Am frisch vorgestellten Mercedes G ist alles neu – aber für Globetrotter ist der Geländewagen keine echte Option, andere können das besser. Kommentar

(msk) Große Show, am Rande der Detroit Autoshow. Zwischen zuckenden Flammen steht die neue Generation des G-Modells auf der Bühne und sieht so gut aus wie immer. Warum auch etwas anders machen, was die ganze Welt so haben will – der Wagen verkauft sich derzeit schließlich wie geschnitten Brot.

Der Grund für die komplette Neukonstruktion: Umweltauflagen, Crashsicherheit. Beides hat schon 2016 dem Defender das Leben gekostet, aber der war auch schon lange nicht mehr das profitabelste Auto im Portofolio. Anders der Daimler. Hier gab es allen Grund, den Wagen eine Generation weiter zu befördern. Und das ist absolut gelungen. Trotz – oder wegen – der neuen Einzelradaufhängung kann das 2018er Modell mehr als sein Vorgänger, was eine sehenswerte Testfahrt der Kollegen von Auto mobil (Vox) zeigt. Alte Werte außen, neue Üppigkeit innen – die Bestandskunden werden in Massen ordern.

Alles super eigentlich, wäre da nicht eine Kleinigkeit: 107.000 Euro Kaufpreis. Nun, eine Kleinigkeit ist das im Grunde nicht – und es ist auch kein Geheimnis, dass es durchaus Menschen gibt, die sich dennoch auf so einem Basisfahrzeug ein Reisemobil aufbauen lassen. Doch gibt es ja bei jedem Modellwechsel die Hoffnung, dass es zukünftig vielleicht auch mal eine Variante für den kleineren Geldbeutel (wieder) würde geben können. Gerade in heutigen Zeiten, wo über Klimaerwärmung, CO2-Bilanz und Nachhaltigkeit so viel geredet wird, wie früher über das Wetter. Ja, und dann steht auf der Bühne ein V8-Benziner mit vier Litern Hubraum, zwei Turboladern, 440 PS und einem Drehmoment, das größer ist als das unseres Redaktions-Lkw. Andere Modelle? Fehlanzeige, jedenfalls vorerst. Ein einfach ausgestattetes Basismodell ohne Blingbling und Benzindurst wie eine Mondrakete – das scheint im Geländewagensegment eine völlig verrückte Vorstellung zu sein. Da hat es dann auch nichts mehr mit Neidkultur zu tun, verstört zu lachen und sich zu überlegen, welche Klientel denn überhaupt einen reinrassigen Geländewagen braucht (siehe oben genanntes Video), der innen mit Touchscreens und Ledersitzen betört. Es gehört schon ein bizarres Verhältnis zu Geld und Werten dazu, diese Kombination wirklich zu nutzen. Sich nach der erfolgreichen Elefantenjagd auf die mit Ziernähten abgesteppten Kuhhäute fallenzulassen um dann auf dem Weg zum Camp die 400 Pferde fliegen zu lassen.

Ja, Daimler war immer für ein paar illustre Sondermodelle in Sachen G-Klasse gut. Sei es zuletzt das Landaulet-Cabrio oder der 4hoch4. Und jedes Modell fand seine Liebhaber.
Und ja, einen G zu fahren war noch nie besonders billig. Doch bot sich mit älteren Modellen zumindest die OPTION, budgetorientiert zu bauen. Nun könnte man sagen, mit der X-Klasse hat Mercedes diesen Aufgabenbereich einem neuen Auto übertragen. Könnte man gelten lassen, würde die X-Klasse dem G-Modell im Gelände das Wasser reichen können. Das würde mich überraschen, aber vielleicht bietet sich die Gelegenheit, genau das auszuprobieren.

Ach übrigens: auf der Präsentation in Detroit stand dann doch noch ein G-Modell herum, das ich spontan mit zu einer Weltreise nehmen würde. Einziges Problem: Es war umhüllt von einundvierzig Tonnen Kunstharz. Andererseits: So ist der 280 GE, Baujahr 1979 wenigstens gut konserviert, falls sich noch einmal jemand daran erinnern möchte, wie ein bezahlbarer Geländewagen von Mercedes ausgesehen hat.

Mercedes-Benz auf der North American International Auto Show (NAIAS) 2018

Ein 1979er G-Modell, eingegossen in 44 Tonnen Kunstharz. Konserviert für die Ewigkeit

Und dann war da noch die Nachricht, die zeigt, dass es auch anders gehen kann. Lada, mit dem früher Niva genannten 4×4 ähnlich lange auf dem Markt (genauer gesagt, seit 1976), zeigt, wie genau das im Jahr 2018 aussehen kann – und bietet den Kult-Geländewagen in Deutschland jetzt auch als Fünftürer an. Der startet dann bei 12.990 Euro, hat auch ne Einzelradaufhängung an der Vorderachse und einen Benzinmotor. Gut, der hat nicht einmal 100 PS, aber dafür bleibt auf dem Konto noch so viel Geld, dass ich zehn Jahre lang um die Welt fahren kann. Oder meinen sechs besten Freunden auch noch ein Auto schenken kann, damit sie mitkommen können.

Lada 4x4

Lada 4×4