davon gehen wir aus. Das Material wird seit langem im Bootsbau eingesetzt und besticht durch seinen hochfesten Aufbau, der nicht mit einer herkömmlichen, per Kleber verbundenen Sandwichplatte vergleichbar ist. UMa, der Redaktions-Lkw, besteht aus vergleichbarem Material und hat ohne Schaden schon viel von der Welt gesehen.

Warum machen wir das?

Um zu zeigen, das Kabinenbau kein Hexenwerk ist. Um zu erklären, das leichte Materialien existieren, um gewichtsparend zu bauen. Um Ideen zu zeigen, wie auf wenig Raum viel Volumen geschaffen werden kann. Und aus vielen weiteren Gründen. Die Idee, ins Kabinenbau-Geschäft einzusteigen, gehört allerdings nicht dazu.

Kann man das kaufen?

Ja und nein. Nein, nicht fertig. Ja, für den Bausatz werden wir in den kommenden Wochen die nötigen Infos zusammenstellen und in der August-Ausgabe des EXPLORER genauer dazu berichten.

Warum ging das so schnell?

Hätte der Fräsroboter nicht vergessen, die vier Klappen zu den Staufächern zu fräsen, wären wir vielleicht noch einmal schneller gewesen! Und das ist auch Teil des Experimentes gewesen: „Ursa Minor“ ist erstmals ein steckbarer Bausatz, dessen Teile CNC-gefräst werden und die nur noch miteinander zusammengesteckt und verklebt werden müssen. Der Griff zur Säge ist hierbei unnötig gewesen. Es sei denn, die Fräse hat eben vergessen, zu Ende zu arbeiten…

Schritt für Schritt Bauanleitung als Video:

Was wiegt es?

Das reine Plattengewicht beträgt ziemlich genau 150 Kilogramm. Eine Fahrt auf die Waage wird zeigen, wieviel zusätzliches Gewicht durch Spachtelmasse, Klebstoff, Farbe und ähnlichem dazugekommen ist. Einer ersten Schätzung nach sollte die ausgebaute, ausgerüstete Kabine nicht mehr als 350 Kilogramm wiegen.

Was kostet es?

Noch ist das schwer zu sagen, die vielen Einzelposten müssen jetzt zusammengerechnet werden. Wunsch und Plan ist, eine Stückliste für einen Einstiegsbausatz inklusive Technik für 11.111 Euro zusammenstellen zu können, eine fernreisefertige Version könnte sich bei 15.555 Euro einpendeln. Die Muskelhypothek kommt obendrauf.

Gibt es ein WC?

Nein. Nicht in dieser Version. Wer aber den innen verbauten Wassertank am Fahrzeug platziert, bekommt an dessen altem Einbauort Platz für ein Chemie-WC. Wenn es denn nötig ist.

Wie hebt das Dach?

Bei Ursa Minor ist ein Hydraulik-Antrieb von Bansbach montiert, der Easymotion mit 800 Millimeter Hub. Statt mit einer Handkurbel wird das System jetzt bequem mit einem Akkuschrauber bedient, so hebt das Dach in 15 Sekunden. Erst dann ist die Tür und die Fenster frei zugänglich.

Muss das nicht weiter beschichtet/gedämmt/lackiert/verstärkt werden?

Ja und Nein. Es stimmt, die Materialstärke ist mit 15 Millimetern vergleichsweise dünn. Das aber spart Gewicht und Platz, bei einem Fahrzeug dieser Größe immens wichtig. Die Außenhaut der Platten kann beliebig beschichtet werden, spachteln und lackieren ist der einfachste Weg. Im Innenbereich bietet es sich auch an, teilweise Furniere oder HPL-Dekore aufzukleben, so wird es bei der Baunummer eins passieren. Aber erst, wenn wir von der ersten Probereise zurück sind…

 

  

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