Lange hat Land Rover das Auto angekündigt, auf das die Szene mit großer Neugier wartet. Nun wurden die Karten auf den Tisch gelegt. Ein erster Eindruck

(msk) Zugegeben, man konnte diese ganzen Semi-Paparazzi-Bilder schon nicht mehr sehen. Eine Erprobung hier, eine Testfahrt dort, hier ein Spyshot, dort noch einer – Land Rover hat die Klaviatur des Marketings virtuos gespielt, und alle machten mit. Oder war man sich hausintern vielleicht gar nicht mehr so sicher, ob die Neuauflage der Ikone so gut ankommen würde, wie man hoffte? Jetzt aber, pünktlich zur Premiere auf der IAA, hat der Hersteller alle Fakten öffentlich gemacht. Und die sind gar nicht einmal so schlecht.

Die guten Nachrichten zuerst

Bis zu 900 Kilogramm Nutzlast, 300 Kilogramm statische Dachlast, 3,5 Tonnen Anhängelast und 90 Zentimeter Wattiefe, dazu zwei Radstände – Lifestyle-Laster klingt erst einmal anders.
Auch die Basismotorisierung mit dem D200 genannten, 200 PS starken Vierzylinder-Biturbo-Diesel (430 Newtonmeter Drehmoment) klingt attraktiv (alternativ: 240 PS, 4.200 Euro Aufpreis), wohingegen alle anderen Optionen (Benziner von 200 bis 400 PS, Mild-Hybrid folgend) eher vor der Eisdiele ausrollen werden. Für alle gleich: geschaltet wird ausschließlich per Achtgang-Automatik. 85 Liter Tankinhalt (20 Liter für AdBlue) sind langstreckentauglich.

Alles anders bei Karosserie und Fahrwerk

Schluss mit dem Leiterrahmen – der neue Defender baut auf einer selbsttragenden Alu-Karosserie auf, die Räder hängen einzeln entweder an Schrauben- oder Luftfedern. Bei der Schraubenfeder wurden Doppelquerlenker vorn mit einer Mehrlenkerachse hinten kombiniert; die elektronisch geregelte Luftfederung kann bei Bedarf den Wagen um 50 Millimeter absenken, hebt im Offroad-Modus um 75 Millimeter an und kann sich kurzzeitig noch einmal um weitere 70 Millimeter aufpumpen.

Der Permanentallrad mit zweistufigem Verteilergetriebe lässt sich bei Bedarf im Mitteldifferential sperren, die elektronisch arbeitende Sperre an der Hinterachse gibt es gegen Aufpreis. Offroad-Einsteigern soll das Terrain-Response-System unter die Arme greifen, das bei Bedarf frei konfigurierbar ist, oder vollautomatisch arbeitet. Die Karosserie-Werte sprechen für sich: Böschungswinkel von 38 Grad vorn und 40 Grad hinten, kombiniert mit einer maximalen Bodenfreiheit von 29 Zentimetern, werden dem Namen sicherlich gerecht.

Dass der neue Defender seinen Vorfahren um einiges an Größe überragt, ist keine Überraschung. 1,97 Meter ist er hoch, über die Spiegel 2,1 Meter breit und 4,58/5,02 Meter lang. Die Gewichtsbilanz bleibt aber in Ordnung: 2.305 Kilogramm wiegt der 110er mit Diesel, bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.215 Kilogramm (90er: leer 2.156 kg, zGG: 2.970 kg).

Und kein Wort über die Reifen

Natürlich – wir Globetrotter und Offroader sind eine kleine Nische im globalen Autonetz. Aber man könnte dennoch auf den Gedanken kommen, dass die verfügbaren Reifengrößen bei einem Geländewagen durchaus eine gewisse Relevanz haben. Könnte man. Land Rover gibt sich dahingehend aber unerklärlich zugeknöpft: es werden zur Zeit allein die verfügbaren Felgen genannt (18-22 (!) Zoll), aber kein Pneu, der darauf montiert werden kann. Die Fotomodelle stehen, schaut man genauer hin, auf 255/70 R18 – eine nicht unbedingt populäre Größe. Umgekehrt wird kaum eine kleinere Felge über die große Bremsanlage passen – hier sollten die einschlägigen Land-Rover-Spezialisten schnell wirklich reisetaugliche Umrüstungen anbieten.

Nutzwertiger Innenraum

Was viele fürchteten, der Defender könne zum Accessoire verkommen, spiegelt der Wagen im Innenbereich nicht wider. Der Armaturenträger aus gepulvertem Metall, robuste Ablagen, abwischbare Oberflächen. Und trotzdem chic. Hier ist die Verbindung aus Neu und Alt auf den ersten Blick gut gelungen, auch wenn man den Wagen nicht mit dem Kärcher putzen sollte – einen Ablaufstopfen unter den Fußmatten sucht man jedenfalls vergeblich.

Elektronik bis zum Umfallen

Schon die Anzahl der Seiten, die sich in den Pressemeldungen mit technischen Spielereien beschäftigen, macht es deutlich: der neue Defender mag zwar die Gene seines berühmten Ahnen in sich tragen, aber ist ein Auto der Neuzeit. Vom volldigitalen Cockpit mit optionalem Head-up-Display bis zur per Kamera transparent erscheinenden Motorhaube, von USB-Dosen überall bis hin zu kopiersicherem und wasserdichtem Keyless-Entry-System lässt sich alles bestellen, was aus modernen Pkw heute nicht mehr wegzudenken ist. Und das dürfte den Kaufpreis in die Höhe schnellen lassen.

Akzeptabler Basispreis

Mit 49.700 Euro für den kurzen 90er und 55.600 Euro für den 110er-Fünftürer bringt Land Rover wie erwartet kein Schnäppchen auf den Markt, hat sich aber auch nicht in die Sphäre eines Mercedes G geschossen, wie mancher befürchtete. Tatsächlich liegt der Wagen ziemlich genau auf der Preislinie des Jeep Wrangler, der als Fünftürer bei 57.000 Euro Listenpreis startet, als Zweitürer mit 55.000 Euro sogar deutlich teurer ist. Wohlgemerkt: Es geht um Basispreise. Schon der erste Blick in den Konfigurator des Landys zeigt, wo die Reise hingehen kann – die ersten angebotenen Ausstattungsvarianten liegen bei 75.000 und 99.000 Euro. Aber schon ein Blick auf die dann serienmäßig verbauten 20-Zoll-Räder verrät: mit diesen Modellen sollen keine Offroad-Reisenden angesprochen werden. Die bekommen schon im Grundpreis eine überbordende Auswahl von (meist elektronischen) Spielereien, die bislang keiner vermisste. Eine Kühlbox in der Mittelkonsole etwa – bislang wären Defender-Fahrer froh gewesen, wenn der Wagen so breit gewesen wäre, dass er überhaupt nennenswert Platz zwischen den Sitzen bietet.

Durch den Konfigurator geklickt

Wo aber landet man dann wirklich mit dem Kaufpreis, Optionslisten haben es ja mitunter in sich. Der Defender ist aber schon im Grundpreis überraschend komplett – zumindest unter Reise-Gesichtspunkten. Wir haben uns einmal unseren Traumwagen zusammengestellt.

Dem Reflex, schon aufgrund des Namens beim EXPLORER-Pack zuzuschlagen, haben wir widerstanden, für 4.169 Euro gäbe es hier ein bisschen Plastikbeplankung im Exterieur, Schmutzfänger hinter den Rädern, einen Dachträger und einen Schnorchel (Einzelpreis 913 Euro), der sich ganz schlank an der A-Säule entlangschmiegt. Kleiner Lacher zwischendurch: im 630 Euro teuren Urban Pack gibt es Sport-Pedalaufsätze.

Bei der Radauswahl bleiben wir ebenfalls im Standard, das heißt: 18-Zoll-Stahlrad, weiß lackiert. Welche Reifengröße dahintersteckt? Auch hier keine Aufklärung. Aber es ist die kleinste verfügbare Felge – und schon 18-Zöller sind in der Reifenbeschaffung im Outback nicht unbedingt ein Selbstläufer.

Ein bisschen Farbe muss sein, der Aufpreis von 1.000 Euro für einen Metallicton ist fair – Pangea-Grün wäre doch was. Die Wahl zwischen Klarglasscheiben und getöntem Glas im rückwärtigen Teil der kantigen Karosse führt noch eimal vor Augen: Blech ist hier keine Option mehr.

Nun das Interieur. Der klappbare Notsitz in der ersten Reihe ist ein ungewöhnliches Detail, gerade wer plant, die Rücksitze gegen einen Innenausbau zu tauschen, kann hier also notfalls mal einen Anhalter platzieren. Wären 875 Euro extra. Ein beledertes Volant: weitere 125 Euro. Das war’s.

Noch ein wenig Technik obendrauf. Das Offroadpaket (1.650 Euro), mit Dachreling, elektronisch regelndem Differential an der Hinterachse (Preis allein: 1.250 Euro) und ein Satz AT-Reifen ist nicht verkehrt, die Terrain-Response-Automatik bleibt draußen, man ist ja kein Anfänger mehr – 830 Euro gespart. Die Frontscheibe aus Wärmeschutzglas für 260 Euro ist die Investition wert, 100 Euro für Fußmatten erscheinen dagegen schon fast frech. 1.500 Euro für eine Standheizung sind marktüblich, die darf also ab Werk mit rein. Ein Unterfahrschutz aus fünf Millimeter starkem Alu klingt an der Praxis orientiert, 1.000 Euro sind dafür fällig. Interessant ist das Angebot eines integrierten Kompressors, mit 1.140 Euro Anschaffungspreis wird aber wohl der Großteil zu einem portablen Gerät greifen.

Am Ende stehen 62.123 Euro auf der Anzeige, für einen 200 PS starken Diesel-Defender und einem kleinen Grad an Individualisierung. Nach wie vor: ein Preiskracher ist es nicht. Für Nostalgiker: einen auf Euro 6 aufgebohrten, aber technisch Welten entfernten Land Cruiser GRJ 78 gibt es ab 50.000 Euro, der billigste Mercedes G beginnt derzeit bei 97.000 Euro. Das der Vollständigkeit halber.

Land Rover Defender 2020 - Die ersten Bilder
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