Drei mal Vier mal Vier

Achleitner Iveco Daily Allrad

Obwohl schon ab Werk mit potentem Allrad versehen, bietet nun Allrad-Nachrüster Achleitner zwei weitere Systeme für den Iveco Daily. Sie schließen die Lücke zur Sprinter-Klasse und bieten neue Wahlmöglichkeiten. Wir gingen auf Probefahrt

Das Set des Daily war komplett, Offroad-Reisefans bekamen von Haus aus alles mit, was sie sich wünschten. Warum also den Markt mit zwei weiteren System fluten? Eine schlüssige These, könnte man denken, doch die Wahrheit ist eine andere. Der von Scam konstruierte Antriebsstrang war so potent, das er für viele Overlander eigentlich zuviel des guten ist. Wer braucht schon ein Untersetzungsgetriebe UND zusätzlich ein Splitgetriebe, das so für satte 18 Gangabstufungen sorgt? Umgekehrt ist die Auswahl an Karosserietypen eingeschränkt: den Daily 4×4 gibt es nur als Pritsche mit Einzel- oder Doppelkabine, kombiniert mit dem kurzen Radstand.

Damit ist es jetzt vorbei. Der EXPLORER konnte die ersten fahrfertigen Prototypen des Achleitner Iveco Daily Allrad fahren, die ab dem Spätsommer das Angebot ergänzen. Sie heißen ganz profan “All-Road” und “Off-Road” und haben einen bestechenden Vorteil: es gibt sie für jede Variante des Iveco Daily. Alle Radstände, alle Karosserieformen, alle Motor-/Getriebekombinationen. Schon jetzt Szeneprimus, wird das die Verbreitung des Allrad-Daily weiter stützen, denn nun ist er auch als kleines, busartiges Mobil nutzbar, umgekehrt können sich Aufbauer freuen, die größere Aufbauten umsetzen wollen – und dafür zuletzt auf den Fuso Canter zurückgriffen.

Dem Namen entsprechend, ist der “All-Road” die zarteste Variante, mit bis zu drei per Druckluft geschalteten Differentialsperren und einem Untersetzungsgetriebe (1:2,5) aber dem bislang vom Mercedes Sprinter abgedeckten Markt weit überlegen. Der Testwagen, ausgerüstet mit der oft gelobten Hi-Matic-Automatik, kraxelt entspannt durchs Gelände und nimmt mittlere Steigungen problemlos. Acht Zentimeter mehr Bodenfreiheit vorn und zehn am Heck sind nicht viel, an den Kastenwagen passen jedoch maximal nur 225/75 R16 in die Radhäuser. Wer eine Pritsche ordert, könnte in Zukunft auf 245/75 R16 wechseln, so zumindest eine Überlegung des Umbauers aus Österreich. Bei einem Leergewicht von 2,1 bis 2,4 Tonnen sind alle Kastenwagen problemlos unter 3,5 Tonnen zu halten, der Allrad bringt ein Mehrgewicht von 220 Kilogramm mit an Bord. Diesen Antrieb hat Achleitner schon länger im Programm, erstmals aber kann er nun mit Einzelbereifung angeboten werden.

Ein gutes Stück bulliger steht die “Off-Road”-Variante dar. Dessen Spur ist massiv breiter als die vom Scam-Werksallrad, was sich besonders bei hohen Aufbauten spürbar in der Fahrstabilität bemerkbar machen wird. Die 315/75 R16 sind weltweit nicht unbedingt einfach zu bekommen, stehen dem Fahrzeug aber ungemein. Auch hier ist die Vorderachse des Achleitner Iveco Daily Allrad komplett neu entwickelt, die Hinterachse bleibt gleich, wird nur durch Blöcke der neuen, nötigen Höhe angepasst. Probleme mit Bodenfreiheit? Keine Sorge, wo der Original-4×4 durchkommt, hat auch die Achleitner-Version kein Problem – sie liegt bei 27 Zentimetern unter den Achsen. Die Untersetzung ist mit 1:2 ausgelegt, das Automatikgetriebe kann hier nicht verbaut werden. Auch preislich wird dieser Antriebsstrang vergleichbar sein, der Vorteil liegt hier ganz deutlich bei der stärkeren Karosserie-Vielfalt. Stefan Christner, Verkaufsleiter von Bimobil – und damit der größte Abnehmer von Allrad-Dailys im Reisemobil-Segment – ist überzeugt: “Damit haben wir eine bessere Basis für größere Kabinen-Konzepte”. Bislang bot Bimobil ausschließlich den EX358 an. Konkrete Preise stehen noch nicht fest, erste Serienmodelle wird Achleitner auf der IAA im Herbst vorstellen – dann wird auch der EXPLORER noch einmal einen genauen Blick auf die zwei neuen Alternativen werfen.

Und wenn das noch nicht genug Grund ist, sich den Daily genauer anzuschauen: zwei Jahre nach Einführung des 2wd-Modells und ein Jahr nach Präsentation der Allrad-Version hat Iveco just ein Facelift zu den Händlern geschickt, mit zahlreichen kleinen Modifikationen im Innenraum – und den nun zwingend vorgeschriebenen Euro-6-Motoren. Dieser ist beim schweren Allrad-Fahrzeug schon länger Pflicht, in der Klasse bis 3,5 Tonnen ist bis August 2016 noch Euro 5b erlaubt.