Wild, unberührt, einsam: Schwedisch-Lappland ist eines der letzten großen Naturgebiete Europas. Wenn im Sommer dort die Sonne nicht untergeht, entwickelt die Region ein Flair, dem man sich kaum entziehen kann. Wir gingen auf Rundtour

Der Magen knurrt lautstark, Kartoffeln und Maiskolben liegen schon bereit, Feuerholz ist zusammengesucht. „Wenn die Sonne weg ist, mache ich dann das Feuer an.“ Abendessen um Mitternacht, die Sonne steht noch immer am Horizont. Zuhause wünscht man sich manchmal, der Tag möge 24 Stunden haben, aber wenn es dann einmal so ist, kommt alles durcheinander. Willkommen in Schweden, willkommen in Lappland.

Das Lagerfeuer knistert und vertreibt die Moskitos, es riecht nach Fichtenharz und Moos. Überall Hinterlassenschaften von Elchen – ob auch sie den Ausblick von diesem Plateau genießen, mit Blick über Seen und Wälder, bis hin zum Horizont, der sich bereits wieder hellrot verfärbt? Immerhin, wo Elche sind, sind keine Bären, die erste Nacht im Norden sollte ruhig bleiben. Und kurz. Um sieben Uhr am Morgen strahlt die Sonne munter durch die Fenster, das Solarmodul liefert die erste Amperestunde des Tages ab. Zeit aufzustehen und sich einmal genauer umzusehen, in einer schier endlosen Wildnis, von der quirligen Hauptstadt Stockholm kaum eine Tagesreise getrennt.

Lappland offroad erleben

Lappland – nie ein eigener Staat gewesen, mit schwer festzulegenden Grenzen, verteilt von Norwegen bis hinein nach Russland. Der zentrale Teil der Region, in der die Samen leben, liegt im Norden Schwedens, 1.200 Kilometer von den Fähren nach Deutschland entfernt. Bei Strömstad, wo man auf dem Vildmarksvägen, der „Wildnisstraße“, vorsichtig auf asphaltiertem Weg in die Einsamkeit vorschnuppern kann, liegt die südliche Grenze Schwedisch-Lapplands. Hier verschwindet im Juni die Sonne noch für vier Stunden hinter dem Horizont, aber bis an die finnische Grenze liegen auch noch gut 800 Kilometer fast unbewohnte Natur vor der Motorhaube. Und mit jedem Kilometer gen Norden scheint die Sonne 30 Sekunden länger.

EXPLORER - Frühling 2017
Was sich mit dieser Zeit alles anfangen lässt, davon berichten wir in der Frühlingsausgabe 2017 des EXPLORERJetzt bestellen