Am 3.10.2017 ist die 3. Adventure Northside mit einem satten Besucherplus zu Ende gegangen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Versuch einer Analyse

Es ist eine schwere Zeit für Messen. Immer weniger Menschen nehmen sich die Zeit, auf solchen Publikumsveranstaltungen durch die Gänge zu laufen, um ihr schwer verdientes Geld an den Mann zu bringen. Die IAA verlor jüngst 50.000 Besucher, rücklaufende Zahlen auch bei der Berliner ITB – und in Hamburg macht die traditionsreiche Bootsausstellung Hanseboot gleich ganz dicht. In Anbetracht dieser Realitäten ist es eine ordentliche Leistung, wenn eine junge Messe, veranstaltet von einem kleinen Team, schon das dritte Jahr in Folge stramme Zuwächse verzeichnet. Die Adventure Northside schwimmt dabei auf der Popularitätswelle vom Camping im Allgemeinen und dem Boom im Allrad- und Fernreise-Segment im Speziellen. Schon die Leitmesse Abenteuer & Allrad zeigte im Sommer, das die Nachfrage immens hoch ist, und der Caravan Salon legte mit neuem Besucherrekord und zahlreichen Allrad-News eindrucksvoll nach. Da war absehbar, dass auch in den regionalen Messen einiges an Potential steckt.

Mehr von allem

In Zahlen ausgedrückt, kann sich der Erfolg der Adventure Northside an 120 Ausstellern und 7.200 Besuchern gut messen lassen. Der Wechsel des Veranstaltungsortes von Walsrode auf das Gut Basthorst im Osten von Hamburg erwies sich ganz offensichtlich als kluge Entscheidung. Für Tagesbesucher von Flensburg bis Berlin in guter Reichweite gelegen, dämpfte vermutlich einzig das herbstliche und wechselhafte Wetter den Ansturm – stürmischer Wind machte es manchem Aussteller schwer, sein Angebot adrett und trocken auszustellen. Und so war es weniger verwunderlich, dass die große Campingwiese nur von einer knappen Hundertschaft Hartgesottener in Anspruch genommen wurde. Oder ob es an der Preisstruktur lag? 20 Euro Gebühren für die Nutzung einer Wiese – ohne weitere Dienstleistung – waren für den einen oder andere Besucher Grund zu Unmut, der sich nicht einmal mit einem kühlen Bier herunterspülen ließ: die Preisstruktur der vom Gutshof betriebenen Imbiss-Stationen war auf ähnlich hohem Niveau, bei ähnlich überschaubarer Gegenleistung.

Ohne Frage großartig aber war die Fülle an spannenden Produktneuheiten, die sich dem interessierten Besucher bot. Im oben eingebetteten Video finden sich noch einmal eine Auswahl weiterer Premieren, die es nicht in unsere Online-Vorberichterstattung geschafft hatten.

Weniger wie früher

Vom Happening auf der grünen Weise hat sich die Northside in diesem Jahr zur echten Messe gewandelt. Eine Aussteller-Auswahl, die jede Nische abdeckte, kombiniert mit einem attraktiven Gelände in guter Lage: der Schritt, den Veranstalter Ralf Urbanek und sein Team machten, ist deutlich und richtig. Und schade, zumindest ein bisschen. Der Festival-Charakter, der noch die ersten zwei Auflagen prägte, ging bei dieser Entwicklung verloren. Kein großes Lagerfeuer mehr in der Mitte der Messe, keine abendlichen Spaziergänger, die noch einmal zum Klönschnack am Stand vorbeikamen, keine Open-Air-Musik mehr. Die Vorträge, obwohl nun in großen, gut geeigneten Sälen untergebracht, gingen im Messegetummel beinahe unter, der Geruch von Stockbrot waberte nur noch auf der abgelegenen Wiese der Bushcraft-Szene, nicht mehr durch alle Gassen. Stattdessen gab Sahnetorte für 3,50 Euro.

Gemischte Bilanz bei Besuchern und Ausstellern

Gänzlich überraschend aber wird das Messe-Fazit, blickt man auf die Reaktionen der Gäste und Händler. Das schwankt von großer Begeisterung bis zu tiefer Enttäuschung. Einig ist man sich nur in einem: dass die Veranstaltung auf dem richtigen Weg ist. Ob vier Tage zu lang sind, oder die Anzahl der Aussteller noch immer zu gering, ob der Termin im Herbst zu spät ist oder die Kosten zu hoch, hier hatte beinahe jeder Besucher eine eigene Meinung. Und wie unterschiedlich das Kaufinteresse war, ließ sich noch eine Stunde vor Schluss der Messe symbolhaft erleben: An einem Stand greifen noch fünf Gäste nach ihren Geldbörsen, direkt daneben hat der Aussteller das Gelände bereits vorzeitig verlassen. Klar ist: die Marke “Gut Basthorst” hat viele Tagesbesucher angezogen, die mit der Szene im Grunde nichts verbindet. Das ist nicht schlecht, denn so finden sich auch neue Einsteiger. Um aber auch Globetrotter und Allrad-Fans ins Herzogtum Lauenburg zu locken, bedarf es 2018 aber noch einmal einer Steigerung bei den Ausstellerzahlen – und eines besseren Marketings in der Region. Das Potential ist da.

Adventure Northside: Unterwegs, aber noch nicht angekommen

Etwas Neues zu etablieren ist nie wirklich leicht. Das ist auch bei einer Messe wie dieser so. Mit dem Wechsel auf den neuen Veranstaltungsort hat die Messeleitung die Weichen in die richtige Richtung gestellt – und muss das bestehende Korsett nun konsequent mit Leben füllen, aber auch professionalisieren. Dann kann die Adventure Northside erfolgreich gegen den Strom schwimmen, zusammen mit Caravan Salon und Co. Das man in der Region zumindest nicht wasserscheu ist, haben die Besucher an vier Tagen erfolgreich bewiesen.