In den USA ist Earth Roamer das, wofür in Europa Action Mobil, Unicat und Co stehen: Expeditionsmobile aus dem obersten Regal. Wie so etwas aussehen kann, zeigt der brandneue XV-HD

Wer es noch nicht weiß: in den USA besitzen auch abseits der Highways die Wege keine Kurven. Das zumindest könnte man glauben, sieht man sich das neue Spitzenmodell von Earth Roamer einmal von der Seite an. Dann verdunkelt das Alkovenmobil über eine Länge von 10,67 Meter den Horizont. Und zwar bis zu einer Höhe von 4,14 Metern – in Europa undenkbar, aber nicht so im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aufgebaut wird das XXL-Alkovenmobil auf einem Ford F-750, dem wohl größten Pickup, den man für Geld kaufen kann. Der hat einen 6,7 Liter großen V8-Diesel unter der Haube, der mit 330 PS und 680 Newtonmeter Drehmoment zwar nicht ganz so bombastisch daherkommt, aber sicher trotzdem alles andere als untermotorisiert ist.

Aufgerüstetes Basisfahrzeug

Nun sind die großen Ford eigentlich als Laster konstruiert, da braucht es einiges an Nachhilfe, bis aus ihnen ein echter Offroader wird. Aber der US-Marktführer Earth Roamer weiß, wie sich der Doppelkabiner zum passablen Pistengänger umrüsten lässt. Nach einer Umrüstung auf Allrad-Antrieb wird die Geländegängigkeit durch die Montage von Michelin XZL Wide Base erhöht. Mit einem Format von 425/65 R22,5 ist mangelnde Bodenfreiheit kein Thema mehr, die Reifen haben einen Durchmesser von 1,14 Metern. Dazu gibt es eine Luftfederung mit Fox-Stoßdämpfern an der Hinterachse, hydraulische Niveauregulierung, 435 Liter Dieselreserve und für den Notfall eine hydraulische Seilwinde mit 15 Tonnen Zugkraft. Gesamtgewicht des Monster-Mobils: 15 Tonnen.

Innenausbau in Extra-Large

Sind Sitz- und Schlafplätzen für sechs Personen geplant, ginge ein europäischer Hersteller sorgsam mit dem zur Verfügung stehenden Platz um, doch nicht so in den USA. Dort zählt die große Geste, passend zum äußeren Auftritt, der selbst einen ausgewachsenen Dreiachser wie diesen MAN TGS noch um 20 Zentimeter in der Höhe überragt. Was also bietet der HV-HD im Innenraum? Zunächst ein paar Zahlen: 2.100 Watt Photovoltaik liegen auf dem Kabinendach und eine Lithium-Ionen-Batteriebank von 800 Amperestunden im Boden, dazu gesellen sich 950 Liter Frischwasser. Ein paar Tage im Outback zu stehen, sollte also den zukünftigen Earth Roamer-Besitzer nicht vor größere Aufgaben stellen. Und damit das mit passendem Komfort einher geht, gibt es im Heck der Wohnkabine eine Sofa-Landschaft, auf der nicht nur die Großfamilie an sich Platz findet, sondern auch noch die besten Kumpels. Am Abend wird dann der Tisch abgesenkt und die U-Sitzgruppe zum Bett umgebaut. Weitere Schlafplätze gibt es in der Fahrzeug-Front, im großen und hellen Alkoven – er besitzt insgesamt vier Ausstellfenster und eine Dachluke.

Zwischen den beiden Fahrzeug-Enden ist eine ebenfalls sehr extrovertierte Küchenzeile platziert, die sich gleich auf beide Fahrzeugseiten erstreckt. Auf der Fahrerseite warten Kühlschubladen, Backofen und Induktions-Kochfeld, Spüle, Stauräume und ein weiterer Kühlschrank sind auf der Beifahrerseite untergebracht. Dazu gibt es noch Platz für Waschmaschine und Trockner und natürlich eine vollwertige Nasszelle mit separater Dusche.

#Vanlife lässt grüßen

Bei der Gestaltung der Baunummer eins hat sich Earth Roamer augenscheinlich am Vanlife-Trend inspirieren lassen und setzt auf Echtholz-Oberflächen im Used-Look. Das dunkel gebeizte Nadelholz, kombiniert mit den dicken Lederpolstern der Sitzgruppe, lässt dabei etwas wie Club-Atmosphäre aufkeimen, die Marmor-Arbeitsplatten der Pantry sorgen für den mondänen Kontrapunkt. Wovon #Vanlifer sicher auch träumen: Fußbodenheizung, Bose-Stereoanlage und kräftige Klimaanlagen.

Den Kunden scheint es zu gefallen: Vom bisherigen Flaggschiff des Unternehmens, dem XV-LTS auf Basis des Ford F550 verkaufte Earth Roamer immerhin fast 200 Stück – und auch für den neuen XV-HD darf man sich erst einmal hintenanstellen. Frühestens 2019 kann Earth Roamer den nächsten Wagen ausliefern, bis dahin ist man bereits ausgebucht. Und auch das gelingt nur, wenn man umgehend 375.00 US-Dollar als Anzahlung überweist. Die restlichen 1,125 Millionen Dollar sind dann bei Übergabe fällig. Also bleibt der amerikanische Traum für viele doch nur eben das: ein Traum.

Earth Roamer XV-HD Expeditionsmobil