Mit 25 Jahren durchquert Anselm Pahnke Afrika in 414 Tagen. Allein. Von seinen Erlebnissen erzählt nun eine Dokumentation, die so beeindruckt, dass eine Weltreise im Auto wie ein Wochenendausflug erscheint

(msk) Die Momente, an denen ich den Kinosaal tief beeindruckt verlasse, noch einige Minuten stumm auf dem Stuhl sitze und auf die wieder schwarze Leinwand starre, waren selten geworden, in den letzten Monaten. Und dass, obwohl Reise- und Globetrotter-Dokus derzeit in enger Folge über die Leinwände der Programmkinos flimmern. Ich will es mit den Worten des Protagonisten sagen: “ich bekomme das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht”. Endlich ein Projekt, wo der Film hält, was der Trailer verspricht.

Auf dem Rad durch Afrika, in 414 Tagen

Keine vier angetriebenen Räder, ja nicht einmal zwei, und dann gleich zu Beginn der provokante Satz “kein Blech trennt mich von der Natur” – warum also auf der Website eines Auto-Reisemagazins über einen Fahrradfilm schreiben? Aus einem so kurzen wie wichtigen Grund: selten wurde so eine Lebensfreude, so eine Neugierde auf einen Kontinent so positiv und dennoch abgeklärt in einen Reisefilm gegossen. Anselm Pahnke gelingt es, seine Zuschauer mit auf eine Reise zu nehmen, die einen permanent schwanken lässt zwischen der Bewunderung für diese Leistung – und dem stillen Wunsch, es ihm nachzumachen. Offen und immer mit einem Lachen durchreist er alle Kulturkreise des Kontinents, durchlebt Hochs und Tiefs, bezaubernde Natur und spannende Menschen, behält dabei aber immer eine angenehme Balance zwischen Reportage und Einblicke in seinen Alltag. Achtung: Wer kein Afrika-Fan ist, der könnte hiernach seinen Standpunkt geändert haben.
Für uns Autofans aber öffnet er auch einen Blick in eine Art zu Reisen, dessen Tempo und Unmittelbarkeit uns nicht erreichbar erscheint. “Ein Wahnsinn, wie sich Afrika hier heute gerade verändert hat, ich komme gar nicht mit”, spricht ein sichtlich überforderter Anselm an einer Stelle in die Kamera. Die Distanz, von der er spricht? 50 Kilometer. Beneidenswert, ein Ansporn, die eigenen Reisegewohnheiten zu hinterfragen.

Allein unterwegs, Allein gefilmt

Eine Leistung, die nur auf dem zweiten Blick klar wird: der junge Geophysiker war mit sich und dem, vollgeladen bis zu 70 Kilogramm schweren Rad, ganz allein – und hat dennoch sehenswertes Bildmaterial gesammelt. Mit geringstem Aufwand, aber doch gutem Blick und großem Improvisationstalent, herausgekommen ist ein intensiver Film mit außergewöhnlichen Einblicken. Ohne Effekthascherei, die Leistung, die Szenen sprechen für sich. Auch zeugen sie von einer mentalen Stärke, die außergewöhnlich ist.

414 Tage – und kein Ende

Nach mehr als einem Jahr erreicht Anselm Pahnke schlussendlich Ägypten. Hinter ihm liegen 15.000 Kilometer durch alle Klimazonen, er rollte durch die Sahelzone und auf bis zu 3.200 Meter Höhe, sah in die Augen von Flusspferden und die Läufe von Maschinengewehren, durchlitt Malaria und Typhus, und kämpfte sich durch Sandstürme und Pisten, auf denen wir unserem Allradantrieb danken. Transafrika, im Sattel, allein, ein außergewöhnliches Abenteuer! Für Anselm Pahnke nicht genug. In Ägypten angekommen, schaltete er die Kamera ab – und hängte weitere 35.000 Kilometer dran, rollte quer durch Asien bis nach Australien. Sehenswert!

“Anderswo: Allein in Afrika” läuft bereist seit Dezember 2018 in ausgewählten Kinos.

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