Reise gebucht, dann kam Corona. Was nun?

Wer eine Offroad-Tour bei einem Reiseveranstalter gebucht hat, muss darauf vorerst auf unbestimmte Zeit verzichten. Was kann man als Kunde nun tun?

Reiseveranstalter
Reiseveranstalter

Das Abenteuer war schon zum Greifen nah: Eine Tour durch die wilde Landschaft der Karpaten oder durch die Maronenwälder der Toskana. Schon lange im Vorfeld war die geführte Reise gebucht und bezahlt, dann kam Corona: Grenzen geschlossen, an Offroad-Touren ist gar nicht mehr zu denken – den Urlaub darf man nun im heimischen Garten verbringen. Da kann Frust aufkommen. Auch finanzieller? Was passiert nun eigentlich mit der bereits bezahlten Teilnahmegebühr?

Wer bekommt sein Geld zurück?

So unattraktiv das Wort Pauschalreise in unserer Branche klingen mag, so hat sie doch für den Kunden ihre Vorteile. Denn Anbieter von Pauschalreisen sind zurzeit nach dem Deutschen Recht verpflichtet, den gesamten Reisepreis innerhalb von 14 Tagen zurückzuerstatten. „Wir dürfen bei der derzeitigen Situation davon ausgehen, dass die sogenannte höhere Gewalt vorliegt. Also außergewöhnliche und unerwartete Ereignisse, auf die weder Verbraucher noch Unternehmer Einfluss haben“, begründet die Juristin Julia Buchweitz von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein die Zahlungspflicht mit der Rechtsgrundlage ist § 651a BGB. Weiter erklärt sie: „Gutscheine oder Umbuchungen müssen momentan nicht von Verbrauchern akzeptiert werden. Dies betrifft sowohl die Stornierung von Verbrauchern, als auch die Stornierung durch das Unternehmen.“

Was ist eine Pauschalreise?

Um eine Pauschalreise handelt es sich, wenn eine Buchung mindestens zwei Reiseleistungen umfasst. Alternativ handelt es sich auch dann um eine Pauschalreise, wenn man eine Reiseleitung mit einer weiteren touristischen Leistung bucht, beispielsweise das Eintrittsgeld in einen Nationalpark.
Eine Pauschalreise wäre zum Beispiel eine Offroad-Tour, die neben der Reiseleitung die Kosten für diverse Unterkünfte wie Camps oder Hotels umfasst. Als Reiseleistung zählen zudem auch die (Voll-)Verpflegung und ein Mietfahrzeug.

Was ist eine Individualreise?

Bei einer Individualreise bucht man die Reiseleistungen getrennt, beispielsweise Flug und Unterkunft. Dabei organisiert der Reisende den Ablauf der Reise selbst.
Das trifft auch auf den Fall zu, wenn ein Reiseanbieter das Mietfahrzeug zur Verfügung stellt und dem Kunden eine Liste mit Empfehlungen zur Hand gibt – sei es für Campingplätze, Streckenbeschreibungen oder Wanderrouten. Der Kunde gestaltet seinen Urlaub komplett selbst und verpflegt sich auch selbst.

Wer zahlt bei einer Individualreise?

„Hier kommt es sehr darauf an, was in den AGB des Unternehmens geregelt wurde. Unseres Erachtens liegt derzeit vielfach auf beiden Seiten Unmöglichkeit vor (§ 275 BGB: Der Anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist). Für Schleswig-Holstein aufgrund der regionalen Erlasse mindestens bis zum 19. April. Weltweit, solange die Reisewarnung besteht, also mindestens bis zum 30. April. In diesem Fall muss die Leistung von beiden Seiten nicht erbracht werden. Schadensersatzansprüche bestehen nicht, da auf keiner Seite Verschulden vorliegt. Hier kann einem Verbraucher ein Gutschein angeboten werden, weil es dem Unternehmen nicht grundsätzlich unmöglich ist, die Leistung zu erbringen, sondern nur momentan“, erläutert Julia Buchweitz.
Allerdings erklärt sie auch, dass der Verbraucher einwenden kann, dass für ihn ein Wegfall der Geschäftsgrundlage nach § 313, 314 BGB vorliegt. Demnach würde die Reise aus gewissen Gründen zu einem späteren/anderen Zeitpunkt gar keinen Sinn mehr für ihn machen. In dem Fall könnte ein Anspruch des Verbrauchers auf Auszahlung des Reisepreises bestehen.

Was ist, wenn der Reiseveranstalter insolvent ist?

Reiseveranstalter sind verpflichtet, ihren Kunden einen Sicherungsschein zu übergeben. Dieser wird meist von der Versicherung ausgestellt und gewährleitet dem Kunden, dass er seinen bereits bezahlten Betrag zurück bekommt, falls der Veranstalter vor der Reise Insolvenz anmelden muss. Vor der Aushändigung darf dieser keine Anzahlung verlangen. Ist die Reise nun gebucht und wird der Reiseveranstalter – beispielsweise aufgrund der Folgen der Corona-Krise – insolvent, muss der Versanstalter seinen Geschäftsbetrieb im Regelfall einstellen. Fallen die bereits bezahlten Reiseleistungen somit aus, kann der Kunde über den Sicherungsschein von der Versicherung die Rückzahlung des bisher gezahlten Reisepreises verlangen.
Lag bei der Buchung trotz der gesetzlichen Verpflichtung kein Sicherungsschein vor, wird es schwieriger, das Geld zurück zu verlangen. Eventuell hat der Reiseveranstalter dennoch eine Versicherung abgeschlossen, sodass diese im Fall einer Insolvenz greift. Liegt auch diese nicht vor, kann man die Rückzahlung über den Insolvenzverwalter beantragen.

Trotz allem ist es eine persönliche Entscheidung, ob man dem Reiseveranstalter entgegen kommen möchte, indem man auf die Rückzahlung verzichtet und stattdessen lieber einen Gutschein über den gezahlten Reisepreis annimmt. So kann er die Reiseleistung auch in den Zeiten nach Corona erbringen und Sie in die wilde Landschaft der Karpaten führen.

Mehr zu dem Thema lesen Sie in der nächsten Ausgabe des EXPLORER, die im Mai 2020 erscheint. Weitere Informationen über das Recht als Verbraucher finden Sie auf der Website der Verbraucherzentrale.