Sei schlau, sei ein Holzkopf

Nachhaltigkeit geht jeden etwas an, aber kann man Reisemobile ökologisch korrekt aufbauen? Ein Blick auf passende Rohstoffe

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Das Baumaterial: Flachsfasern...

Fleisch kauft man ­– wenn überhaupt – nur noch in Bio-Qualität, die Tomaten wählt man möglichst nicht in Plastik verpackt und Produkte mit Palmöl bleiben so gut es geht im Regal. Schnell den Einkauf im Mehrweg-Einkaufsbeutel verstaut, dann kann die Reise ja beginnen. Der 7-Liter-Sechszylinder des Lkw hustet zweimal kurz auf, dann brummt er ­zufrieden und bläst Unmengen an Kohlenstoffdioxid in die Luft. Prima.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in fast aller Munde und, zugegeben, mit einem Allrad-Reisemobil durch die Lande zu ziehen, ist nicht sonderlich ökologisch. Am besten wäre es, wenn wir alle wie Fred Feuerstein verreisten und das Auto nur mit Muskelkraft fort­bewegten – doch dann wäre der Jahresurlaub wohl bereits an der Grenze zum Nachbarland aufgebraucht. 

Aber selbst wer mit einer Wohnkabine auf Reisen geht, kann auf Nachhaltigkeit achten – und das nicht nur unterwegs beim täglichen Einkauf, sondern bereits vor dem Bau des rollenden Heimes. Muss es denn unbedingt die acht Meter lange Wohnkabine sein oder reichen nicht vielleicht auch nur fünf Meter? Trotz des CO2-Ausstoßes, der sich in dieser Szene leider nicht vermeiden lässt, können wir unsere Möglichkeiten mit Bedacht nutzen: ein kleineres und leichteres Fahrzeug bedeutet weniger verbaute Materialien, einen geringeren Kraftstoffverbrauch und zum Teil auch weniger Auswirkungen auf die Umwelt, beispielsweise wenn man abseits der Straße übers Gelände rollt. Je länger man das Reisefahrzeug nutzt, desto länger ist sein Lebenszyklus und umso besser fällt seine Ökobilanz aus, schließlich erfordert allein die Herstellung eines Fahrzeuges jede Menge Energie.

Nicht von ungefähr setzen Selbstausbauer und Hersteller gerne auf GFK, schließlich gelten die Kabinen als langlebig, robust und bieten eine gute Wärme- und Kälteisolation. Hat die Box aber ihr Lebensende erreicht, bleibt: Sondermüll. Wer seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern will, der entscheidet sich für Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen. Dabei sollte man aber nicht nur darauf achten, DASS die Rohstoffe nachwachsen, sondern auch, WO sie wachsen. Müssen Baustoffe erst einmal aus Asien importiert werden, wirken sich die langen Transportwege negativ auf die Bilanz aus. Eine wichtige Rolle spielt darüber hinaus nicht nur die verbrauchte Energie für die Verarbeitung des Materials, sondern der gesamte Lebens­zyklus, also auch die Schritte vor und nach seiner Nutzung: Wie viel Energie ist nötig, um das Produkt herzustellen, beziehungsweise einen Rohstoff zu gewinnen? Wie wird der Rohstoff verarbeitet, wenn man ihn nicht mehr benötigt – kann er recycelt werden? Das Problem der Ökobilanz ist jedoch, dass sie sich nur schwer ermitteln lässt, da jeder Hersteller andere Argumente heranzieht, unterschiedlich fokussiert.

Eine grobe Marschrichtung für DIYer kann sein, sich am Kaufverhalten für Lebensmittel zu orientieren: lokal oder regional erzeugte Ware kann sinnvoller sein als ein Importprodukt. Ein Beispiel: Baumwolle als Dämm­material basiert zwar auf einem nachwachsenden Rohstoff, aber nicht nur der lange Transportweg nach ­Europa wirkt sich schlecht auf die Ökobilanz aus. Allein die Bewässerung der Pflanzen erfordert einen enormen Ressourcen­aufwand – und der Mengenbedarf für eine Fahrzeugdämmung ist extrem hoch.

Der beste Weg, nachhaltiger zu bauen, ist, wenn der Werkstoff an sich überzeugt, vielleicht sogar besser ist als das mittels Petrochemie oder energieaufwändiger Industrie hergestellte Äquivalent. Dann gewinnen beide Seiten: der Kunde mit einem besseren Produkt, die Natur mit geringerer Belastung. Ein Beispiel: Natürlichen Materialien wird nachgesagt, dass sie für ein gutes Raumklima sorgen. Zirbelkiefer scheint sich positiv auf das Befinden auszuwirken, soll die Herzfrequenz senken und für einen erholsamen Schlaf sorgen, Zeder ist antibakteriell und vertreibt Motten – es gibt genug Gründe, um Holz für den Bau seiner Wohnkabine zu wählen. Zum guten Raumklima sollen außerdem natürliche Dämmstoffe beitragen, die wie Schafwolle bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können und damit resistenter ­gegenüber Schimmelbefall sind. Allerdings sei nicht verschweigen, dass so ein Bau komplexer ist und auch anfälliger für Schäden. Und nur, weil die Außenhaut mit Lärchenholz beplankt ist, muss das Gesamtprojekt noch lange nicht nachhaltiger sein, als ein einfach konzeptionierter GFK-Koffer.

Im Bezug auf Umweltfreundlichkeit lässt sich das Reisemobil über eine Komposttoilette bis hin zum Holz­ofen in jedem Detail optimieren. Ein großes Feld, weshalb sich dieser Artikel zunächst auf die Materia­lien zum Bau einer Wohnkabine beschränkt – zu umfangreich ist das Thema Nachhaltigkeit, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dennoch, schaut man sich in der Branche um, gibt es unter den Kabinen­herstellern bisher nur wenige Vertreter, die nachhal­tigere Ausbauten anbieten. Nathalie Kolbatz und Max von Bruch gehören hier zu den Pionieren: Für ihr Projekt Greenlander schlossen sie sich mit dem Bremer Bootsbauer Green Boats zusammen. Die erste Pickup-­Kabine aus Flachs und Kork entsteht (ab Seite 42). Ein Projekt, das einmal aus erfreulich anderem Holz geschnitzt ist.

Sandwichmaterial

Harz, Fasern und Sandwich-Kerne lassen sich schon jetzt aus nachwachsendem Material herstellen

Es ist und bleibt der Standard im Reisemobilbau – der Wohnaufbau aus Sandwichmaterial. Die Wärmedämmung top, das Gewicht gering, die Festigkeit hoch. Allein:  ohne Erdöl kein GFK-Sandwich, und so ist sowohl die Herstellung als auch ein späteres Abwracken in Bezug auf Umweltverträglichkeit eine Fünf minus. 

 Außerhalb des Kabinenbaus setzt seitens der Industrie jedoch bereits ein Umdenken ein, mehr und mehr interessante Materialien kommen auf den Markt und werden, beispielsweise im Bootsbau, bereits erfolgreich eingesetzt. Das Spannende: nicht nur, dass vieles aus nachwachsenden Rohstoffen ­gewonnen wird, auch die technischen Eigenschaften verbessern sich, sind herkömmlichen Produkten sogar überlegen. So ist ein Laminat auf einem Kork-Kern weitaus stabiler was Schälbelastungen angeht, Flachs als Ersatz für Glasfasern bietet einen besseren Widerstand gegen Delamination, denn im Gegensatz zur Glasfaser nimmt der Naturstoff das Harz in der Faser auf, wird nicht nur ummantelt. Und, en passant, ist Flachs auch noch erheblich leichter als Glas. 

Auch Epoxidharz kann heute zu ­Teilen aus nachwachsendem Rohstoff ­hergestellt werden, bis zu 56 Prozent Substitution sind mittlerweile möglich. Und das bei vertretbaren Mehrkosten: Circa 15 bis 20 Prozent ist ein technisch vergleichbares Sandwichmaterial teurer als ein herkömmliches Produkt. 

Der Haken: Die überwältigende Mehrheit an Sandwichkabinen wird derzeit mit industriell hergestellten ­Außenlagen aus Polyesterharz hergestellt, die durch ­einen Dispersionskleber mit dem PU- oder XPS-Schaum zu einer Sandwichwand verklebt werden. Diese Bauweise unterscheidet sich technisch wie preislich enorm von Sandwich-­Laminaten, wie sie im Bootsbau verwendet und zurzeit nur von einigen wenigen Unternehmen auf den Fahrzeugbau über­tragen werden, darunter PSI Azalai, Maltec, Offroad Leichtbau und Krake Composites. 

Ein zweiter Nachteil: Die Herstellung solch komplexer Laminatstruk­turen erfordert viel Verbrauchsmaterial. Das ist derzeit meist noch konventionell hergestellt, also aus erdölbasierten ­Folien und Vliesstoffen, Ähnliches gilt für den Bau von Formen und eine
abschließende Oberflächenbehandlung – aber auch hier ist viel in Bewegung. Was sicher ist: Trotz nachwachsender Rohstoffe sind die Naturfaserkunststoffe (NFK) in ihrer Haltbarkeit und Nutzungszeit konventionellem Material nicht ­unterlegen, haben sie doch mit einem Natur­produkt im herkömmlichen Sinne schlussendlich nicht mehr viel gemein

 

Hölzer

Holz bedeutet immer nachhaltig – oder nicht? Grundsätzlich ist die Idee, eine Wohnkabine und seine Möbel aus einem nachwachsenden Rohstoff zu bauen, sehr lobenswert. Voraussetzung ist, dass dieser Rohstoff regionalen Gebieten entstammt und nur in kontrollierten Mengen abgeholzt wird. Harthölzer aus den Tropen sind nämlich mit langen Transportwegen nach Deutschland verbunden und damit nicht sonderlich umweltfreundlich. Viele dieser Hölzer sind außerdem so beliebt, dass die große Nachfrage die Abholzung der verbliebenen Urwälder fördert und vielerorts Raubbau betrieben wird

Lärche
Die Lärche gehört zu den härteren Nadelhölzern, überzeugt durch eine hohe Witterungsbeständigkeit (deshalb wurde sie auf Frachtseglern gern als Decksbelag eingesetzt) und lässt sich gut mit Heimwerker–Maschinen bearbeiten. Entscheidet man sich für Lärche, ist Vorsicht geboten, denn der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit kann hier schnell ins Gegenteil umschlagen: Ein Großteil des importierten Holzes stammt aus Sibirien, wo wegen der hohen Nachfrage Urwälder zerstört werden. Da die Sibirische Lärche witterungsbedingt langsamer wächst, ist ihr Holz härter als das der Europäischen Lärche. Unterscheiden kann man sie an ihrer Farbe: während die Europäische Lärche rötlich gefärbt ist, ist die Sibirische eher gelblich. Deshalb gilt: Beim Kauf auf ein entsprechendes Nachhaltigkeitssiegel und die Herkunft achten. Einsatz als Außenbeplankung oder Bodenbelag.

Zirbe
Eine besonders gute Wirkung auf das Gemüt wird dem Zirbenholz zugeschrieben. Demnach soll der Duft des Holzes zur Entspannung und einem erholsamen Schlaf beitragen und die Herzfrequenz senken. Außerdem habe die Zirbe eine antibakterielle Wirkung. Die Zirbelkiefer ist vor allem im Hochgebirge beheimatet, zu großen Teilen sogar in den Alpen, was sich aufgrund kurzer Transportwege positiv auf die CO2-Bilanz auswirkt. Da der Baum in Höhenlagen von über 1.500 Metern verschiedensten Witterungen ausgesetzt ist, gilt sein Holz als sehr widerstandsfähig. Zirbelkiefer wird als Sperrholz, Tischlerplatte oder Massivholz angeboten und eignet sich für den Innenausbau.  

Bambus
Genau genommen ist Bambus kein Holz, sondern gehört zu den Süßgräsern. Aber das tut seiner Eignung als Baustoff keinen Abbruch: er ist sehr leicht und elastisch, aber gleichzeitig sehr robust – in Teilen sogar Holz überlegen. Zudem ist der Rohstoff schwer entflammbar, jedoch muss er gegen Schimmel und Insektenbefall geschützt werden. Bambus ist ein sehr schnell nachwachsender Rohstoff, der Sauerstoff produziert und bis zu viermal so viel Kohlenstoffdioxid bindet wie bei uns beheimatete Bäume. Doch Bambus hat auch seine Kehrseite. Die meisten Importe stammen aus Asien, vor allem aus China. Lange Transportwege sprechen gegen den Nachhaltigkeitsaspekt. Immerhin: Meist wird Bambus noch von Kleinbauern und nicht in Monokulturen angebaut. Zum Teil ist FSC-zertifizierter Bambus erhältlich, als Furniersperrholz, Leimholz oder Dreischichtplatte.

Eiche
Eiche ist schwer. Das spricht nicht gerade für sie als Basis für den Bau von Kabinen und doch hat sie ihre Vorteile: Eichenholz ist sehr robust, hart und eignet sich für stark beanspruchte Konstruktionen im Kabinenbau. Es gilt als sehr witterungsbeständig und resistent gegenüber Pilz- und Insektenbefall. Eichenholz zeichnet sich durch seine lange Haltbarkeit aus, was aus Sicht der Nachhaltigkeit genauso positiv ist wie das Argument, dass der Baum in heimischen Wäldern wächst und nur kurze Transportwege erfordert. Im Innenraum seit Jahren wieder beliebt. Erhältlich als Furnier, Leim- oder Vollholz.

Pappel
Der Klassiker im Reise-fahrzeugbereich ist Pappel-Sperrholz, meist mit Folien, Furnieren oder HPL-Oberflächen belegt. Pappeln wachsen schnell nach und sind eher anspruchslos, dabei passen sie sich an das Klima und den Boden an. Die Pappel ist vor allem in Europa, Nordamerika sowie im Norden Asiens beheimatet und meist in Ufernähe zu finden. Zwar kann man zwischen 60 Arten unterscheiden, doch deren Eigenschaften ähneln sich sehr. Ihr Nachteil: Das Holz ist weder witterungsfest noch resistent gegen Insekten- und Pilzbefall und muss entsprechend geschützt werden. Vorteil des weichen Materials ist sein geringes Gewicht, besonders im Vergleich zu Harthölzern wie Eiche. Im Fahrzeugbau ausschließlich als Sperrholz sinnvoll einsetzbar, auch mit Sichtfurnier.

Dämmung

Kastenwagen und Kabinen in Fachwerk-Bauweise brauchen eine wirksame Isolationsschicht

War es Anfang der 80er-Jahre noch üblich, den Camper mit Styropor, Glas- oder Steinwolle auszukleiden, ist man heute einen Schritt weiter, sowohl technisch als auch baubiologisch: Die Fasermatten rutschten im Laufe der Jahre in sich zusammen, Styropor ließ sich nur schwer in enge Zwischenräume und Rundungen einarbeiten. Standard heute: Dämmmatten auf PE-Basis, der Yoga- oder Isomatte gleich. Ökologische Alternativen gibt es aber bereits einige, von Flachs bis Papier, von Hanf bis Kokos. Wichtig: Beim Camper funktionieren nur Produkte, die zu Platten verpresst sind, loses Material sinkt im Laufe der Zeit zu Boden und verliert so seine wärmedämmenden Eigenschaften. Auch relevant: Produkte, die feuchtigkeitsempfindlich sind, haben in einem Reisemobil nichts verloren.

Holzfaser
Holzfaser zählt zu den am häufigsten genutzten natürlichen Dämmstoffen. Die Dämmplatten werden hauptsächlich aus dem Restholz von Nadelbäumen hergestellt, das in der holzverarbeitenden Industrie abfällt. Im Nass- oder Trockenverfahren entstehen aus den Holzfasern Dämmplatten, zum Teil auch ohne zusätzliche Bindemittel. Im Sommer schützt das Material vor Hitze, außerdem ist es ein guter Schallschutz. Positiv für die CO2-Bilanz: Für den Transport der Holzfaser sind keine langen Transportwege nötig. Negativ: Sie ist fäulnisempfindlich, schwer und mit 40 bis 50 Euro pro Quadratmeter teuer.

Flachs
Flachsfasern gehören zu den ältesten Naturfasern und werden aus den Kurzfasern der Flachspflanze hergestellt. Die Kurzfasern fallen als Nebenprodukt der Leinengewinnung ab, weshalb die Bestandteile des Rohstoffes genutzt werden ohne Abfall zu produzieren. Die Herstellung des Dämmmaterials erfordert nur einen geringen Energieaufwand.
Die Platten, die aus der Faser gefertigt werden, lassen sich dank ihrer hohen Elastizität
sehr leicht verarbeiten. Dem Material werden besonders gute wärmedämmende Eigenschaften nachgesagt, zudem reguliert es das Raumklima und ist resistent gegen Schimmelbefall. Genauso wie der Zellulose, werden auch dem Flachs zum Brandschutz Borsalze beigemischt.

Kork
Zur Herstellung der Kork-Dämmung wird die Rinde der Korkeiche geschält und anschließend geschrotet. Die Dämmplatten werden aus Granulat hergestellt, das durch das Harz der eigenen Rinde verklebt und somit kein weiteres Bindemittel erfordert. Kork gibt gespeicherte Feuchtigkeit wieder ab, ist resistent gegen Verrottung und Schädlinge sowie schwer brennbar. Vorteilhaft sind außerdem seine hohe Elastizität, das geringe Gewicht und seine schallschluckenden Eigenschaften.
Die Korkproduktion findet unter anderem in Europa im Mittelmeerraum statt, hauptsächlich in Portugal und auf Sardinien, die Transportwege sind damit noch im akzeptablen Rahmen.

Zellulose
Zellulose wird aus Altpapier, hauptsächlich Tageszeitungen, hergestellt. Das Dämmmaterial gibt es in loser Form (für Fahrzeuge ungeeignet)sowie als Platten. Nach dem Zerkleinern werden dem Papier Brandschutzmittel beigemischt. Aufgrund seiner hohen Dichte werden der Zellulose ein sehr guter Hitze- und Schallschutz nachgesagt, außerdem ist das Recycling-Produkt gegenüber Ungeziefer und Schimmel resistent. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit punktet Zellulose durch einen niedrigen Energiebedarf bei der Herstellung, gleichzeitig sind die Preise für den Dämmstoff vergleichsweise gering.

Schafwolle
Während die meisten natürlichen Dämmmaterialien aus Pflanzenfasern hergestellt werden, gehört die Schafwolle als tierisches Produkt der absoluten Minderheit an. Im Vergleich zu anderen natürlichen Dämmmaterialien ist Schafwolle anfälliger für Schädlinge und erfordert daher eine Imprägnierung. Der nachwachsende Rohstoff hat eine reinigende Wirkung auf die Raumluft und überzeugt durch seine sehr gute Wärme-dämmungsfähigkeit. Schafwolle ist in der Lage, Feuchtigkeit bis zu einem Drittel seines Eigengewichts aufzunehmen, zu binden und nach außen wieder abzugeben. Erhältlich ist die Dämmung in Matten- und in loser Form.

Hanf
Hanf ist ein äußerst umweltfreundliches Produkt, da die Hanf-Pflanze auch auf heimischem Boden schnell wächst und ohne die Beigabe von Herbiziden auskommt. Die Dämmplatte wird aus der robusten Hanffaser hergestellt und ist dadurch sehr stabil. Ein weiterer Vorteil ist der geringe Energiebedarf bei der Herstellung des Dämmungsmaterials. Da Hanf leicht brennbar ist, wird es durch natürliche Borsalze oder das umweltfreundlichere Soda brandsicher gemacht. Hanf-Dämmplatten gelten als feuchtigkeitsbeständig und resistent gegen Schimmel- und Schädlingsbefall. Da es ohne Chemikalien auskommt, sorgt das Hanf für ein gesundes Raumklima. Die Wärmeleitfähigkeit ist vergleichbar mit der von Holzfaserplatten.

Kokos
Eigentlich wäre Kokos als Dämmstoff ideal: seine Fasern sind bruchfest, elastisch und innen hohl, was für eine gute Wärme- und Schalldämmung sorgt. Zudem nehmen die Fasern Feuchtigkeit auf und geben sie auch wieder ab. Sie sind also feuchtigkeitsregulierend und gleichzeitig fäulnisresistent. Als Dämmung eingesetzt werden die Kokosfasern in Form von Vliesen oder als Stopfwolle. Doch bezüglich der Nachhaltigkeit hat der nachwachsende Rohstoff einen entscheidenden Nachteil: In Europa wachsen keine Kokospalmen, somit sorgen die langen Transportwege, meist aus Südasien, für eine schlechte Ökobilanz. 

Böse Baumwolle?
Gute Wärmedämmeigenschaften, resistent gegenüber Schädlingen, dazu elastisch und somit gut verarbeitbar – das klingt doch gar nicht so schlecht! Baumwolle ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff, dessen pflanzliche Faser auch zur Herstellung von Dämmung dient. Doch trotz seiner positiven Eigenschaften ist die Herstellung von Baumwoll-Dämmung gar nicht so nachhaltig wie gedacht: allem voran steht der enorme Wasserverbrauch, um die Baumwollplantagen zu bewässern. Die Rohbaumwolle wird in Monokulturen gezüchtet, wobei Düngemittel und Pestizide zum Einsatz kommen. Da sie in den Tropen und Subtropen angebaut wird, sind für den Import nach Europa lange Transportwege nötig. Bei der Verarbeitung ist die hohe Staubbelastung schädlich, auch gilt Baumwolle als anfällig für Schimmelbefall, zudem gibt es keinen Plattenwerkstoff.